Tiroler Tageszeitung, Analyse, Ausgabe vom 21. Oktober 2019. Von KARIN LEITNER. "Wenn sich Parteien selbst zerstören".

Innsbruck (OTS) - Die Türkisen von Sebastian Kurz sitzen erste Reihe fußfrei – und schauen sich an, was sich bei einstigen Koalitionspartnern abspielt. Die Freiheitlichen streiten seit Wochen coram publico mit ihrem vormaligen Chef Heinz-Christian Strache.
Die SPÖ ist ebenfalls mit sich selbst beschäftigt – nicht in Sachen „Erneuerung“, derer es ob des historisch schlechtesten Nationalratswahlergebnisses bedarf. Nicht Programmatisches ist auf dem Programm der Sozialdemokraten. Intrigen, Rachsucht und politische Abrechnungen bieten sie.
Interna sind aus dem SPÖ-Vorstand einem Boulevardblatt rapportiert worden. Dieses hat sie – ohne Gegencheck – publiziert. Von einem gut dotierten Beratervertrag für den einstigen Parteimanager Max Lercher war die Schreibe. Der bestreitet, einen solchen zu haben, spricht von „Grenzüberschreitung“ in und „Fouls“ aus roten Reihen. „Zum Schweigen bringen“ wolle man ihn, weil er die Parteioberen immer wieder kritisiere. Diese fühlen sich durch „wilde Geschichten“, die lanciert würden, „in Misskredit“ gebracht. Gestritten wird öffentlich – auf allen Kanälen und mit Verve.
Verwerfungen, wenn es schlecht läuft, sind nicht neu. Die gab und gibt es innert Parteien. Fraktionierungen und Ränke sind auch in der SPÖ keine Novität. Angesichts dessen, dass aus der staatstragenden und Kanzler- eine Oppositionspartei geworden ist, weil ihr immer mehr Wähler davonrennen, sind die jetzigen politisch aber fatal.
Auf einem Selbstzerstörungstrip sind die Genossen – und das auch noch kurz vor der Wahl in der Steiermark, bei der sie Platz eins verteidigen wollen. Nicht bewusst zu sein scheint den Protagonisten, dass keiner von ihnen etwas gewinnt. Alle verlieren.
Einmal mehr zeigt sich: Kein Polit-Konkurrent kann einer Partei so zusetzen, wie das manche ihrer Vertreter tun. „Freundschaft!“ ist der historische Gruß der Sozialdemokraten. Nun ist ein „Feindschaft!“ angebracht.

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