„Menschen & Mächte“-Doku über „Das schillernde Leben des Finanzjongleurs Camillo Castiglioni“ im ORF präsentiert

„Der Millionensassa“ am 17. Oktober um 22.30 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - In Österreich gab es nach dem Ersten Weltkrieg kein Millionengeschäft, in das „Inflationskönig“ Camillo Castiglioni nicht involviert gewesen wäre. Für die einen ist der Millionensassa Castiglioni ein visionärer Finanz-Magier, für die anderen ein gieriger Turbokapitalist. Der aus Triest stammende Aufsteiger polarisiert, Karl Kraus verteufelt ihn als „Geldhai“. Castiglioni hat ein Gespür für Grandezza und große Gesten. Ohne sein Sponsoring hätte Max Reinhardt im Wiener Theater an der Josefstadt keine so großen Erfolge feiern können. Außerdem weiß heute kaum jemand, dass es ohne Castiglioni die Automarke BMW gar nicht geben würde. Georg Ransmayrs „Menschen & Mächte“-Dokumentation „Der Millionensassa“ ist die Biografie eines heutzutage weitgehend unbekannten, damals aber berühmt-berüchtigten Grenzgängers.

Der Film wurde gestern, am Dienstag, dem 15. Oktober 2019, in Anwesenheit von ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz, ORF-2-Channelmanager Alexander Hofer, ORF-TV-Wissenschaftschef Tom Matzek, ORF-TV-Zeitgeschichteredaktionsleiter Andreas Novak, Regisseur Georg Ransmayr und Castiglioni-Darsteller Karim Karman im ORF-Zentrum präsentiert und steht am Donnerstag, dem 17. Oktober, um 22.30 Uhr auf dem Programm von ORF 2. Gedreht wurde die ORF/BR-Koproduktion an Originalschauplätzen in Österreich, Deutschland, Italien und San Marino. Dazu kommen Interviews mit noch lebenden Zeitzeugen, Expertinnen und Experten, aufwendige Spielszenen und bisher unbekanntes Film- und Archivmaterial.

ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz: „Diese ‚Menschen & Mächte‘-Dokumentation steht exemplarisch für Mehreres: Einerseits für die Vielfalt der Fähigkeiten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit Georg Ransmayr hat einer der profiliertesten TV-Wirtschaftsjournalisten die Lebensgeschichte Castiglionis zunächst in einem Buch aufgearbeitet und so interessant dargestellt, dass es naheliegend war, auch eine Zeitgeschichte-Dokumentation darüber zu gestalten. Zum anderen kann nur ein öffentlich-rechtlicher Sender mit einer entsprechenden Breite ein so wichtiges, spannendes, aber weitgehend vergessenes Thema einer Persönlichkeit wie Castiglioni – dank der Koproduktion mit dem BR auch über die Grenzen Österreichs hinaus – wieder im öffentlichen Bewusstsein verankern.“

ORF-TV-Wissenschaftschef Tom Matzek: „Eigenproduzierte, mit viel Engagement und Erfahrung recherchierte Zeitgeschichte-Dokumentationen zählen seit jeher zur Stärke des ORF. Sie kommt vor allem dann zum Tragen, wenn es um Sachverhalte, Personen und Epochen geht, die einer breiten Öffentlichkeit wenig bekannt, aber für das Verständnis unserer Geschichte wesentlich sind. Das Leben von Camillo Castiglioni ist so ein Fall. Es ist ein Schicksal, das die facettenreiche und widersprüchliche Zeit zwischen den beiden Weltkriegen in den 1920er und 1930er Jahren besonders anschaulich macht.“

ORF-TV-Zeitgeschichteredaktionsleiter Andreas Novak: „Georg Ransmayr taucht mit seiner Dokumentation über Camillo Castiglioni in eine Phase der Wende von der Monarchie in die Erste Republik. Eine Zeit, die der unseren vielleicht gar nicht so unähnlich ist. Damals gekennzeichnet von neuen Technologien, radikalen gesellschaftlichen Wandlungsprozessen, Fortschrittsglauben, aber auch geplagt von politischen und wirtschaftlichen Krisen. In diesen Jahren setzt Castiglioni treffsicher auf die Mobilität und Motorisierung der Nachkriegsgesellschaft. Zeit ist Geld. Er investiert in die Produktion von Motorrädern und Autos, begreift aber rasch, dass man auch Geld mit Geld machen kann, durch Börsen, Kredit- und Spekulationsgeschäfte. Es ist die spannende Geschichte von schnellem Aufstieg und tiefem Fall eines talentierten und teils skrupellosen Neureichen, eines Parvenus und Kunstmäzens. Diese mit Akribie recherchierte und mit vielen neuen Fakten und Facetten angereicherte Doku beleuchtet auch ein wichtiges Stück Wirtschaftsgeschichte der Ersten Republik. ,Menschen & Mächte‘ versteht sich als elektronische Datenbank zeitgeschichtlicher Erinnerung. Mit Georg Ransmayrs Castiglioni-Porträt ist ihr ein neues Stück beigefügt.“

Regisseur Georg Ransmayr: „‚Der Millionensassa‘ ist die erste TV-Doku über Castiglioni, der im Österreich der 1920er Jahre niemanden kalt gelassen hat – und heute fast vergessen ist. Die Castiglioni-Saga war streckenweise ein Wirtschaftskrimi, Castiglionis Leben ein Hochseil-Akt zwischen Reichtum und Pleite. Camillo Castiglioni war die schillerndste Galionsfigur nach dem Ersten Weltkrieg. Beruflich und privat hat er ein Leben am Limit geführt, er war ein Machtmensch mit vielen Gesichtern, man könnte fast sagen, ein kunstsinniger ‚Donau-Oligarch‘. Castiglioni hatte eine Schwäche für Flugzeuge, Frauen und Autos. Ohne seine damaligen Geldspritzen würde es den deutschen Weltkonzern BMW heute gar nicht geben. Verdienste erworben hat sich Castiglioni auch als Mäzen für das Theater in der Josefstadt. Bis heute werden seine Leistungen aber davon überschattet, dass Castiglioni damals durch höchst fragwürdige Geschäftsmethoden aufgefallen ist.“

Nähere Infos zur „Menschen & Mächte“-Produktion „Der Millionensassa – Das schillernde Leben des Finanzjongleurs Camillo Castiglioni“ sind unter presse.ORF.at abrufbar.

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