ORF-DialogForum: Neue ORF-Studie „Allianzen, Kooperationen und Plattformen“ präsentiert

Wien (OTS) - Eine Handvoll global agierender Konzerne dominiert die digitale Netzwelt. Sie erwirtschaften Milliardengewinne und prägen die Mediennutzung der Menschen. Ihre Social-Media-Produkte verdrängen redaktionelle Medien. Sind wir Facebook und Google tatsächlich ausgeliefert? Gibt es Alternativen zur Weltmacht der „Big 5“ im Internet? Brauchen wir einen Schulterschluss europäischer
Medien, mehr Kooperation zwischen Medien und Gesellschaft, ein öffentlich-rechtliches Internet?

Diese und andere Fragen diskutierten gestern, am 3. Oktober 2019, anlässlich der Präsentation der ORF-Public-Value-Studie und unter der Leitung von Klaus Unterberger (ORF-PublicValue) Ingrid Brodnig („profil“, Autorin von „Übermacht im Netz“), Johannes Hillje (Autor von „Plattform Europa“), Anne Reidt (Leiterin der Hauptredaktion Kultur im ZDF) und Gerald Heidegger (Chefredakteur von ORF.at) im Anschluss an die Keynote von Barbara Thomaß (Universität Bochum):
„Die Frage ist, wie der Kern des öffentlich-rechtlichen Auftrages, Rückgrat der Demokratie zu sein, für die gegenwärtige und zukünftige Medienlandschaft gesichert werden kann. Die Antwort lautet kurz: Es braucht eine gemeinwohlorientierte öffentliche Plattform. Und sie muss groß, attraktiv, transparent, verlässlich in den Informationen, qualitätsvoll, sicher mit Blick auf den Datenschutz, partizipativ und am besten grenzüberschreitend – europäisch – sein. So beschreiben wir – eine aktive Gruppe von Medienpraktikern und Medienwissenschaftern, die sich mit dem durchkommerzialisierten Internet nicht abfinden wollen – den EPOS, den European Public Open Space.“

Ingrid Brodnig („profil“, Autorin von „Übermacht im Netz“): „Der Österreichische Rundfunk ist in einer derart strengen Form reglementiert, die sich nicht rechtfertigen lässt – wie beispielsweise bei der 7-Tage-Regelung für die ORF-TVthek. Diese ist ganz klar ein Wettbewerbsnachteil für die Öffentlich-Rechtlichen und von der Lobby der Privaten initiiert. Ich zahle Rundfunkgebühren und fordere, dass Inhalte, die mit unserem Geld finanziert werden, uns auch zur Verfügung gestellt werden.“

Johannes Hillje (Autor von „Plattform Europa“): „Eine Antwort auf die Big 5 kann nur in einer europäischen Allianz erfolgen. Wir brauchen ein inhaltliches Angebot auf europäischer Ebene, das nicht andere kopiert, sondern ein eigenständiges öffentlich-rechtliches Angebot bietet. Wir leben noch immer in nationalen Medienblasen. Es gilt das schon geglückte europäische Zusammenleben in ein gemeinsames europäisches kulturelles Angebot zu übertragen.“

Anne Reidt (Leiterin der Hauptredaktion Kultur im ZDF): „Wir müssen weg vom Elfenbeinturm und hin zu den Nutzern. Wir müssen auf Augenhöhe mit den Big 5 bleiben und uns technologisch weiter aufstellen. Wir müssen den Begriff der Redaktion auf Redaktionsgemeinschaft ausweiten und mehr Geld in die Hand nehmen für den Bereich Online, und um auch unser junges Publikum zu erreichen.“

Gerald Heidegger (Chefredakteur von ORF.at): „Bei der ORF-Player-Strategie geht es um einen gemeinsamen Brückenschlag der drei Medienstandbeine, um an neue Orte zu kommen, zum Beispiel Stichwort Smart TV. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie wir das gesamte Spektrum einer Gesellschaft in einer digitalen Welt erreichen. Es gilt auf hochqualitative Art die Neugierde, das Interesse und die Partizipation des Publikums zu fördern.“

Das ORF-DialogForum in ORF III
Eine Aufzeichnung des ORF-DialogForums ist am Donnerstag, dem 24. Oktober, um 23.40 Uhr in ORF III zu sehen und nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand in der ORF-TVthek (https://TVthek.ORF.at) und auf zukunft.ORF.at abrufbar.

ORF-Public-Value-Studie „Allianzen, Kooperationen und Plattformen“ Die Autorinnen und Autoren der ORF-Public-Value-Studie widmen sich der Frage, wie es gelingen kann, dem Anspruch des „Rundfunks der Gesellschaft“ auch unter den Bedingungen globaler digitaler Kommunikation zu entsprechen. Beauftragt waren die Wissenschafter/innen Barbara Thomaß (Ruhr-Universität Bochum), Thomas Steinmaurer (Universität Salzburg), Leonhard Dobusch (Universität Innsbruck), Marion Ackermann (Staatliche Kunstsammlung Dresden), Thomas O. Höllmann (Bayrische Akademie der Wissenschaften) und Tim Raats (Vrije Universiteit Brussel).

Die Studie „Allianzen, Kooperationen und Plattformen. Gemeinwohlorientierte Medienqualität in der Netzwerkgesellschaft“ wurde in Kooperation mit der „European Broadcasting Union“, dem Bayerischen Rundfunk und dem ZDF erstellt und ist online auf zukunft.ORF.at abrufbar.

Das ORF-DialogForum ist eine Initiative des ORF, das Gespräch mit seinem Publikum, den österreichischen Institutionen, den Organisationen und Gruppen der Gesellschaft zu beleben.

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