Noch immer viele Baustellen bei Pflege- und Gesundheitsberufen - Kalliauer: „Jobs attraktivieren statt über Personalmangel jammern!“

Es gibt einfach zu viele Baustellen in den Pflege- und Betreuungsberufen. Diese Berufe müssen endlich attraktiver werden. Nur Jammern über den Fachkräftemangel hilft nicht, es müssen auch spürbare Entlastungen und Verbesserungen folgen
Dr. Johann Kalliauer
Kein Wunder“, so AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer, „wenn man sich die Umstände anschaut, unter denen Pflegebeschäftigte arbeiten müssen: Geringer Lohn, wenig Wertschätzung und Rahmenbedingungen, die gutes Arbeiten mit hohem Sinnerleben unmöglich machen. Wenn gleich beim Berufseinstieg die Zeit zur Praxisanleitung fehlt, dann schreckt das junge Menschen oder Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger ab.
AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer

Linz (OTS) - In den Pflege- und Gesundheitsberufen werden mehr und mehr Mitarbeiter/-innen benötigt, weil die Gesellschaft immer älter wird. Politik und Verantwortliche von Pflege- und Gesundheitseinrichtungen werben deshalb mit Imagekampagnen um Personal. Oft ohne Erfolg. Denn es hapert an ordentlicher Bezahlung der Beschäftigten und an passenden, qualitätsvollen Rahmenbedingungen. „Es gibt einfach zu viele Baustellen in den Pflege- und Betreuungsberufen. Diese Berufe müssen endlich attraktiver werden. Nur Jammern über den Fachkräftemangel hilft nicht, es müssen auch spürbare Entlastungen und Verbesserungen folgen“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Beschäftigte in Pflege- und Betreuungsberufen empfinden ihren Job als sehr sinnstiftend. Dennoch stehen immer mehr Betreiber/-innen von Pflege-, Sozial- und Gesundheitseinrichtungen vor dem Problem, dass sie dringend Mitarbeiter/-innen brauchen, aber keine finden. In Oberösterreich wurden zwar neue Ausbildungsformen geschaffen, die Alten- und Pflegeheimverordnung novelliert und Imagekampagnen gestartet, aber der Personalmangel bleibt. Kein Wunder“, so AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer, „wenn man sich die Umstände anschaut, unter denen Pflegebeschäftigte arbeiten müssen: Geringer Lohn, wenig Wertschätzung und Rahmenbedingungen, die gutes Arbeiten mit hohem Sinnerleben unmöglich machen. Wenn gleich beim Berufseinstieg die Zeit zur Praxisanleitung fehlt, dann schreckt das junge Menschen oder Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger ab.

Bei einer großen Tagung der Arbeiterkammer Oberösterreich diskutierten Betriebsräte/-innen, Führungskräfte, Ausbilder/-innen und Beschäftigte intensiv über die bisherigen Maßnahmen, um Pflege-, Gesundheits- und Sozialbetreuungsberufe attraktiver zu machen. Die Schlussfolgerung: Die schon gesetzten Maßnahmen sind gut. Aber: Noch immer gibt es in Oberösterreich viele notwendige Maßnahmen, damit die vielen Berufsbilder langfristig und nachhaltig attraktiver werden.

Dabei kristallisierten sich drei Punkte heraus:

Bessere Entlohnung: Eine aktuelle AK-Umfrage bei den Gesundheitsberufen zeigt, dass knapp zwei Drittel der Beschäftigten mit der Entlohnung (eher) unzufrieden sind. Vordienstzeiten werden zu wenig angerechnet und Zusatzaufgaben, wie die Praxisanleitung oder Führungsaufgaben, werden nicht berücksichtigt. Eine Anpassung der Entlohnung sowie ein hoher Flexibilitätszuschlag für Einspringdienste und Zusatzaufgaben wäre ein erster Schritt, den Pflegeberuf mehr wertzuschätzen und ihn damit zu attraktiveren. Klarheit in der Einstufung und ständige Anpassung der Entlohnungen an neue Kompetenzen und Fähigkeiten würden zur Ausbildung und zum Verbleib im Beruf motivieren.

Pflegekräfte nicht nur gewinnen, sondern auch halten: Wegen der hohen physischen und psychischen Belastungen geben viele Pflegekräfte bereits lange vor der Pension den Job auf oder reduzieren die Arbeitszeit. Neben Arbeitszeitmodellen für ältere Beschäftigte braucht es eine Senkung der Normalarbeitszeit auf 35 Stunden mit Ausgleich bei Lohn und Personal. Ein Rechtsanspruch auf Altersteilzeit und die Möglichkeit der Wiedereingliederungsteilzeit unter guten Rahmenbedingungen wurde ebenso eindringlich formuliert. Außerdem ist eine Betriebliche Gesundheitsförderung erforderlich, die über den obligaten Apfel pro Tag hinausgeht, wie beispielsweise ein Recht auf Supervision mit Zeit dafür.

Menschen für Pflege begeistern: Diskutiert wurde bei der Tagung auch, wie Wiedereinsteiger/-innen, Umsteiger/-innen und auch Menschen mit Migrationshintergrund für Pflegeberufe begeistert werden können. Besonders wichtig sind dabei die finanzielle Absicherung, flexible Einstiegsmodelle mit Berücksichtigung der unterschiedlichen Bedürfnisse und auch die Unterstützung beim Finden von leistbaren Wohnungen oder berufsbegleitenden, zeitlich flexiblen und den Erfordernissen angepasste Deutschkursen. In der Anerkennung von im Ausland erworbenen Ausbildungen und Kompetenzen ist noch viel Potenzial vorhanden. Gewünscht wurde bei der Diskussion auch eine ständige Verankerung des Fachkräftestipendiums und ein einfacherer Zugang zu Stiftungsplätzen.


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