Leitartikel "Herkulesaufgabe für den Neuen" vom 15.9.2019 von Serdar Sahin

Innsbruck (OTS) - FPÖ-Chef Norbert Hofer muss die Partei einen. Sollte die Nationalratswahl nicht so ausfallen wie gewünscht, werden Flügelkämpfe ausbrechen.

Norbert Hofer ist nun offiziell FPÖ-Chef. Er und sein Vize Herbert Kickl bilden das neue Duo an der freiheitlichen Spitze. Hofer gibt sich als sanfter, konsensorientierter Sachpolitiker. Kickl hingegen ist der, der poltert und harte Töne anstimmt. Damit wollen sie ein breites Spektrum rechts der Mitte ansprechen – der eine wirbt um gemäßigte Rechte, der andere um weiter rechts Stehende. Sie spielen guter Bulle, böser Bulle. Dieses Spiel mag nach außen politisch Sinn ergeben.
Hofer hat seit der Übernahme der Freiheitlichen eine Herkulesaufgabe zu bewältigen. Er muss die Flügel innerhalb der Partei vereinen. Also die einen, die zur „alten“ FPÖ mit Strache und Kickl halten, und die neuen, die Hofer beistehen. Zumindest versucht hat er das gestern. Von der Fortführung des türkis-blauen Kurses bis hin zum Ausländerthema hat er alle freiheitlichen Themen georgelt. Ibiza wurde nur kurz gestreift.
Die beiden Flügel machen derzeit noch keinen Aufstand – noch steht die Partei geschlossen hinter Hofer. Das zeigte sich auch beim Parteitag, bei dem Hofer mit 98,25 Prozent zum Chef gekürt wurde. Das könnte sich aber bald ändern. Sollte die Nationalratswahl nicht ausfallen wie erhofft, werden diese Flügel an der Partei zerren, bis sie womöglich zerreißt. Auch wenn Hofer seinen Parteifreund Kickl noch so sehr loben mag („der beste Innenminister, den diese Republik jemals hatte“), zieht der FPÖ-Mastermind weiter die Fäden im Hintergrund. Ob das Durchgriffsrecht des Obmanns bei Parteiausschlüssen, das sich Hofer beim Parteitag gewähren ließ, auch bei Kickl und Co. zur Anwendung kommt, darf bezweifelt werden. Umgekehrt: Sollte Hofer die Partei einen können, wird die FPÖ so stark wie nie.

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