Oö. Volksblatt: "Lagarde an Limit" (von Christoph STEINER)

Ausgabe vom 13. September 2019

Linz (OTS) - EZB-Präsident Mario Draghi hinterlässt seiner Nachfolgerin Christine Lagarde kein leichtes Erbe. Mit einem seit mehr als drei Jahren am Nullpunkt dahin siechenden Leitzins, einem neuerlichen milliardenschweren Anleihenkaufprogramm und noch mehr Strafzinsen für die Banken hat er die finanzpolitischen Möglichkeiten der Europäischen Zentralbank schon weit ausgereizt – manche meinen ja sogar über das eigentliche Mandat der Institution hinaus. Sollte sich die Konjunktur tatsächlich noch weiter eintrüben und der Euroraum in die nächste Krise schlittern ist der Spielraum der Währungshüter damit arg begrenzt. 2012 schaffte es Draghis Satz „Wir werden alles tun, um den Euro zu erhalten“ die Märkte zu beruhigen. Eine gleiche Aussage Lagardes bei der nächsten Krise würde wohl verhallen, denn es wurde ja bereits fast alles getan. Dennoch ist die Inflationsrate ist so weit vom 2-Prozent-Ziel entfernt wie schon lange nicht mehr, die Banken stöhnen unter den Strafzinsen und die Sparer werden weiter enteignet – eine gefährliche Gemengelage. Die EZB hat es übersehen, nach der ersten Stabilisierung im Euroraum die Währungspolitik wieder in normales Fahrwasser zu manövrieren, stattdessen fuhr sie weiter auf Krisenkurs – und könnte dabei unnötig ihr Pulver verschossen haben.

Rückfragen & Kontakt:

Oö. Volksblatt, Chefredaktion
0732/7606 DW 782
politik@volksblatt.at
http://www.volksblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NVB0001