ORF-Schwerpunkt 100 Jahre Südtirol: Auftakt mit „Südtirol heute Spezial“ live vom Brenner, „dokFilm“-Premiere und „Der stille Berg“

Am 10. September ab 18.30 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Mit dem Friedensvertrag von St. Germain, unterzeichnet am 10. September 1919, fiel Südtirol nach dem Ersten Weltkrieg an die Siegermacht Italien. Exakt am 100. Jahrestag startet der ORF morgen, am Dienstag, dem 10. September 2019, einen TV-Schwerpunkt (Details unter presse.orf.at), der sich in ORF 2 und ORF III den historischen Ereignissen und der wechselvollen Geschichte der Region widmet. Den Auftakt macht ORF 2 morgen Abend mit einem „Südtirol heute Spezial (18.30 Uhr) live vom Brenner. Um 22.35 Uhr zeigt der „dokFilm:
Südtirol auf der Suche nach Identität“ auf, wie die junge Generation von der Historie des Landes geprägt wird und ihre Zukunft gestalten will. Anschließend, um 23.50 Uhr, ist ein Dakapo des vom ORF im Rahmen des Film/Fernsehabkommens kofinanzierten Erste-Weltkriegs-Dramas „Der stille Berg“ (23.50 Uhr) zu sehen.

ORF III befasst sich am 14. und 21. September in zahlreichen Zeitgeschichte-Produktionen mit dem Thema, darunter u. a. die Premiere des Zweiteilers „St. Germain und seine Folgen“. Bereits seit 2. September und noch bis Mitte Oktober widmen sich die ORF-III-Formate „Heimat Österreich“, „Land der Berge“, „Unser Österreich“ und „Expeditionen“ u. a. mit mehreren neuen Dokus der nördlichsten Provinz Italiens und ihren landschaftlichen und kulturellen Besonderheiten.

100 Jahre Südtirol am 10. September in ORF 2:

„Südtirol heute Spezial“ (18.30 Uhr)

„Südtirol heute“ meldet sich am Dienstag, dem 10. September, mit einer Sondersendung live vom Brenner. Am 10. September 1919 wurde im Schloss Saint-Germain-en-Laye der „Pariser Vertrag“ unterzeichnet. Für Südtirol markierte dieser Tag eine radikale Zeitenwende. Das bis dahin österreichische Südtirol fiel nach dem Ersten Weltkrieg an das Königreich Italien. Nach 1922 begann das faschistische Regime in der nördlichsten Provinz Italiens mit einer repressiven Politik der Italianisierung. 1939 kam es zur sogenannten „Option“: Die deutsch-und ladinischsprachigen Südtiroler wurden vor die Wahl gestellt, entweder in der Heimat zu bleiben und auf die deutsche Sprache verzichten zu müssen oder ins Deutsche Reich auszuwandern. Die Option hat tiefe Wunden geschlagen, die Gemeinschaft der Südtiroler entzweit. Nach dem Zweiten Weltkrieg verblieb Südtirol bei Italien. 1946 wurde mit dem Gruber-Degasperi-Abkommen der Grundstein für die Südtirol-Autonomie gelegt. Doch diese Autonomie war halbherzig ausgelegt: Durch die Schaffung der Region „Trentino-Tiroler Etschland“ wurden die deutschsprachigen Südtiroler in diesem politischen Gebilde in die Minderzahl gedrückt. Der Missmut in der Bevölkerung nahm zu. 1957 forderte Silvius Magnago – damals Obmann der Südtiroler Volkspartei und später auch Landeshauptmann – auf Schloss Sigmundskron das „Los von Trient“. In den darauffolgenden Jahren schwankte Südtirol zwischen Diplomatie und Terror. 1961 wurden in der sogenannten „Feuernacht" Hochspannungsmasten in die Luft gesprengt. Die Weltöffentlichkeit sollte erfahren, dass Italien den Südtirolern nur eine kümmerliche Autonomie gewährt hatte.
Dank Österreichs Engagement wurde an internationalen Verhandlungs-tischen um eine echte Autonomie gerungen. Das Ergebnis war ein Maßnahmen-Paket. Südtirols Landeshauptmann Magnago sprach sich für die „Paket“-Annahme aus. Im November 1969 segnete die Südtiroler Volkspartei dieses Paket ab. Das taten später auch die Parlamente Italiens und Österreichs. 1972 trat das Zweite Autonomiestatut in Kraft. Es schenkte Südtirol mehr Selbstverwaltung, ermöglichte den raschen wirtschaftlichen Aufschwung der einst armen Provinz. Die Einführung eines „ethnischen Proporzes“ (die Verteilung der öffentlichen Arbeitsstellen nach der Stärke der im Lande lebenden Sprachgruppen) und die Zweisprachigkeitspflicht in der öffentlichen Verwaltung führten ab den 1970er-Jahren zu einem Unbehagen innerhalb der italienischen Bevölkerung. In der „Ära Durnwalder“, den Regierungsjahren von Landeshauptmann Luis Durnwalder (1989-2014), kam es zu einem pragmatischen Zusammenleben der Deutsch- und Italienischsprachigen im Lande. Der wachsende Wohlstand sicherte zudem den ethnischen Frieden. Durch den europäischen Integrationsprozess der letzten 25 Jahre wurde die einst schmerzliche Brennergrenze zwischen Italien und Österreich verwischt. Die Europaregion Tirol, in der das österreichische Bundesland Tirol und die italienischen Provinzen Bozen und Trient zusammenarbeiten, ist ein spannender Gegenwartsversuch und eine hehre Zukunftsvision. 2019 ist ein „Ge- und Bedenkjahr“: 100 Jahre St. Germain, 80 Jahre Option und 50 Jahre Paket bilden den Hintergrund zur „Südtirol heute“-Sondersendung vom Brenner. Historiker und politische Zeitzeugen werden „100 Jahre Südtirol“ analysieren und zugleich über die drängenden Fragen unserer Zeit diskutieren – etwa über Sinn und Unsinn von Grenzen in einem in Frieden geeinten Europa.
Zu Gast sind: Arno Kompatscher (Landeshauptmann Südtirol), Günther Platter (Landeshauptmann Tirol), Luis Durnwalder (Alt-Landeshauptmann Südtirol) und Wendelin Weingartner (Alt-Landeshauptmann Tirol).

Premiere: „dokFilm: Südtirol auf der Suche nach Identität“ (22.35 Uhr)

Im Jahr 2019 jähren sich drei Ereignisse, die für Südtirol von historischer Bedeutung sind. Mit dem Friedensvertrag von St. Germain wurde vor 100 Jahren die Region nach dem Ersten Weltkrieg endgültig der Siegermacht Italien zugesprochen. 20 Jahre später, bis Ende 1939, musste sich die Bevölkerung entscheiden, im italienischsprachigen Südtirol zu bleiben oder ins Deutsche Reich auszuwandern: Der „Option“ genannte Pakt zwischen Hitler und Mussolini hinterließ, wie der italienische Faschismus, tiefe Spuren innerhalb der Familien, die bis heute nachwirken. Ende November 1969 wiederum wurde das sogenannte „Paket“ von der Landesversammlung der Südtiroler Volkspartei mit knapper Mehrheit angenommen. Die Vereinbarung mit insgesamt 137 Maßnahmen zum besseren Schutz der Minderheit leitete schließlich die Südtiroler Autonomie ein, die heute weltweit als vorbildhaft bezeichnet wird. Dennoch ist das Zusammenleben der Sprachgruppen in Südtirol noch mehr ein Nebeneinander denn ein Miteinander, und es fehlt auf vielen Seiten eine offene, kritische Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte bis in die Gegenwart. Der Film von Birgit-Sabine Sommer soll seinen Beitrag für den europäischen Geist im kleinen-großen Raum leisten.
Mit ihrem Filmteam besuchte die Regisseurin Südtirolerinnen und Südtiroler in den Dolomiten, im städtischen Industrie- und Arbeiterviertel, auf ihrem idyllischen Bergbauernhof und bei der Apfelernte. Sie sprach mit ihnen über Autonomie, Nationalität und die Rolle Südtirols in einer Zeit, in der Nationalisten in ganz Europa das Thema Herkunft und Grenzen wieder neu befeuern. Die Dokumentation nimmt die Argumentation der verschiedenen Meinungsgruppen auf und beleuchtet ihre historischen Hintergründe.
„Südtirol auf der Suche nach Identität“ ist eine Koproduktion von ORF, ORF/3sat, RAI Bozen und Langbein & Partner.

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