Moosbrugger: Bauern brauchen Klimaschutz und Klimaschutz braucht Bauern

LK: Keine Fleischsteuer, sondern Klimazölle im internationalen Handel

Ried/Wien (OTS) - "Es ist für jedermann unbestritten, dass sich das Klima ändert. Doch kaum jemand weiß, wie extrem Acker-, Grünland- und Waldbauern davon betroffen sind. Dürre und Schädlinge wirken sich unmittelbar negativ auf das Einkommen von Landwirten aus und auch die Forstwirte stehen vor einer noch nie dagewesenen Katastrophe: Borkenkäfer, Sturm und Schneedruck haben 2018 und heuer zu Rekordschäden geführt. Man bräuchte über 600.000 Lkws, um diese unvorstellbare Menge an Schadholz abzutransportieren. Das ist eine Lkw-Kolonne, die von Wien bis zum Nordpol und zurück reicht. Das kann so nicht weitergehen, daher haben wir eine Reihe von Lösungsansätzen ausgearbeitet und diese für die nächste Bundesregierung in einem Klimaschutz-Paket gebündelt. Denn wir wollen Österreich auch morgen und übermorgen noch mit besten Lebensmitteln und hervorragendem Trinkwasser versorgen können", erklärte heute Landwirtschaftskammer (LK) Österreich-Präsident Josef Moosbrugger zum agrarpolitischen Herbstauftakt auf der Rieder Messe. "Wir Bauern brauchen Klimaschutz und der Klimaschutz braucht uns Bauern, denn wir haben Lösungen anzubieten", so Moosbrugger.

Energiezukunft liegt bei den Erneuerbaren

"Die Energiezukunft liegt bei den erneuerbaren Rohstoffen, daher müssen wir raus aus den fossilen Energieträgern. Wir wollen uns auch nicht von diesem Ziel durch angezettelte Diskussionen, beispielsweise über eine Fleischsteuer, abhalten lassen. Denn das ist bloß ein Ablenkungsversuch der wahren Verursacher des Klimawandels, wie des Verkehrs oder der Energiewirtschaft auf Basis fossiler Quellen. Wir brauchen keine Fleischsteuer, wir brauchen im internationalen Handel Klimazölle. Die immer schnellere Klimaverschlechterung durch ungebremste Verbrennung fossiler Energieträger gefährdet nämlich zunehmend auch die Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Trinkwasser. Wir können uns längst nicht mehr darauf verlassen, dass bei globalen Krisen alle benötigten Nahrungsmittel und Rohstoffe in der von uns gewünschten nachhaltigen Qualität immer vorrangig und zu günstigen Preisen nach Europa gelenkt werden. Daher müssen wir handeln - hier in Österreich und auch auf europäischer Ebene", mahnte Moosbrugger.

Acker- und Grünland-Strategie zeigt Wege auf

"Wie Acker- und Grünlandbauern aktiv dem Klimawandel begegnen und die Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln nachhaltig sicherstellen können, haben die Landwirtschaftskammern in der 'Acker-Grünland-Strategie' aufgearbeitet, und zwar unter anderem in den Bereichen Biolandbau, Bioökonomie, Innovation, Vermarktung, Eiweiß und Zucker, Pflanzenschutz, Nachhaltigkeit und Boden. So soll zum Beispiel mehr heimisches Eiweiß produziert werden, um klimaschädliche Importe zu verringern. Forschung und Züchtung müssen ausgebaut werden, um die Sorten resistenter gegen Klimawandel, Schädlinge sowie Krankheiten und somit klimafit zu machen. Da erwarten wir von der EU rasch Klarheit über die neuen Züchtungsmethoden. Der Bodenverbrauch muss deutlich reduziert werden", betonte Moosbrugger. "Darüber hinaus schaden Alleingänge bei Pflanzenschutzmitteln. Das Beispiel Erdäpfel hat gezeigt, dass der Handel den Bauern schärfste Konkurrenz macht, indem er billige Lebensmittel aus Ländern mit tieferen Standards in die Regale legt. Wollen wir den Produktionsstandort Österreich absichern, brauchen wir faire Handelsbedingungen. Importware muss EU-Standards genügen, alles andere ist Wettbewerbsverzerrung zulasten unserer Bauern. Das wirksamste Werkzeug dagegen ist eine glasklare Herkunftskennzeichnung, für die wir stehen", unterstrich der LK-Präsident.

Forstpaket für rasche Hilfe

"Der Wald braucht rasch Hilfe. Erste Maßnahmen, wie die Erhöhung der Aufforstungsförderung, wurden vereinbart, doch die hohe Dramatik verlangt ein umfassendes Forstpaket. Eine gezielte Waldbewirtschaftung erbringt eine Reihe von Dienstleistungen für die Gesellschaft, wie eine hohe Biodiversität oder die Speicherung von CO2. Diese Leistungen gilt es abzugelten. Angesichts der enormen Schäden fordern Forstwirte eine steuerliche Entlastung ab 1. Jänner 2020, indem die forstliche Bewertungsrichtlinie angepasst wird. Ebenfalls notwendig sind die Erhöhung der Ausgabenpauschale sowie Bestimmungen zur Kalamitätsnutzung, um negative Auswirkungen der Klimawandel-Folgeschäden auf das Einkommen abzufedern. Forschungsförderung zur Klimawandelanpassung in der Land- und Forstwirtschaft sowie Infrastruktur zur Nutzung digitaler Beratungstools auch für kleine Betriebe sind begleitend notwendig. Schließlich verlangen wir auf EU-Ebene einen Solidaritätsfonds zur Abschwächung der Auswirkungen von Klimawandel-Folgeschäden in der Forstwirtschaft", fasste Moosbrugger zusammen und ergänzte: "Der Wald ist auch Rohstofflieferant für die Bioökonomie. Um diese ebenso moderne wie nachhaltige Technologie und Wirtschaftsform voranzubringen, fordern wir unter anderem eine aktive Standortpolitik für Investoren der Bioökonomie und eine Imagekampagne für biobasierte Produkte." (Schluss)

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