OeKB: Freihandel ja, aber nicht zum Nachteil von Umwelt und Gesellschaft

Internationaler Freihandel fördert Effizienz, Innovation und Technologie-Transfer, Herausforderungen durch Freihandel klar ansprechen

Wien (OTS) - "Freihandel – aber sicher!? Kann Freihandel nachhaltig gelingen?" Unter diesem Titel steht die heutige Breakout Session der Oesterreichischen Kontrollbank AG (OeKB) mit Franz Fischler, Präsident des Europäischen Forums Alpbach, Heinz Leitner, CEO Komptech Gruppe, Julia Wörz, Analystin in der Oesterreichischen Nationalbank sowie OeKB-Vorstandsmitglied Helmut Bernkopf beim diesjährigen Europäischen Forum Alpbach.

"Freihandel hat ganz wesentliche Vorteile", ist Helmut Bernkopf überzeugt. "Er erhöht den Wettbewerb und spornt die Unternehmen zu mehr Effizienz und Innovation an. Das stärkt die Leistungsfähigkeit der gesamten Wirtschaft. Besonders kleine und mittlere Unternehmen, die das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft bilden, profitieren vom Abbau von Zöllen und Handelsbarrieren. Für die Konsumenten wird die Auswahl an Gütern und Dienstleistungen größer und in vielen Fällen werden die Waren billiger. Das bringt Vorteile vor allem für einkommensschwächere Haushalte."

Freihandel für Zulieferer und Technologie-Transfer wichtig

Freihandel erschließt nicht nur neue Absatzmärkte für Exportunternehmen. Er erweitert auch deren Beschaffungsmärkte. "Unternehmen haben damit eine größere Auswahl bei der Anschaffung von Rohstoffen wie zum Beispiel Metallen oder von Zwischenprodukten wie beispielsweise Fahrzeugteilen oder auch bei Maschinen", bekräftigt Bernkopf. Außerdem stärkt Freihandel auch die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, die nicht international tätig sind – wenn sie in ihrem Heimmarkt als Zulieferer von Exportunternehmen aktiv sind.

Ein wichtiger, positiver Nebeneffekt von Freihandel ist der Technologie- und Know-how-Transfer. "Davon profitieren im Besonderen Entwicklungs- und Schwellenländer", so Bernkopf. Umgekehrt können neue Technologien am Heimmarkt zu einem rascheren Strukturwandel führen. So hat etwa die österreichische Textilindustrie seit den 1960er Jahren kontinuierlich an Bedeutung verloren, produziert wird jetzt überwiegend in Billiglohnländern. "Die österreichische Textilindustrie ist heute dort wettbewerbsfähig, wo besonders hohe Qualität oder Innovationen zählen – etwa bei technischen Textilien zur Auskleidung von Fahr- und Flugzeugen oder für Umweltfilter. Dank Freihandel kann die österreichische Textilindustrie eine Exportquote von mittlerweile 80 Prozent erzielen", erläutert Bernkopf.

Franz Fischler, Präsident des Europäischen Forums Alpbach, betonte in der Diskussion: "Freihandel braucht faire Regeln, damit dieser positive Auswirkungen auf die Wirtschaftsbeteiligten entfalten kann. In einem zunehmend globalen und technologisch hoch vernetzten Wirtschaftsgefüge ist eine ambitionierte und regelbasierte Handelspolitik notwendiger denn je. Dabei ist es jedoch wichtig, dass wir nicht nur nach Marktöffnung sowie Schaffung und Nutzung optimaler Lieferketten streben, sondern uns auch global für die Einhaltung und Verbreitung unserer hohen europäischen Umwelt- und Sozialstandards einsetzen."

Ganzheitlicher Blick auf Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft

Nur auf die ökonomischen Aspekte des Freihandels zu schauen, hält OeKB-Vorstandsmitglied Bernkopf für zu kurz gegriffen: "Wir müssen auch die Umwelt und die Gesellschaft berücksichtigen. Es ist essenziell, die durch Freihandel entstehenden Herausforderungen ganz klar anzusprechen. Zum Beispiel sind die erzielten Wohlstandsgewinne ungleich verteilt und es profitieren nicht alle Bevölkerungsschichten gleichermaßen vom Freihandel. Hier sind die internationale Handelspolitik und die Politiken der einzelnen Länder gefordert, Anreize zu schaffen – etwa für umwelt- und ressourcenschonenderes Produzieren und Transportieren. Aber auch jedes einzelne Unternehmen muss einen Beitrag leisten und gesamthaft auf Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft schauen. Sozialstandards, Menschenrechte, Klimaschutz, Konsumentenschutz und gerechte Verteilung dürfen nicht unter dem Freihandel leiden."

Die OeKB selbst prüft deshalb ihre Geschäfte im Hinblick auf diese Kriterien sehr genau. "Bevor wir ein Projekt finanzieren, analysieren wir die Auswirkungen auf Umwelt und Soziales. Wir führen ein Screening bezüglich der Einhaltung von Menschenrechten durch und machen Umwelt- und Sozialprüfungen. Dabei werden internationale Standards in den Zielregionen eingefordert – etwa bei den Arbeitsbedingungen oder beim Schutz von Ökosystemen", so Bernkopf.

Die Erfahrung der OeKB zeigt übrigens auch, dass viele österreichische Investoren in den Zielländern mit gutem Beispiel vorangehen – etwa mit Verhaltenskodizes für Lieferanten, umfangreichen Ausbildungsprogrammen und ausgezeichneten Standards bei Umweltschutz und Sicherheit, die lokale Vorgaben oft weit übertreffen.

Eigene Geschäftsmodelle überdenken, innovative Services entwickeln

Damit Freihandel nachhaltig gelingen kann, ist laut Helmut Bernkopf die ständige Bereitschaft erforderlich, das eigene Geschäftsmodell, die eigenen Services und Prozesse weiterzuentwickeln und zu verändern. So hat die OeKB kürzlich ein neues Produkt auf den Markt gebracht. Mit der "Exportinvest Green"-Finanzierung erhalten Exporteure günstige Konditionen für Projekte, die einen Beitrag zur Umweltverbesserung leisten. Bernkopf: "Wir setzen damit einen Anreiz für Neu- und Ersatzinvestitionen zur Umweltentlastung. Wir haben diese Unterstützungsmöglichkeit gemeinsam mit dem Bundesministerium für Finanzen geschaffen. Die "Exportinvest Green" ist eine der ersten Maßnahmen, die im Rahmen der "Green Finance Agenda" der österreichischen Bundesregierung umgesetzt wurde."

Die OeKB beim Europäischen Forum Alpbach

Auch dieses Jahr nimmt die OeKB Gruppe wieder aktiv am Europäischen Forum Alpbach (EFA) teil. Das EFA ist eine bewährte Plattform, wichtige Zukunftsthemen zu identifizieren. Hier setzt sich die OeKB intensiv mit den Standpunkten ihrer Stakeholder auseinander, macht sich ein umfassendes Bild der verschiedensten Herausforderungen und erarbeitet Erfolgs- bzw. Risikofaktoren. Die Ergebnisse fließen in die strategische und operative Arbeit der OeKB ein.

Über die OeKB Gruppe

Die Unternehmen der OeKB Gruppe mit ihren mehr als 460 Mitarbeitenden erbringen wesentliche und relevante Services für die österreichische Exportwirtschaft und den Kapitalmarkt, bieten Dienstleistungen für den Energiemarkt und sind Teil der österreichischen Entwicklungsfinanzierung. All ihre Aktivitäten haben einen deutlichen volkswirtschaftlichen Nutzen, stärken den Standort Österreich und unterstützen Österreichs Wirtschaft im globalen Wettbewerb. Die OeKB handelt wettbewerbsneutral, sektorenübergreifend und nachhaltig verantwortungsbewusst.

Rückfragen & Kontakt:

OeKB AG

Martina Schweighart-Córdova Velásquez
Pressesprecherin der OeKB
T: +43 1 53127-2441
M: martina.schweighart@oekb.at
W: oekb.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OKB0001