Verbesserung der Ausbildungsqualität ist die wichtigste Maßnahme gegen Allgemeinmedizinermangel

Wien (OTS) - Das Problem des Nachfolgemangels in der Allgemeinmedizin ist in der Tat vielschichtig. Eine zentrale Ursache lässt sich sehr rasch identifizieren: die postgraduelle Ausbildung.

„Es gibt immer noch einen großen Anteil an JungmedizinerInnen, die während ihrer Allgemeinmedizin-Ausbildung in ein Sonderfach wechseln“, sagt Dr. Markus Brose, Arzt in Ausbildung für Allgemeinmedizin in Niederösterreich und Vorstandsmitglied der Jungen Allgemeinmedizin Österreich (JAMÖ). Dazu kommt, dass die Ausbildung immer noch nicht mit einem Facharzttitel abgeschlossen wird.

Somit ist es kein Mangel an Studierenden, sondern ein Mangel an JungärztInnen, die sich nach dem Studium für die Allgemeinmedizin entscheiden und tatsächlich auch dort bleiben.

„Offenbar sind die derzeitigen Ausbildungsbedingungen nicht dazu geeignet, junge Ärztinnen und Ärzte im Fach Allgemeinmedizin zu halten. Hier liegt eindeutig der größte Hund begraben.“, sagt auch JAMÖ-Obmann und Arzt für Allgemeinmedizin Dr. Sebastian Huter. „Eine massive Qualitätsinitiative für die Ausbildung und der Facharzttitel für Allgemeinmedizin ist die wichtigste und wahrscheinlich auch kosteneffizienteste Maßnahme, um dem Allgemeinmedizin-Mangel nachhaltig zu begegnen.“

Ähnliche Lösungsmöglichkeiten sieht Dr. Christoph Dachs, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM) bereits im Studium: „Das Problem beginnt schon im ersten Semester. Junge Kolleginnen und Kollegen brauchen von Beginn an positiven Kontakt mit der Allgemeinmedizin. An den Universitäten führt diese jedoch immer noch ein Schattendasein. Das muss sich dringend ändern.“

Dr.in Susanne Rabady, Präsidentin der Niedersöterreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (NÖGAM) legt einen weiteren Fokus auf die Rahmenbedingungen in der Praxis: „Besonders in ländlichen Regionen ist die Förderung von unkomplizierten und flexiblen ärztlichen Zusammenarbeitsformen genauso unumgänglich, wie die Unterstützung interprofessioneller Zusammenarbeit mehrerer Berufsgruppen. Das bedeutet: unbürokratische Förderung von (Sprengel-) Netzwerken und einer Vielfalt von Zusammenschlüssen, von der kleinen bis zur großen Gruppenpraxis.“

Alle verweisen auch auf den Masterplan Allgemeinmedizin der ÖGAM (https://oegam.at/masterplan), mit dem bereits ein faktenbasiertes Gesamtkonzept zur Attraktivierung der Allgemeinmeizin vorliegt.

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Susanne Rabady
Ärztin für Allgemeinmedizin
Präsidentin der Niederösterreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (NÖGAM)
Präsidiumsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM)
Tel: '06641351091

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