• 30.07.2019, 22:00:16
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TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 31. Juli 2019 von Karin Leitner - Wählervertreibungsprogrammarbeiter

Innsbruck (OTS) - Das Bild, das Freiheitliche via Ibiza von der
hiesigen Politik vermittelt haben, ist hässlich.
Vertreter der anderen Parteien tragen aber nichts dazu bei, es zu
verschönern.
Einen kurzen Wahlkampf geloben sie. Einen, in dem es um die Sache
geht, um einen Wettstreit der Ideen. Einen, in dem nicht versucht
wird, den anderen nieder-, um sich selbst groß zu machen. Einen ohne
Dreck und Tricks. So ist das vor jeder Nationalratswahl, ergo auch
vor der jetzigen.
Auch diesmal wird nicht eines dieser Versprechen eingelöst.
Offizieller Wahlkampfstart im September hin oder her – seit dem Tag,
an dem die ÖVP-Übergangsregierung Geschichte war, wird um Zuspruch
gebuhlt. Würde mit Verve argumentiert, warum das eigene Konzept – von
den Themen Umwelt bis zu Wohnen – besser ist als jenes der
Polit-Konkurrenten, wäre das angebracht. Jeder Wähler hätte genügend
Zeit, zu prüfen, welches seinen Vorstellungen am nächsten kommt.
Derartige Informationen werden aber nicht geliefert – sofern sie
nicht Medien wie die Tiroler Tageszeitung begehren (siehe Seite 3 zur
Causa Pflege).
Tagaus, tagein trachten die einen, die anderen als miese Truppe
darzustellen – charakterlos, verschlagen. Die Türkisen – nun in der
Opferrolle wie seit jeher die Blauen – klagen, sie würden von allen
angeschwärzt. Zuvorderst von den Roten. Diese kontern, die ÖVP trage
nur eines stets mit sich – einen mit Schmutz gefüllten Kübel. Ob der
Intensität dieser Verbalschlacht könnte man glauben, die publik
gewordenen Schreddereien hatten nur einen Zweck: sich davor zu
schützen, dem anderen Festplatten um die Ohren zu hauen.
Vertreter der übrigen Parteien sagen zwar, wie unwürdig sie all das
finden, mischen aber kräftig mit – hoffend, dass sich Wähler wegen
der Verhaltensauffälligkeiten zweier ehemaliger Regierungspartner von
diesen ab- und ihnen zuwenden.
Ja, es gilt genau zu schauen, wer wann was getan hat oder tut, es
gilt zu differenzieren. Ja, Pauschalierungen sind schlecht. Blaue
haben mit dem auf Ibiza zur Schau Gestellten aber ein Vorurteil
vieler zu einem Urteil werden lassen: dass Politiker keine Guten
sind. Und Repräsentanten anderer Parteien tragen nicht dazu bei, das
zu widerlegen. Schon jetzt sind Bürger angewidert. Es sieht aber
nicht danach aus, dass die Stimmenfänger vom politischen Hauen und
Stechen lassen. Je näher es zum 29. September geht, desto heftiger
wird es werden.
Schade, dass in Parteizentralen anscheinend an nichts so akribisch
gearbeitet wird wie an einem Wählervertreibungsprogramm.

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