Kreditkunden profitieren vom Wettbewerb zwischen Banken

Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft vom Juli 2019

Wien (OTS) - Im zweiten Quartal 2019 konnten sich Unternehmen und private Haushalte in Österreich aufgrund der Konkurrenzsituation auf dem Kreditmarkt zu niedrigeren Zinsen als im Vorquartal verschulden. Das zeigen die Ergebnisse der vierteljährlichen Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum, in der führende Banken nach ihren Einschätzungen gefragt werden.

Die an der Umfrage teilnehmenden Banken gaben an, dass der anhaltende Wettbewerbsdruck zu geringeren Margen bei neu abgeschlossenen Krediten an Unternehmen und neu abgeschlossenen Wohnbaukrediten an private Haushalte geführt hat. Margen sind Aufschläge auf Referenzzinssätze (wie z.B. den Euribor) und bestimmen gemeinsam mit diesen die Höhe der Kreditzinsen. Niedrigere Margen senken die Kreditzinsen und begünstigen die Kreditkunden, drücken aber die Zinserträge der Banken.

Vom wettbewerbsbedingten Druck auf die Margen berichten die Banken bereits seit 2016. Dadurch günstiger gewordene Kreditkonditionen kommen allerdings nur Kunden mit entsprechender Bonität zugute. Für risikoreichere Kredite sowie für Konsumkredite und sonstige Kredite an private Haushalte haben die Banken die Margen nicht gesenkt.

Auch wenn die Margen ab 2016 kontinuierlich reduziert worden sind, werden die derzeit im langfristigen Vergleich außergewöhnlich niedrigen Kreditzinsen jedoch vor allem durch die Geldpolitik des Eurosystems verursacht. Das Zinsniveau hat sich – infolge der Senkungen der Leitzinsen ab Oktober 2008 und der unkonventionellen Maßnahmen des Eurosystems – deutlich nach unten verschoben. Die Zinsen für Neukredite an Unternehmen sowie an private Haushalte für Wohnbau sind seit Oktober 2008 um etwa 4 Prozentpunkte gefallen. Der Referenzzinssatz Euribor, an den viele variabel verzinste Kredite gebunden sind, ist seit Februar 2016 in allen Fristigkeiten negativ.

Abgesehen von den gesunkenen Margen blieben die Kreditbedingungen (Konditionen des Kreditvertrags) insgesamt im zweiten Quartal 2019 weitgehend unverändert – sowohl im Unternehmenskunden- als auch im Privatkundengeschäft. Die Kreditrichtlinien (interne Kriterien der Banken für die Kreditvergabe) für Unternehmenskredite wurden seit Mitte 2015 kaum geändert. Hier kam es aber im zweiten Quartal 2019 zu einer Verschärfung der Richtlinien für Kredite an private Haushalte (Wohnbaukredite sowie Konsum- und sonstige Kredite) aufgrund einer gesunkenen Risikotoleranz der Banken. Bei Wohnbaukrediten waren die Richtlinien auch schon im ersten Quartal 2019 verschärft worden.

Die Jahre von 2016 bis 2018 waren nicht nur von sinkenden Margen gekennzeichnet, sondern auch von einer äußerst starken Nachfrage nach Unternehmenskrediten, die vor allem vom zunehmenden Finanzierungsbedarf heimischer Unternehmen getrieben war. Die sich derzeit abschwächende Investitionsdynamik schlägt sich auch in der Entwicklung der Kreditnachfrage nieder. Im ersten Quartal 2019 kam es – ausgehend von einem hohen Niveau – zu einem Rückgang, im zweiten Quartal stagnierte die Nachfrage nach Unternehmenskrediten auf dem Niveau des Vorquartals. Für das dritte Quartal 2019 erwarten die an der Umfrage teilnehmenden Banken eine Fortsetzung der Stagnation.

Im Privatkundengeschäft (Wohnbaukredite, Konsumkredite und sonstige Kredite) hat sich die Kreditnachfrage seit Ende 2017 kaum verändert. Für das dritte Quartal 2019 wird jedoch ein Anstieg der Nachfrage nach Wohnbaukrediten erwartet.

Abseits von Angebot und Nachfrage im Kreditgeschäft haben sich die Refinanzierungsbedingungen der österreichischen Banken im zweiten Quartal 2019 weiter verbessert. Hervorzuheben sind ein Anstieg der kurzfristigen Einlagen und verbesserte Refinanzierungsmöglichkeiten mit mittel- bis langfristigen Anleihen.

Schwerpunktthema der Umfrage waren diesmal die Effekte regulatorischer Aktivitäten auf die Banken und ihr Kreditgeschäft. Als Folge von Aufsicht und Regulatorik haben die Banken im ersten Halbjahr 2019 demnach ihre Aktiva insgesamt und risikogewichtet weiter erhöht sowie ihre Eigenkapitalbasis – vor allem über einbehaltene Gewinne – weiter gestärkt.

Schließlich wurden die an der Umfrage teilnehmenden Banken noch zum Einfluss notleidender Kredite befragt. Diese spielen für das Kreditvergabeverhalten der österreichischen Banken keine Rolle. Der Anteil notleidender Kredite an den Gesamtkrediten ist in Österreich niedriger als im Durchschnitt des Euroraums bzw. der EU insgesamt (siehe Supervisory Banking Statistics der EZB und EBA Risk Dashboard).

GRUNDLEGENDE ERLÄUTERUNGEN:
Die Zentralbanken des Euroraums – in Österreich die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) – führen gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank (EZB) seit Anfang 2003 viermal jährlich eine Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum durch, um ihren Informationsstand über das Kreditvergabeverhalten der Banken, die Kreditnachfrage von Unternehmen und privaten Haushalten, sowie sonstige die Geldpolitik betreffende Themen zu verbessern. Dabei wurden zuletzt 144 führende Banken aus allen Ländern des Euroraums befragt, darunter acht Institute aus Österreich.

Eine ausführliche Darstellung der österreichischen Ergebnisse wird in Statistiken – Daten & Analysen Q3/2019 und vorab auf der OeNB-Website veröffentlicht. Dort finden sich auch weitere Informationen und Daten zu den Österreich-Ergebnissen der Umfrage:
www.oenb.at/Geldpolitik/Erhebungen/umfrage-ueber-das-kreditgeschaeft

Die Resultate für den Euroraum werden von der EZB auf ihrer Website publiziert:
www.ecb.europa.eu/stats/money/surveys/lend/html/index.en

Rückfragen & Kontakt:

Oesterreichische Nationalbank
Dr. Christian Gutlederer
Pressesprecher
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