Nationalrat: Fächerkanon der Polytechnischen Schulen wird adaptiert

Debatte über Ziffernnoten an Volksschulen

Wien (PK) - Der Abschluss des heutigen Plenartags war ebenfalls Bildungsthemen gewidmet, die jedoch nicht so friktionsfrei wie das Bildungsinvestitionsgesetz diskutiert wurden. So zeigten sich schon im Unterrichtsausschuss Kontroversen zur geplanten Wiedereinführung der Differenzierung in den Pflichtgegenständen an den Polytechnischen Schulen. Auch die von der ehemaligen ÖVP-FPÖ-Koalition wieder eingeführte Ziffernbenotung ab der zweiten Volksschulklasse stößt auf Wiederstand. Einigkeit gab es aber hinsichtlich der Übermittlung von Daten zur Sprachkompetenz der Kinder an die Volksschulen durch elementare Bildungseinrichtungen.

Die Novelle passierte den Nationalrat - nach einer von der SPÖ verlangten getrennten Abstimmung in zweiter Lesung - schließlich mit Mehrheit. Eine Entschließung zur Überführung bewährter Schulversuche wurde einstimmig angenommen. Die zwei Anträge zur alternativen Beurteilung in den Volksschulen fanden nicht die erforderliche Mehrheit.

SPÖ befürchtet Separierung, ÖVP und FPÖ sehen wichtigen Schritt zur Modernisierung

Mit der Novelle zum Schulorganisationsgesetz, Schulunterrichtsgesetz und anderen Gesetzen wollen ÖVP und FPÖ die Polytechnischen Schulen weiter entwickeln. Kern der Novelle ist, den Fächerkanon Polytechnischer Schulen als Grundlage zur Neugestaltung ihrer Lehrpläne zu modernisieren. Außerdem soll eine vierwöchige Orientierungsphase zu Beginn des Schuljahres den SchülerInnen dabei helfen, die für sie passenden alternativen Pflichtgegenstände zu wählen. Daran anschließend sieht der Entwurf die Möglichkeit einer Schwerpunktphase vor, bei der die SchülerInnen in Fachbereichen auf das Berufsleben vorbereitet werden. Die Fachbereiche, zusammengefasst in Clustern wie Technik oder Dienstleistungen, sind entsprechend den Anforderungen der Wirtschaft oder weiterführender Schulen ebenfalls neu zu konzipieren. Ziel der ab 2020/21 geplanten Maßnahmen ist, eine zeitgemäße Ausbildung für SchülerInnen am Ende der Schulpflicht zu schaffen.

Während vor allem die SPÖ Kritik an der Differenzierung in den Pflichtgegenständen übte, stieß der zweite zentrale Punkt auf die Zustimmung aller Fraktionen. Dabei geht es darum, dass VolksschuldirektorInnen beim Schuleintritt eines Kindes von den Kindergärten Daten zu den erfolgten Sprachstanderhebungen erhalten, sollten die betroffenen Eltern diese nicht vorlegen. Gewährleistet werden soll dadurch, dass im Unterricht treffsichere Fördermaßnahmen bereitgestellt werden und das Kind in einen geeigneten Klassenverband kommt.

Die ehemalige Bildungsministerin Sonja Hammerschmid begrüßte zwar die Modernisierung des Fächerkanons mit einer stärkeren Orientierung und Spezialisierung, übte jedoch heftige Kritik an der Wiedereinführung von Leistungsgruppen. Diese führen ihrer Ansicht nach zu einer Separierung und Stigmatisierung, was eine individuelle Förderung und moderne Pädagogik verhindere. Auch die Anpassung des Bildungsdokumentationsgesetzes an die Datenschutzverordnung ist ihrer Ansicht nach grundsätzlich eine gute Sache, inakzeptabel ist für sie aber, dass hier die individuelle Kompetenzmessung eingebaut ist. Dabei wisse man nicht, was vorgesehen ist und wie das funktionieren soll. Hammerschmid befürchtet, dass damit eine weitere Entscheidung für die Schullaufbahn in Richtung AHS-Aufnahmetest verbunden sein könnte. Die 50 Mio. € für die Bildungsstandard-Testung, die eine wichtige Vergleichsbasis zur Weiterentwicklung der Schulen gewesen wäre, würden nun in den Rauchfang geblasen, sagte sie. Chancengerechtigkeit werde damit nicht unterstützt.

Anders sahen dies die RednerInnen der ÖVP und der Freiheitlichen. Die Polytechnische Schule sei eine Baustelle und habe nicht den besten Ruf, meinte etwa Peter Wurm (FPÖ). Sie schaffe es nicht, die SchülerInnen auf die Lehrberufe vorzubereiten, deshalb werde mit dieser Gesetzesnovelle eine Optimierung geschaffen, damit das 9. Pflichtschuljahr nicht verloren ist. In die gleiche Kerbe schlug Eva Maria Himmelbauer, für die die Polytechnischen Schulen ein wichtiger Schultyp und wertvoller Partner der ausbildenden Betriebe sind. Sie sah nichts Verwerfliches darin, die Stärken der SchülerInnen durch Leistungsgruppen zu fördern. Durch die Neuerungen könnten die SchülerInnen besser auf eine mögliche Lehre vorbereitet werden, meinte Maria Theresia Niss, der Schwerpunkt würde auf Praxisnähe und Zukunftsfächer gelegt, wichtig sei auch die Erweiterung der Orientierungsphase. Die Modernisierung der Polytechnischen Schulen sollte dazu führen, dass diese zu einer Startrampe für den Erfolg werden, wie Niss ausführte.

Bewährte Schulversuche werden ins Regelschulwesen übergeführt

Besonders begrüßt wurde von den RednerInnen die Entschließung, erfolgreiche Schulversuche in das Regelschulwesen überzuführen. Dies sei wichtig für eine innovative Bildung, sagte Stefanie Cox (JETZT), die sich aber auch für eine ernsthafte Evaluierung aussprach. Man müsse sich ein Prozedere überlegen, damit Schulversuche nicht jahrzehntelang laufen. Dem pflichtete Gerald Hauser (FPÖ) bei, der sich dafür aussprach zu klären, unter welchen Voraussetzungen Schulversuche geführt werden können. Die ÖVP-FPÖ-Regierung habe es geschafft die 5.351 Schulversuche, die noch vor der Bildungsreform bestanden um rund 74% zu reduzieren, und nun gehe es darum, die bewährten ins Regelschulwesen überzuführen. Besonders begrüßte er es, wie auch Rebecca Kirchbaumer (ÖPV), dass das Schigymnasium Stams erhalten bleibt. Ansonsten hätten all diese erfolgreichen Versuche im Schuljahr 2019/20 das letzte Mal SchülerInnen aufnehmen können.

Ziffernnoten an Volksschulen bleiben Streitthema

Keine Zustimmung gab es zu den Anträgen von SPÖ und NEOS zur Wiedereinführung alternativer Beurteilungsmöglichkeiten an Volksschulen. Aus Sicht der ÖVP und FPÖ sind hingegen Noten ab Ende der zweiten Volksschulklasse wichtig, um Eltern Aufschluss über das tatsächliche Können ihrer Kinder zu geben. Abgesehen davon seien ab dem Schuljahr 2019/20 schriftliche Erläuterungen zu den Noten in den Volksschulzeugnissen verpflichtend, verteidigte Peter Wurm (FPÖ) den Schritt. Es sei wichtig, dass die Kinder rechtzeitig lernen, mit der Ziffernbenotung umzugehen, sagte er und meinte grundsätzlich, dass die ÖVP-FPÖ-Bundesregierung Versäumnisse reparieren musste, die durch ideologische Irrwege für Kinder nichts Gutes gebracht hätten.

Die NEOS argumentieren so wie die SPÖ, dass die alternative Leistungsbeurteilung, die 2016 von der SPÖ-ÖVP-Regierung an Volksschulen eingeführt und 2018 unter der ÖVP-FPÖ-Regierung wieder abgeschafft wurde, das Ergebnis jahrelanger pädagogischer Entwicklungsarbeit gewesen sei. Als Teil der Schulautonomie sollten den Schulgemeinschaftsausschüssen alternative Beurteilungsformen zur Wahl gestellt werden. Douglas Hoyos-Trauttmansdorff wies darauf hin, dass die Wiedereinführung der Ziffernbenotung auf harte Kritik von ExpertInnen und Rechnungshof gestoßen sei und zur Verunsicherung der Eltern geführt habe, die die alternative Beurteilung schätzen gelernt haben. Die Wiedereinführung der Ziffernbenotung stelle eine Maßnahme dar, die nicht evidenzbasiert sei, und die auch nicht zur Verbesserung, sondern nur zur Spaltung führe, so der NEOs-Bildungssprecher. Ziffernnoten seien auch keine zuverlässige Methode, sagte er.  (Schluss Nationalrat) jan


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