Bauernbund: Klare Ablehnung des Mercosur-Deals der EU-Kommission

Ausgleichsmaßnahmen für Agrarsektor nicht mehr als ein Tropfen auf heißen Stein

Wien (OTS) - "Unsere Befürchtungen haben sich leider bewahrheitet, wie der Mega-Deal der EU-Kommission mit Mercosur zeigt. Die Leidtragenden eines solchen Vertrages werden die europäischen Bauernfamilien, der Klimaschutz und die Umwelt in Europa wie auch in Südamerika sein", zeigt sich Bauernbund-Präsident Georg Strasser verärgert über die Zustimmung der EU-Kommission zum Freihandelspakt mit den vier Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay.

Die medial kolportierten Angaben über die vereinbarten Import-Mengen im Agrarsektor sehen etwa beim Rindfleisch eine zusätzliche Quote von rund 100.000 t vor, 100.000 t im Bereich Geflügelfleisch sowie knapp 190.000 t Zucker und über 650.000 t Ethanol. "Dieses Zugeständnis der EU-Kommission übertrifft sogar noch unsere Befürchtungen und ist nicht zu akzeptieren", stellt sich Strasser gegen das bauernfeindliche Abkommen.

"Eine historisch gewachsene Struktur der bäuerlichen Familienbetriebe in Europa und vor allem in Österreich müsste plötzlich mit einer großflächigen Agrarindustrie in Südamerika konkurrieren, die auf Masse und Export ausgerichtet ist. Der Mercosur-Handelspakt ist in Wahrheit ein Deal gegen den langjährigen ökosozialen Weg in der österreichischen Landwirtschaft. Es ist damit auch ein Deal gegen die Interessen der europäischen Konsumentinnen und Konsumenten", so Strasser. "In diesen vier Staaten Südamerikas werden beispielsweise auch großflächig gentechnisch veränderte Organismen in der Landwirtschaft eingesetzt. Dort wird genau das praktiziert, was bei uns in Europa abgelehnt wird", zeigt sich Strasser verärgert über die Unterminierung der hohen Lebensmittel- und Produktionsstandards in Europa.

Der Bauernbund-Präsident ortet gewaltige Benachteiligungen im Agrarbereich. "Die EU-Kommission hat augenscheinlich den Agrarsektor im Abtausch für neue Märkte von vermeintlich wichtigeren Produkten, wie beispielsweise Autos, Maschinen oder Chemikalien, geopfert. Wir erkennen im Bereich der Lebensmittelsicherheit und bei den Produktionsstandards eine Doppelbödigkeit. Niedrige Standards sind nicht vereinbar mit dem österreichischen Weg der nachhaltigen, ökosozialen Agrarpolitik. Dieser Mercosur-Deal ist daher ein fauler Kompromiss auf dem Rücken der Bauernfamilien", so Strasser.

Nachbesserungen im Agrarsektor sind ein Muss

"Die Freude der EU-Kommission können wir aus Sicht der Landwirte nicht nachvollziehen", meint Bauernbund-Direktor Norbert Totschnig. "Aus dem agrarischen Blickwinkel müssen wir diesen Mercosur-Deal klar ablehnen. Völlig unverständlich ist die Zustimmung der EU-Kommission zu diesem Abkommen, in Zeiten, in denen die gleiche EU-Kommission eine deutliche Reduktion des GAP-Budgets ab 2020 vorschlägt und darüber hinaus höhere Standards im Bereich Klima- und Umweltschutz von den europäischen Landwirten einfordert. Das passt nicht zusammen", so der Bauernbund-Direktor.

"Angesichts der Mercosur-Einigung, die zum Nachteil der Landwirtschaft ausfällt, sind bei den kommenden Verhandlungen über den Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) Budgetkürzungen im Agrarsektor undenkbar. Wir fordern umso mehr eine klare Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel, damit die Konsumenten wissen, wo die Produkte herkommen und wie sie hergestellt wurden", so Totschnig abschließend. (Schluss)

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