Älteren langzeitarbeitslosen Menschen weiterhin neue Perspektiven geben

Ende der Aktion 20.000: Arbeitsmarktexpertin Pühringer sieht Notwendigkeit für innovative Konzepte

Selbst bei guter Konjunkturlage finden Menschen über 50 Jahren bei Jobverlust häufig keine neue Stelle mehr, für Menschen über 55 Jahren sinkt die Chance auf einen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt de facto gegen Null
Judith Pühringer
Neben existenzsichernder Beschäftigung durch kollektivvertraglich bezahlte Jobs, schöpften viele Menschen wieder neue Hoffnung, sie erhielten langfristige Perspektiven und soziale Teilhabe. Die Aktion 20.000 hat „Ja“ gesagt zu Menschen, die schon viel zu oft ein „Nein“ gehört haben. Dieses Ja muss jetzt bekräftigt werden
Judith Pühringer
Es braucht jetzt dringend eine Anschlussperspektive für die betroffenen Menschen und eine Investition in weitere innovative Konzepte wie die Aktion 20.000. Die Erfahrungen der Sozialen Unternehmen zeigen, dass eine Optimierung der regionalen Versorgung durch innovative Modelle dauerhafter Beschäftigung für erfahrene Arbeitskräfte der Schlüssel zu besserer Infrastruktur in den Gemeinden ist.
Judith Pühringer
Jetzt gilt es, aus den positiven Erfahrungen der Aktion 20.000 zu lernen und darauf basierend neue, innovative Modelle zu entwickeln
Judith Pühringer

Wien (OTS) -

Das Ende einer Erfolgsgeschichte
Das Ziel der Mitte 2017 beschlossenen Aktion 20.000 war es, einem strukturellen Marktversagen entgegenzusteuern, denn etwa 40% aller über 50-Jährigen, die arbeitslos gemeldet sind, sind langzeitbeschäftigungslos, also seit über einem Jahr arbeitslos. Selbst bei guter Konjunkturlage finden Menschen über 50 Jahren bei Jobverlust häufig keine neue Stelle mehr, für Menschen über 55 Jahren sinkt die Chance auf einen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt de facto gegen Null, weiß Judith Pühringer, Geschäftsführerin von arbeit plus, dem österreichweiten Netzwerk von Sozialen Unternehmen.

Mit Juni 2019 sind 87.886 ältere Menschen (50 Jahre und älter) als arbeitslos gemeldet, das ist ein Plus von 0,6% im Vergleich zum Vorjahr. Expert*innen gehen davon aus, dass die Arbeitslosigkeit bei älteren Menschen mit dem Ende der Aktion 20.000 weiter spürbar ansteigen wird.

Sinnvolle Jobs, die das Gemeinwohl regional fördern
Trotz dieser Faktenlage und der ersten Erfolge, die die Aktion 20.000 bereits im Pilotprojekt zeigte, wurde die Ausrollung auf gesamt Österreich unter der ehemaligen Sozialministerin Hartinger-Klein abrupt gestoppt. Unverständlich, zumal die positiven Auswirkungen rasch sichtbar wurden: Gemeinden, Soziale Unternehmen, NGOs und die Verwaltung profitierten vom reichen Erfahrungsschatz der Teilnehmer*innen. Bürger*innen konnten zusätzliche Leistungen angeboten werden, für die bislang das Personal gefehlt hatte und in den Teams fand eine bereichernde Generationen-Durchmischung statt. Plötzlich waren Parks besser gepflegt, Sportvereine wieder aktiver und neue teilhabefördernde Dienstleistungen, wie z.B. Fahrtendienste für mobilitätseingeschränkte Menschen, wurden insbesondere im ländlichen Raum aufgesetzt.

Ein Ja zu Menschen, die viel zu oft ein Nein gehört haben
Die Beschäftigten der Aktion 20.000 erhielten die Chance, nach langer Arbeitslosigkeit ihr Können unter Beweis zu stellen, ihr Selbstwertgefühl zu stärken und ihre Kenntnisse und Fähigkeiten auszubauen. Sozialversicherungsbeiträge und Steuern flossen ins Budget zurück. Es ist davon auszugehen, dass auch Folgekosten, etwa im Gesundheitsbereich, durch die Aktion 20.000 präventiv eingespart werden konnten. Neben existenzsichernder Beschäftigung durch kollektivvertraglich bezahlte Jobs, schöpften viele Menschen wieder neue Hoffnung, sie erhielten langfristige Perspektiven und soziale Teilhabe. Die Aktion 20.000 hat „Ja“ gesagt zu Menschen, die schon viel zu oft ein „Nein“ gehört haben. Dieses Ja muss jetzt bekräftigt werden, so Pühringer.

Neue Perspektiven: Kreislaufwirtschaft und Green Jobs
Es braucht jetzt dringend eine Anschlussperspektive für die betroffenen Menschen und eine Investition in weitere innovative Konzepte wie die Aktion 20.000. Die Erfahrungen der Sozialen Unternehmen zeigen, dass eine Optimierung der regionalen Versorgung durch innovative Modelle dauerhafter Beschäftigung für erfahrene Arbeitskräfte der Schlüssel zu besserer Infrastruktur in den Gemeinden ist. Eine neue Aktion muss diesen Gedanken aufgreifen und ausbauen. Möglich und sinnvoll ist eine Verbindung der geschaffenen Jobs mit dem Thema Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und Green Jobs. Es gibt unzählige Tätigkeiten, die im Rahmen so eines Schwerpunkts in Gemeinden und Regionen entstehen können. Jetzt gilt es, aus den positiven Erfahrungen der Aktion 20.000 zu lernen und darauf basierend neue, innovative Modelle zu entwickeln, so Pühringer abschließend.

Anlässlich des heutigen 25. Geburtstages des AMS gratuliert arbeit plus allen Mitarbeiter*innen sehr herzlich. Wir freuen uns auf eine weitere gute Zusammenarbeit in der Zukunft!

arbeit plus ist das österreichweite Netzwerk von 200 gemeinnützigen Sozialen Organisationen, die durch Beratung, Beschäftigung und Qualifizierung langzeitarbeitslose Menschen beim beruflichen Wiedereinstieg unterstützen.

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