Leitartikel "Alarmstufe Rot in der SPÖ" vom 16.06.2019 von Alois Vahrner

Dreieinhalb Monate vor der Nationalrats- wahl steigt die Nervosität bei allen Parteien, bei der SPÖ ist aber Feuer am Dach.

Innsbruck (OTS) - Sowohl in Deutschland als auch in Österreich sind vor allem die Sozialdemokraten derzeit schwer unter Druck. Laut neuesten Umfragen liegt die SPD aktuell bei katastrophalen 11 Prozent, und auch der Koalitionspartner CDU/CSU ist auf 24 Prozent abgestürzt. In Front segeln zurzeit sensationell die Grünen dank Klima-Rückenwind und sehr guten Partei-Spitzenleuten mit 27 Prozent. In Österreich liegen nach dem Ibiza-Video-Skandal und dem Platzen der türkis-blauen Koalition die bisherigen Koalitionäre im Gegensatz zu Deutschland aber noch gut: Die ÖVP lag zuletzt bei etwa 37 bis 38 Prozent. Die FPÖ steckte den Strache-Skandal bisher überraschend gut weg und soll laut einer vor wenigen Tagen publizierten profil-Umfrage mit 21 Prozent sogar die auf 20 Prozent abgerutschte SPÖ überholt haben. In der Kanzlerfrage führt Kurz mit 33 Prozent (hier war er vor einiger Zeit aber schon um einiges besser) vor FPÖ-Chef Norbert Hofer (16 Prozent) und SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner mit nur 10 Prozent. Der SPÖ hat vom Strache-Skandal bisher nicht nur nicht profitiert, ihr scheint auch die Abwahl von Kurz am meisten geschadet zu haben. Bisher fehlen nicht nur gute Wahlkampfthemen, sondern offenbar auch der Glaube an die Rückeroberung von Platz 1. Dass jetzt ausgerechnet Rendi-Wagners Vorgänger und Fürsprecher Christian Kern, dessen unrühmlicher Abgang der Partei auch geschadet hatte, im TT-Interview Distanz zum Parteikurs von Rendi-Wagner äußert, ist ein weiterer Tiefschlag. „Hoch gewinnt die SPÖ das nimmer“, nahm Kern in seiner Wahlprognose ausgerechnet beim legendären Zitat von Fußball-Nationalspieler Toni Pfeffer Anleihe. Pfeffer sagte das in der Pause beim Stand von 0:5, am Ende hieß es dann 0:9. Die Demontage von Parteichefs war bisher ÖVP-Domäne, seit Jahren scheint ihr die SPÖ hier aber mehr als ebenbürtig.

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