Kritik an Steuervermeidung und Arbeitsbedingungen bei Amazon zeigt: es braucht einen New Digital Deal.

Handelsverband unterstützt im Schulterschluss mit Gewerkschaft Schaffung fairer Spielregeln - auch online. Österreichischer Handel bekennt sich zu guten Arbeitsbedingungen.

Wien (OTS) - Nach Berichten über Skandale bei Amazon in den USA bzgl. der automatisierten Kündigung von "unproduktiven" Mitarbeitern per E-Mail gibt es nun ähnliche Vorwürfe auch in Österreich. Die GPA-djp hat heute im Rahmen einer Pressekonferenz heftige Kritik an den Arbeitsbedingungen bei Amazon in Großebersdorf geäußert. Erstmals hat hierzulande ein Beschäftigter persönlich Auskunft über die Arbeitsbedingungen gegeben.

Vorwürfe: Überwachung, Disziplinierung, erniedrigende Vorschriften

Die Vorwürfe reichen lt. GPA-djp von der umfassenden Überwachung sämtlicher Mitarbeiter über Disziplinierungsmaßnahmen bei Fehlverhalten (z.B. unsicheres Schuhwerk, falsche Bekleidung, Procedure-Fehler), erniedrigende Vorschriften wie das Verbot persönlicher Gegenstände am Arbeitsplatz (z.B. Uhren, Gürtel, Handys oder sogar Kaugummi) bis hin zu einem extrem dichten Arbeitspensum bei zu wenig Personal.

Bereits im Februar 2019 hatten Handelsverband und GPA-djp in einem nationalen Schulterschluss gemeinsam mehr "Fair Play auch Online" gefordert. "Erstmals werden die Vorwürfe über prekäre Arbeitsbedingungen bei Amazon damit direkt nach Österreich importiert, während genau durch diese Praktiken unfairer Wettbewerb entsteht, der wiederum zum Abfluss von Kaufkraft ins Ausland führt. Das setzt den beschäftigungsintensiven, heimischen Handel unter Druck, der sich an komplexe KV-Regulierungen und Zuschlagsregelungen hält", erklärt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Aktuell fließen in Österreich pro Jahr rund 4,5 Milliarden Euro an Ausgaben im eCommerce unmittelbar ins Ausland ab. Damit finanziert der heimische Konsument rund 25.000 Arbeitsplätze in anderen Ländern.

Heimischer Handel bekennt sich zu guten Arbeitsbedingungen und fordert "FairCommerce"

Gerade das Thema Personal ist für den Handel – mit 600.000 Arbeitnehmern Beschäftigungsmotor in Österreich – hoch relevant. "Daher unterstützen wir als Taktgeber der Handelsbranche den Schulterschluss mit der Gewerkschaft zur Schaffung fairer Rahmenbedingungen und bekennen uns zu guten Arbeitsbedingungen im österreichischen Handel", so Will.

Während auf nationaler Ebene zuletzt das Gezerre zwischen reinem Verwalten und dem Spiel der freien Kräfte ausgebrochen ist, entwickeln sich die Probleme auf globaler Ebene ungebremst weiter und entfalten immer stärker auch in Österreich Wirkung.

Der Handelsverband setzt sich daher vehement für einen New Digital Deal mit sieben konkreten Forderungen ein:

  • Hebel 1: Versteuerung und digitale Verzollung ab dem ersten Cent (ab 2020)
  • Hebel 2: EU-weite Konditionen bei pauschaler Palettenverzollung
  • Hebel 3: Online-Marktplätze bei MwSt zur Verantwortung ziehen (ab 2020)
  • Hebel 4: eCommerce-Monopole gesetzlich verhindern
  • Hebel 5: Strengere Zollkontrollen, um Produktfälschungen zu bekämpfen
  • Hebel 6: Plattform-Haftung für Verpackungsentpflichtung
  • Hebel 7: Einführung der digitalen Betriebsstätte

Vor diesem Hintergrund begrüßt der Handelsverband auch die G-20-Initiative, das internationale Steuersystem für Unternehmen neu zu regeln und eine globale Mindeststeuer zu schaffen. "Allerdings soll der finale Bericht der G20 frühestens Ende 2020 kommen. Das sind wieder 1,5 verlorene Jahre – und eine tatsächliche Einigung ist mehr als zweifelhaft, obwohl diese in unserer digitalen Welt der Plattform-Ökonomie entscheidend wäre", so Rainer Will abschließend.

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