Am 12. Juni kommt Antrag auf Verbot Vollspaltenboden Schweinehaltung ins Parlament

Sämtliche Behauptungen der Schweineindustrie dazu sind falsch: Beschäftigungsmaterial ist ein Scherz, Betriebsgrößen verzerrte Statistik, Selbstversorgung leicht zu erhalten

Die Menschen fordern von der Politik, die Klimakrise und damit auch die Tierfabriken ganz vorne auf die Agenda zu setzen. Wer diese Zeichen der Zeit übersieht, dem wird bei der nächsten Wahl die Rechnung serviert!
Martin Balluch, VGT-Obmann

Wien (OTS) - Die Auflösung der Regierung bietet für den Tierschutz eine einmalige Chance, endlich Fortschritte umzusetzen, die sowohl im Volk als auch im Parlament Mehrheiten haben, aber durch die Blockade-Politik der ÖVP nicht realisiert werden konnten. Darunter ist die Abschaffung der Vollspaltenböden in der Schweinehaltung und deren Ersatz durch einen Teilspaltenboden mit eingestreutem Liegebereich. Die Liste JETZT hat nun angekündigt, am kommenden Mittwoch, den 12. Juni einen entsprechenden Antrag ins Parlament einzubringen. Sollte die Mehrheit einer Fristsetzung zustimmen, könnte der Antrag dann Anfang Juli beschlossen werden. Als Übergangsfrist für die Abschaffung der Vollspaltenböden sind 10 Jahre vorgesehen. Gefordert wird ein planbefestigter Liegebereich, der groß genug ist, sodass alle Tiere gleichzeitig nebeneinander liegen können, und der mit ausreichend weichem organischen Material eingestreut ist. Das wäre tatsächlich ein großer Fortschritt für die vielen Schweine, die momentan auf Vollspalten leben müssen. Man könnte sich dann sogar das Kupieren der Schwänze und Zähne in den ersten sieben Lebenstagen ersparen!

Die Schweineindustrie behauptet, es gäbe Beschäftigungsmaterial für Schweine in Österreich, und deshalb wäre die Haltung in Österreich besser als anderswo in der EU. Das ist falsch. Wahr ist vielmehr, dass die EU-Mindestrichtlinie für die Schweinehaltung bereits seit 2008 Beschäftigungsmaterial vorschreibt, aber dass das in Österreich nur so umgesetzt wird, dass zumeist eine Kette von der Decke in die Schweinebucht baumelt, an der ein Holzstück montiert ist. Mehr gibt es nicht.

Die Schweineindustrie behauptet, die Betriebe in Österreich seien mit im Durchschnitt 120 Schweinen so klein, dass die Landwirt_innen praktisch jedes Tier mit Namen kennen würden. Das ist falsch. Wahr ist vielmehr, dass von den 20.000 gemeldeten Betrieben, die Schweine halten, der Großteil weniger als 10 Tiere für die Selbstversorgung hält. Betrachtet man nur jene Betriebe, die wirklich für den Markt produzieren, dann liegt der Durchschnitt an Schweinen pro Betrieb deutlich darüber. Schon 2005 wurde bei einer Konferenz der Schweinezuchtverbände festgestellt, dass Betriebe mit weniger als 600 Schweinen nicht wirtschaftlich wären. Heute liegt die Zahl noch höher.

Die Schweineindustrie behauptet, dass bei einer Verbesserung der Bedingungen für die Schweine die Selbstversorgung an Schweinefleisch in Österreich nicht mehr gewährleistet wäre. Das ist falsch. Wahr ist vielmehr, dass Österreich eine Überproduktion an Schweinefleisch hat und es deshalb exportiert. Es sind wir, die das Tierleid exportieren. Wir untergraben die besseren Standards für Schweine in anderen Ländern. Die österreichische Selbstversorgung ist in keiner Weise gefährdet. Sämtliche Supermärkte verkaufen nur österreichisches Schweinefleisch und würden das selbstredend fortsetzen, wenn die Haltung der Schweine verbessert wird.

VGT-Obmann Martin Balluch ruft die Abgeordneten dazu auf, nach ihrem Gewissen und dem Willen der großen Mehrheit im Land zu stimmen und das Verbot der Vollspaltenböden in der Schweinehaltung zu unterstützen: „Wie oft haben wir in den letzten Jahrzehnten von FPÖ und SPÖ gehört, dass sie eh für jede Verbesserung im Tierschutz seien, aber leider nicht so könnten, wie sie wollen, weil sie mit der ÖVP eine Regierungsvereinbarung hätten, die sie bindet. Jetzt gibt es diese Bindung nicht. Jetzt ist der Moment gekommen, Farbe zu bekennen und Rückgrat zu zeigen. Die Menschen fordern von der Politik, die Klimakrise und damit auch die Tierfabriken ganz vorne auf die Agenda zu setzen. Wer diese Zeichen der Zeit übersieht, dem wird bei der nächsten Wahl die Rechnung serviert!

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