NTÖ sieht "12-Punkte-Bio-Plan" im Burgenland sehr skeptisch

Lederhilger: Ganzheitliche Absicherung der Eigenversorgung notwendig

Wien (OTS) - "Die Ankündigung des burgenländischen Landeshauptmannes, dass dort in Zukunft nur mehr 'Bio-Stallbauten' zugelassen werden, sind klar zu hinterfragen", stellt Walter Lederhilger, Obmann des Vereins Nachhaltige Tierhaltung Österreich (NTÖ), fest. "Investitionen in wichtige Zukunftsprojekte wie Stallneubauten, Umbauten oder Stallmodernisierungen sind für tierhaltende Betriebe in Österreich seit Längerem nur schwer umsetzbar. Nicht nur die finanziellen Herausforderungen sind dabei zu beachten, auch Bau- und Raumordnungsvorschriften in den Bundesländern haben vielen zukunftsträchtigen Projekten den Wind aus den Segeln genommen oder sie unverhältnismäßig in die Länge gezogen. Um die Versorgung der Bevölkerung mit heimischen Lebensmitteln auch in Zukunft sicherzustellen, wären aber Investitionen sowohl in der biologischen als auch in der konventionellen Tierhaltung sinnvoll und notwendig", gibt Lederhilger zu bedenken.

"Wir müssen in einer freien Marktwirtschaft erleben, dass die Freiheit unternehmerischer Entscheidung der Bäuerinnen und Bauern im Land, in welcher Art und Weise sie produzieren, durch solche bevormundenden Regelungen weiter beschnitten wird. Ich bin mir nicht sicher, ob allen handelnden Personen die Tragweite der angekündigten Maßnahmen tatsächlich bewusst ist. Ich ersuche daher, vor Umsetzung dieser Punkte gemeinsame Gespräche mit der gesetzlichen Interessenvertretung und den Branchenverbänden zu suchen", erklärt Lederhilger.

Heimische Landwirtschaft in ihrer Vielfalt stärken

"Eine der Stärken der heimischen Landwirtschaft ist es, den Österreicherinnen und Österreichern eine Vielzahl an hochqualitativen Lebensmitteln aus den unterschiedlichsten Produktionsweisen anbieten zu können. Fleisch, Milch und Eier werden sorgfältig unter Einhaltung strenger gesetzlicher Vorgaben und in Einklang mit vielfältigen Qualitätsprogrammen erzeugt. Damit haben die Konsumenten jederzeit Wahlfreiheit und können selbst entscheiden, zu welchen Produkten sie greifen. Daher hätte ich mir Maßnahmen gewünscht, die allen Produktionsrichtungen im Sinne einer nachhaltigen Versorgung mit heimischen Lebensmitteln zugutekommen", erläutert der NTÖ-Obmann.

Regionalität stärken und nicht Betriebe gegeneinander ausspielen

Wie angekündigt, will Landeshauptmann Hans Peter Doskozil in den Landes- und landesnahen Küchen und Buffets des Burgendlands auch den Bio-Anteil erhöhen, geplant sind 50% Bio in bereits zwei Jahren, 2024 soll der Bio-Anteil bei 100% liegen.

"Das Burgenland konnte bereits bisher bei vielen tierischen Produkten, mit Ausnahme bei Eiern und Puten, keine Eigenversorgung sicherstellen. Bei Rind- und Schweinefleisch und auch bei Geflügel liegt dieser Wert beispielsweise bei unter 50%. Ich gehe davon aus, dass sich diese Situation durch die geplanten Maßnahmen weiter verschärfen wird. Ich hoffe, dass die im Burgenland in Zukunft zusätzlich benötigten Biolebensmittel wenigstens aus Österreich kommen werden. Eine Stärkung der Bäuerinnen und Bauern und der regionalen Landwirtschaft, welche ohnehin unter Einhaltung strenger Standards produziert, sieht anders aus und wäre mit anderen Maßnahmen besser umsetzbar und auch sinnvoller gewesen" ist Lederhilger überzeugt. "Dass es für die Biobäuerinnen und -bauern Abnahmegarantien vonseiten des Landes Burgenland geben wird, wenn die Biomärkte möglicherweise gesättigt sind und Preisverfall droht, ist laut veröffentlichtem 12-Punkte-Bio-Plan wohl nicht geplant", zeigt sich Lederhilger skeptisch. (Schluss)

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