Welche Medien braucht Europa? ORF-Public-Value-Bericht gibt Antworten

Wrabetz: „Öffentlich-Rechtliche tragen wesentlich zum Gelingen von Demokratie bei“

Wien (OTS) - Öffentlich-rechtliche Medien verbinden Menschen in ganz Europa. Gemeinsam mit dem ORF liefern 106 öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten Programm für 840 Millionen Menschen in 48 Ländern. Sie senden in 145 Sprachen in 428 TV-Sendern, auf 609 Radiokanälen und 259 Online-Angeboten. Sie sind durch den aktuellen Austausch von Nachrichten ebenso verbunden wie durch die Förderung ihrer nationalen und der europäischen Kreativindustrie. Die in der European Broadcasting Union vertretenen öffentlich-rechtlichen Medien sind in 73 Prozent aller in der EU produzierten fiktionalen TV-Programme involviert. 18,6 Milliarden Euro haben die Öffentlich-Rechtlichen allein im vergangenen Jahr in originär europäische Medienproduktion investiert, das entspricht 1,5 Millionen TV-Stunden.

Was europäische öffentlich-rechtliche Medien leisten, wem sie nützen und welche Europa-relevanten Programme und Inhalte der ORF in den kommenden Wochen rund um die EU-Wahlen seinem Publikum bieten kann, ist Gegenstand des gestern, am 15. Mai 2019, im Rahmen eines ORF-„DialogForums“ mit dem Titel „Mehr als Wahlen?“ präsentierten, zweiten Teil des ORF-Public-Value-Berichts „Der Auftrag 2019 – Für Europa“. Darin formulieren Expertinnen und Experten ihre Ansprüche. ORF-Journalistinnen und -Journalisten beschreiben, welche Projekte sie für 2019 verfolgen. Zahlen, Daten, Fakten und Beispiele aus 2018 dokumentieren die Qualität der Programme. Band 1 mit dem Titel „Der Auftrag 2019 – Für Österreich“ war am 16. Jänner 2019 erschienen.

ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz: „Der vorliegende zweite Band des Public-Value-Berichts dokumentiert, wie der ORF seinen gebührenfinanzierten ‚Auftrag für Europa‘ erfüllt. Er beschreibt, wie der ORF als einer der zahlreichen europäischen Öffentlich-Rechtlichen für jene Grundlagen im Medienkonsum sorgt, die für eine unabhängige, umfassende, vor allem aber eigenständige und freie Meinungsbildung nötig sind. Nur vertrauenswürdige Medien können Information, Kultur und Bildung vermitteln und sind in der Lage, durch Unterhaltung und Sport die Menschen in Europa miteinander zu verbinden. Nur so – auf Grundlage einer informierten Öffentlichkeit – ist eine gelingende Demokratie möglich. Der ORF trägt seinen Teil dazu bei.“

Dr. Klaus Unterberger, ORF Public Value: „Gerade angesichts von Fake News und der alarmierenden Polarisierung der Gesellschaft braucht Europa zuverlässige und glaubwürdige Medien, die sich nicht an Aufregung, Empörung und Spekulation orientieren. Wir dokumentieren, was der ORF dafür leistet, welchen Wert und Nutzen er für Österreich und Europa produziert.“

Public Value Report 2018/19, Band 2: Der Auftrag 2019 – für Europa

Neben umfangreichen Zahlen, Daten und Fakten zur ORF-Medienproduktion 2018/2019 bietet der Report aber auch Antworten darauf, was sich Publikum und Expertinnen und Experten vom „ORF der Zukunft“ erwarten:

Ulrike Guérot, Donau-Universität Krems: „Um die Pluralität der gesellschaftlichen Debatten abzubilden, dürfen Medien weder staatlich gesteuert sein, noch von wirtschaftlichen Interessen abhängen und z. B. immer auf Einschaltquoten schauen. In diesem Zusammenhang ist auch die Finanzierungsform wichtig: Studien der Universität Freiburg haben deutlich ergeben, dass Finanzierung über Budgetmittel die Abhängigkeit öffentlich-rechtlicher Medien von der Politik erhöht und daher als problematisch einzustufen ist.“

Robert Rotifer, Freier Journalist und Musiker: „Guter öffentlich-rechtlicher Journalismus ist eine unabdingbare Voraussetzung für die Wiedererinnerung der gefährlich rückgängigen Glaubhaftigkeit der Demokratie.“

Georg Pfeifer, Österreichbüro der Generaldirektion Kommunikation der EU: „Demokratie braucht gut informierte und aktive Wähler/innen. Dies können sichtlich vor allem soziale Netzwerke, aber auch ausschließlich kommerziellen Interessen unterworfene Medien nicht ausreichend leisten, weswegen öffentlich-rechtliche Strukturen auch im digitalen Zeitalter notwendig, ja, wohl noch notwendiger als zu Zeiten der traditionellen Medienwelten sind.“

Sandra Klingohr, Geschäftsführerin „Sandrats“: „Der ORF hat den gesetzlichen Auftrag, für ein vielseitiges kulturelles Angebot zu sorgen. Das impliziert, den gestalterischen Facettenreichtum von Film und Fernsehen mit all seinen experimentellen Versuchen nicht nur zuzulassen, sondern auch aktiv zu fördern. Oft erfordert es Mut, damit neues Spannendes entstehen kann, aber nur gemeinsam können wir in einem hoch kompetitiven Umfeld international interessant und konkurrenzfähig bleiben.“

Jan Krone, FH St. Pölten: „Das trimediale ORF-Programm gegen Gebührenanteil ist heute ein positives Transferprogramm an alle Bürgerinnen und Bürger der Republik Österreich. Diese Form der distributiven Medienpolitik geht nicht zu Lasten Dritter. Das ORF-Programm entspricht einem Kollektivgut, das nicht ausschließt, sondern integriert. Der ORF ist in Österreich Spiegel der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“

ORF-DialogForum „Mehr als Wahlen“

Präsentiert wurde Band 2 des „Public Value Berichts 2018/19“ gestern Abend im Rahmen eines DialogForums mit dem Titel „Mehr als Wahlen“, in dem Europa und der Beitrag der öffentlich-rechtlichen Medien zur Demokratie im Mittelpunkt standen.

Es diskutierten unter der Leitung von Klaus Unterberger: Ulrike Guérot, Politikwissenschafterin und Gründerin des „European Democracy Lab“, Ernst Gelegs, ORF-Korrespondent in Budapest, Heidrun Maier-de Kruijff, Geschäftsführerin des Verbandes der öffentlichen Wirtschaft und Gemeinwirtschaft, Atte Jääskeläinen, LUT Universität Finnland, Autor des EBU News Reports 2018: „Building Audience and Trust“, und Maria Mayrhofer, Initiative #aufstehn.

„Wir brauchen guten unabhängigen Journalismus, der uns die Grundlage bietet, am demokratischen Prozess teilzunehmen. Das Problem ist nur, dass in den sozialen Netzwerken, die als Verstärker wirken, der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht angekommen ist“, konstatierte Maria Mayrhofer. Ulrike Guérot stimmte dem zu: „Wir brauchen eine Art öffentliches Internet. Sonst wird’s schwierig mit der Demokratie. Denn wir haben ein Demokratie-Problem“, die journalistische Kontrollfunktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sei in den sozialen Netzwerken nicht darstellbar. Ernst Gelegs berichtete, dass in manchen osteuropäischen Staaten die Kontroll-Rolle der Medien in der Demokratie von der Politik nicht akzeptiert werde: „Medien – auch öffentlich-rechtliche Medien – dürfen nicht zu Propagandamaschinen von Regierungen werden. Ich wünsche mir diese Entwicklung für Österreich nicht.“ Um das nicht zuzulassen und die Unabhängigkeit zu verteidigen, gibt es für Atte Jääskeläinen vor allem eine Möglichkeit: „Die beste Lösung ist die Verbindung mit dem Publikum.“ Für Heidrun Maier-de Kruijff muss Public Service drei Dinge erfüllen:
„Er muss für alle da sein, muss leistbar sein und von hoher Qualität. Diese drei Dinge müssen wir mit Leben erfüllen als Daseinsversorger und öffentliches Gut.“

Das ORF-DialogForum ist eine Initiative des ORF, um das Gespräch mit seinem Publikum, den österreichischen Institutionen, den Organisationen und Gruppen der Gesellschaft zu beleben. Eine Aufzeichnung des ORF-DialogForum ist am Sonntag, dem 26. Mai 2019, um 8.50 Uhr in ORF III zu sehen, nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand in der ORF-TVthek (TVthek.ORF.at) und danach auf zukunft.ORF.at abrufbar.

Rückfragen & Kontakt:

http://presse.ORF.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRF0008