Gesundheitsberufe: Mehr Rücksicht auf einzelne Lebensphasen

Ärzte- und Arbeiterkammer NÖ forderten am 9. Tag der Gesundheitsberufe Maßnahmen zur Attraktivierung im Gesundheits- und Sozialbereich

St. Pölten (OTS) - Nach den Begrüßungsworten der Landesrätinnen Christiane Teschl-Hofmeister und Ulrike Königsberger-Ludwig widmete sich der 9. Tag der Gesundheitsberufe NÖ, der auch heuer wieder in St. Pölten stattfand, unter dem Motto „Does size matter – Größe als Chance?“ den derzeitigen Entwicklung im NÖ Gesundheitswesen.

Ärztekammer-Vizepräsident Gallob sieht mögliche Chancen in Landesgesundheitsagentur

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Mazal, Institut für Arbeits- und Sozialrecht der Universität Wien, berichtete im Auftrag des Landes Niederösterreich über die in Planung befindliche Landesgesundheitsagentur, die ab Sommer 2020 sowohl die Landeskliniken als auch die Landespflegeheime organisatorisch zusammenführen wird. Er erläuterte: „Durch diese künftige enge Zusammenarbeit wird es eine noch bessere, durchgehende Versorgung der Bevölkerung mit Gesundheits- und Pflegeleistungen geben. Damit verbunden sind weniger Schnittstellen, klare Verantwortlichkeiten und damit raschere Entscheidungen. Außerdem wird die neue Struktur mehr Flexibilität ermöglichen, um auf die Anforderungen der Zukunft reagieren zu können.“

OA Dr. Ronald Gallob, Vizepräsident der Ärztekammer für Niederösterreich und Kurienobmann der angestellten Ärzte, ergänzte: „Die Größe eines Systems kann als Chance gesehen werden. Bedenkt man wie sich die moderne Medizin entwickelt hat und weiter entwickeln wird, wird klar, dass wir durchorganisierte Strukturen brauchen. Die Landesgesundheitsagentur kann eine gute Basis dafür bieten, die wir gemeinsam – im Sinne der Patienten und der Beschäftigten – weiterentwickeln müssen.“

AK-Vizepräsidentin Gerda Schilcher forderte „Mehr Rücksicht auf Lebensphasen“

Die belastenden Arbeitsbedingungen und die in vielen Fällen unterdurchschnittlichen Verdienstmöglichkeiten führen bereits heute zu gravierendem Personalmangel im Gesundheits- und Sozialbereich. Es ist also höchste Zeit, Maßnahmen auf unterschiedlichen Ebenen zu ergreifen, die dieser Tendenz entgegenwirken. Wie in anderen Berufsfeldern müssen auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gesundheitsberufe Möglichkeiten zur Karriereentwicklung geschaffen werden. Dabei geht es nicht in erster Linie um bessere Verdienstmöglichkeiten, sondern vor allem um verbesserte und altersgerechte Gestaltungsoptionen.

„Kindererziehung, berufliche Weiterbildung, Wunsch nach anderen Arbeitszeitmodellen oder die Arbeitsanpassung nach 30, 35 oder 40 Arbeitsjahren, diese Lebensphasen sind nicht etwas Exotisches, sondern passieren im Leben jeder und jedes Berufstätigen“ sagte AK Niederösterreich-Vizepräsident DMTF Gerda Schilcher und meinte: „Deshalb ist es dringend notwendig, den Gesundheitsberufen mehr Gestaltungsfreiheit am Arbeitsplatz und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und familiären Aufgaben einzuräumen. Die alternde Gesellschaft stellt uns vor Aufgaben, die zwar oft genug beschrieben aber noch lange nicht gelöst sind.“

Neue Berufsprofile durch Digitalisierung und Telemedizin

Der Wandel in den Berufsbildern hat zwar mit der Neuordnung der Berufsausbildung und Akademisierung schon begonnen, die Digitalisierung nimmt aber erst richtig Fahrt auf. Als Beispiel nannte ao. Univ.-Prof. Dr. Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GmbH, die Übertragung von Gesundheitswerten der Patienten von zu Hause direkt in die Arztordinationen oder Primärversorgungszentren im Rahmen der telemedizinischen Betreuung von Diabetikerinnen und Diabetikern. Dies könnte Untersuchungszeiten in den Ordinationen sparen. „Die Arbeit mit Daten in den Gesundheitseinrichtungen und die verstärkte Koordination der multiprofessionellen Versorgung erfordert zwar neue digitale Kompetenzen, doch wird es dadurch innovative, körperlich weniger belastende Arbeitsfelder für medizinisches und pflegerisches Personal geben“, so Ostermann am 9. Tag der Gesundheitsberufe in St. Pölten.

Die Voraussetzungen für eine individuelle Steuerung der beruflichen Laufbahn, wie etwa den Wechsel in ein anderes Arbeitsfeld, sind in größeren Unternehmen grundsätzlich besser. Viele Untereinheiten an verschiedenen Standorten und mit unterschiedlichen Aufgaben bringen mehr Optionen für einen Jobwechsel innerhalb des Unternehmens. Unter dem Dach der Landesgesundheitsagentur werden an 77 Standorten 26.850 hauptamtliche und 1.572 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammenarbeiten. Die Arbeit in einem Unternehmen solcher Größe kann für die Beschäftigten durchaus Vorteile bieten, könnte aber auch eine Verschlechterung der Arbeitssituation mit sich bringen. Die Vertreter der NÖ Ärztekammer und der Arbeiterkammer NÖ sind sich einig, dass eine starke Interessenvertretung nach wie vor von großer Bedeutung ist.

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