NS-Funde aus dem Parlament gehen an das Haus der Geschichte Österreich

Die Aufarbeitung der Geschichte ist ein permanenter Prozess, dem sich jede Generation aufs neue Stellen muss. Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie muss Inspiration sein, die Entwicklungen der Zukunft zu antizipieren
Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka
Die gefundenen NS-Objekte wurden hier zu einer Zeit verwahrt, in der das Parlament keine demokratische Funktion hatte. Umso wichtiger ist es, sie in den richtigen Kontext zu stellen und aktiv ihr geschichtliches Umfeld zu erklären. Dafür gibt es mit dem Haus der Geschichte Österreich nun den passenden Ort.  Wir nehmen diesen Fund in die aktuell im Aufbau befindliche Sammlung des Hauses der Geschichte Österreich auf und danken Nationalratspräsident Sobotka für die Übergabe
hdgö-Direktorin Monika Sommer

Wien (OTS) - Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka übergibt sieben Objekte aus dem Parlamentsgebäude an die Sammlung des neuen zeithistorischen Museums, wo sie künftig für Forschung und Vermittlung zur Verfügung stehen werden.

Die sieben NS-Objekte wurden im Zuge der Parlamentsrenovierung im Jahr 2017 in einem verschlossenen Panzerschrank gefunden. Es handelt sich um zwei Büsten und ein Relief von Adolf Hitler sowie um vier Gemälde, die Adolf Hitler, Horst Wessel und einen Trommler im Braunhemd porträtieren. Die Exponate befanden sich laut Recherchen von Verena Pawlowsky, Ina Markova und Bertrand Perz, Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, zwischen 1938 und 1945 im Parlamentsgebäude. Zu dieser Zeit war das Gebäude zunächst der Sitz des Reichskommissars für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich, ab 1940 Sitz der Wiener Gauleitung der NSDAP. Vermutlich handelt es sich bei den Objekten um Teile eines Archivs, das den Aufbau der NSDAP dokumentieren sollte.

Die Aufarbeitung der Geschichte ist ein permanenter Prozess, dem sich jede Generation aufs neue Stellen muss. Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie muss Inspiration sein, die Entwicklungen der Zukunft zu antizipieren“, so Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka.

Die gefundenen NS-Objekte wurden hier zu einer Zeit verwahrt, in der das Parlament keine demokratische Funktion hatte. Umso wichtiger ist es, sie in den richtigen Kontext zu stellen und aktiv ihr geschichtliches Umfeld zu erklären. Dafür gibt es mit dem Haus der Geschichte Österreich nun den passenden Ort. Wir nehmen diesen Fund in die aktuell im Aufbau befindliche Sammlung des Hauses der Geschichte Österreich auf und danken Nationalratspräsident Sobotka für die Übergabe“, sagt hdgö-Direktorin Monika Sommer.

Ideologisch aufgeladene historische Fundstücke

Die beiden undatierten Hitler-Bronzebüsten stammen von dem von Adolf Hitler geschätzten Berliner Künstler Hermann Joachim Pagels. Das Bronzerelief mit dem Abbild aus dem Jahr 1932 wurde vom Wiener Künstler Hans Breinreich gefertigt. Breinreich fügte seiner Signatur das Kürzel „P.G.“ (Parteigenosse) an, er war demzufolge bereits 1932 Mitglied der NSDAP.

Die vier Gemälde stammen aus der Zeit zwischen 1930 und 1938. Das größte mit einer Höhe von fast zwei Metern ist der Trommler im Braunhemd aus dem Jahr 1937 des österreichischen Malers Anton Babion. Auf der Rückseite ist vermerkt, dass der SS-Mann Rudolf Horak dafür Modell gestanden habe. Ein weiteres Gemälde, ebenfalls aus dem Jahr 1937, zeigt Adolf Hitler in einem Wagen stehend in Nürnberg. Es kann dem Nürnberger Maler Hermann Gärtner, einem Mitglied der Reichskammer der Bildenden Künste, zugeordnet werden. Auf einem weiteren Gemälde ist Adolf Hitler, stehend vor einer Karte des Deutschen Reiches zu sehen. Die Signatur des Künstlers ist zwar unleserlich, aber anhand der abgebildeten Karte lässt sich schließen, dass das Bild zwischen März und Oktober 1938 entstanden sein muss. Vom österreichischen Maler Oskar Nick stammt das vierte Bild des Fundes, datiert auf das Jahr 1939. Es zeigt den SA-Führer Horst Wessel. Wessel wurde 1930 von KPD-Mitgliedern getötet und vom NS-Regime zum Märtyrer stilisiert.

Nationalratspräsident Sobotka und hdgö-Direktorin Sommer sind sich einig: „Diese NS-Objekte sind eine Mahnung für die Gegenwart. Jede Form von ideologischem Extremismus darf in einem demokratischen Rechtsstaat keinen Platz haben.“

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