Kinder brauchen sichere Orte in Schulen und in der Freizeitgestaltung

Die Österreichischen Kinderschutzzentren fordern Kinderschutzkonzepte für alle Betriebe und Organisationen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Es erstaunt auch immer wieder wie Verantwortungsträger nicht wahrnehmen können, weil nicht sein kann, was nicht sein darf
Dr.in Adele Lassenberger, Vorsitzende DIE ÖSTERREICHISCHEN KINDERSCHUTZZENTREN
Umso wichtiger ist es für solche Betriebe, dass sie über ein umfassendes Schutzkonzept für Kinder und Jugendliche verfügen
Martina Wolf, Geschäftsführung DIE ÖSTERREICHISCHEN KINDERSCHUTZZENTREN
Situationen, wie die aktuell berichteten, könnten bei einem funktionierenden Beschwerde- und Krisenmanagement frühzeitig aufgedeckt, die notwendigen Maßnahmen ergriffen werden und Kinder geschützt werden
Martina Wolf, Geschäftsführung DIE ÖSTERREICHISCHEN KINDERSCHUTZZENTREN

Der Falter hat umfassend recherchiert und Missstände an der Ballettakademie an der Wiener Staatsoper aufgedeckt Misshandlungen, vor allem psychischer Art, im Rahmen von Ausbildung stehen hier im Zentrum der Vorwürfe. Aber auch fehlende Fürsorgepflichten sind Thema. Arbeitgeber und Vorgesetzte haben gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Fürsorgepflicht und das gilt umso mehr für Ausbildungsverantwortliche gegenüber Schülerinnen und Schülern auch jenseits staatlicher Ausbildungsinstitute.

Die Mechanismen sind bekannt: Ideologien und so genannte höhere Ziele („Eliteausbildung“) dienen der Rechtfertigung brutaler Demütigungsrituale. Diese Ideologien sind jedoch auch im Spitzen- und Hochleistungssport nicht mehr „state oft the art“, wenngleich leider immer noch verbreitet.

Wie schwer es für Betroffene ist aus so einem System auszubrechen, ist aus vielen geschlossenen Systemen (Spitzensport, Militär, Kunstbetrieben, Kirchen u.a.) bekannt. In der Regel wurden große Opfer erbracht und hart gearbeitet, um persönliche Ziele zu erreichen. Das kann nicht so einfach aufgegeben werden. Aber auch für Zeuginnen und Zeugen ist es schwierig etwas dagegen zu unternehmen – entweder sind sie Teil des Systems oder sie wollen es verändern und scheitern daran. Verdrängungsmechanismen und die Hoffnung auf Veränderung machen es schwer das System von innen zu verändern – dann bleibt nur die Entscheidung zwischen Aushalten oder Gehen. "Es erstaunt auch immer wieder wie Verantwortungsträger nicht wahrnehmen können, weil nicht sein kann, was nicht sein darf", meint Dr.in Adele Lassenberger, Vorsitzende der Österreichischen Kinderschutzzentren. Besonders schockierend ist - so ist den aktuellen Falter-Recherchen zu den Elevinnen und Eleven der Staatsoper zu entnehmen – wie Kinder bzw. Jugendliche mit ihren Leistungen als Ware im Kunstbetrieb missbraucht und fallen gelassen werden.Kinder

Kinder sind in Kursbetrieben und Ausbildungsinstituten dem Erziehungsstil der Lehrenden ausgeliefert. Im Grunde ist keine Organisation oder Institution, die mit Kindern arbeitet, davor gefeit, dass etwas passiert.

"Umso wichtiger ist es für solche Betriebe, dass sie über ein umfassendes Schutzkonzept für Kinder und Jugendliche verfügen", betont, Martina Wolf, Geschäftsführerin der Österreichischen Kinderschutzzentren.

Forschungsprojekte wie Safe Sport der Sporthochschule Köln haben für den Breiten- und Spitzensport Risikokonstellationen identifiziert und erhoben und Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen formuliert. Respekt gegenüber Kindern und Jugendlichen ist eine zentrale Forderung und zwar in Bezug auf die Person, den Körper und ihre Leistungen und die Leistungsbereitschaft. Diese Ansätze können auch für den Kunstbetrieb, in dem es auch um Spitzenleistungen geht, übernommen und adaptiert werden.

Die Kinderschutzzentren weisen auf die Notwendigkeit von Präventionsstrategien in sämtlichen Bereichen, in denen mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet wird hin, und halten fest, dass nur umfassende Schutzkonzepte, welche vom Kopf einer Organisation in das System getragen und implementiert werden müssen, in Zukunft helfen können, gewaltpräventiv wirksam zu sein.

Solche Kinderschutzkonzepte umfassen eine Risikoanalyse, einen Verhaltenskodex (Does and Donts) und Standards für die Mitarbeitende und Ehrenamtliche, ein umfassendes Beschwerdemanagement, das klar regelt, wohin sich Kinder wenden können, wenn sie schlecht behandelt werden und ein Krisenmanagement mit eindeutig definierten Abläufen und Verantwortlichkeiten im Verdachtsfall. Begleitet von Schulungen für das Team und regelmäßigem Monitoring und Evaluation.

Kinderschutzkonzepte schützen die Kinder und Jugendlichen in den Betrieben und Organisationen, sie schützen aber auch die Mitarbeitenden und natürlich den Betrieb/die Institution selbst.

Situationen, wie die aktuell berichteten, könnten bei einem funktionierenden Beschwerde- und Krisenmanagement frühzeitig aufgedeckt, die notwendigen Maßnahmen ergriffen werden und Kinder geschützt werden“, betont Martina Wolf. „Das würde ihnen jahrelanges Leid und eine "beschädigte Biografie‘ ersparen.“

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