Schokohasen: Der NGO-Check hinkt noch immer!

Kriterien sind weder ausgewogen noch nachvollziehbar

Leider enthält der von den NGOs Südwind und Global 2000 präsentierte Osterhasen-Check auch heuer wieder nicht alle Informationen, die für Konsumenten zur Kaufentscheidung wichtig sind. Schokolade-Hersteller unternehmen große Anstrengungen, mit eigenen Programmen auf soziale und ökologische Aspekte der Produktion von Kakao und Schokolade einzugehen. Diese werden erneut nicht in die Bewertung aufgenommen. Seriöse Konsumenteninformation schaut anders aus
Mag. Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbandes der Lebensmittelindustrie

Wien (OTS) - "Leider enthält der von den NGOs Südwind und Global 2000 präsentierte Osterhasen-Check auch heuer wieder nicht alle Informationen, die für Konsumenten zur Kaufentscheidung wichtig sind. Schokolade-Hersteller unternehmen große Anstrengungen, mit eigenen Programmen auf soziale und ökologische Aspekte der Produktion von Kakao und Schokolade einzugehen. Diese werden erneut nicht in die Bewertung aufgenommen. Seriöse Konsumenteninformation schaut anders aus", kritisiert Mag. Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbandes der Lebensmittelindustrie, die kürzlich erfolgte Beurteilung von Schoko-Osterhasen.

Tatsache ist: Seit vielen Jahren unternehmen die Hersteller von Schokolade und kakaohaltigen Produkten vielfältige Anstrengungen, um die Bedingungen der Kakaoherstellung nachhaltig zu verbessern. In den meisten Fällen handelt es sich um Kooperationen mit nationalen Regierungen in Form von Public-Private-Partnerships oder internationalen Organisationen, die sich für faire Produktionsbedingungen einsetzen. Dabei wurden in den letzten 10 Jahren Beträge in der Größenordnung von über 100 Mio. Dollar (ca. 90 Mio. €) investiert.

Das Programm "Cocoa Life" von Mondelēz International (Milka) etwa hat seit dem Launch 2012 bis Ende 2017 121.000 Kakaobauern (Ziel sind rund 200.000 bis 2022) in über 1.000 Gemeinschaften in Ghana, der Elfenbeinküste, in Indonesien und Indien erreicht und durch gezielte Schulungen dabei unterstützt, ertragreicher zu wirtschaften und damit zu höheren Einkommen verholfen. Unabhängige Untersuchungen haben gezeigt, dass in den indonesischen Gemeinden, die an Cocoa Life teilnehmen, das Jahreseinkommen von Bauern um 37 Prozent und der Kakaoertrag um 10 Prozent angestiegen sind. Mehr als eine Million Bäume konnten als Teil der globalen Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels gepflanzt werden. Es werden bereits 35% des Mondelēz International Bedarfs mit Kakao aus nachhaltigem Anbau gedeckt (nach 21% im Jahr 2016). Bis 2022 werden insgesamt mindestens 400 Millionen US-Dollar in das Programm investiert.

Auch Nestlé hat mit seinem Cocoa Plan schon viel erreicht. Dieser vereint die Aktivitäten von Nestlé zur Förderung einer nachhaltigen Kakao-Versorgungskette unter einem Dach.

Der Cocoa Plan besteht aus drei zentralen Säulen:

  • Unterstützung der Bauern (Training, Bereitstellung ertragsstarker Pflanzen, technische Unterstützung und Prämien)
  • Verbesserung der sozialen Bedingungen (Prävention von Kinderarbeit, Bau von Schulen; Förderung von Frauen sowie Unterstützung bei der Wasser- und Sanitärversorgung)
  • Aufbau einer transparenten und sicheren Lieferkette (langfristige Partnerschaften, Rückverfolgbarkeit des Kakaos bis zur Kooperative und Schutz der Umwelt in den Anbauregionen, zB wurden 2,8 Mio. Schattenbäume gepflanzt).

2018 wurden von Nestlé rund 400.000 Tonnen Kakao verarbeitet, etwa 10 Prozent der weltweiten Ernte. Dabei wurden bereits 175.000 Tonnen Kakao über den Nestlé Cocoa Plan bezogen. Bis 2020 soll diese Menge auf 230.000 Tonnen erhöht werden. Derzeit stammen insgesamt rund 49% des Kakaos aus verantwortungsvollem Anbau bzw. sind rückverfolgbar.

Auch der Begriff "Gütesiegel" wird beim Check erneut irreführend verwendet. Es handelt sich dabei um Zertifizierungen, also Programme von meist privaten Organisationen, deren Einhaltung von unabhängigen Dritten (sogenannten "Zertifizierungsstellen") überprüft werden. Dabei kann aber keinerlei Aussage über die Qualität der zertifizierten Produkte gemacht werden. Es wird lediglich bestätigt, dass sich die Unternehmen an die vorgegebenen Regeln des Inhabers eines Standards oder "Labels" gehalten haben. Diese Unterscheidung ist wichtig, wurde aber leider von den NGOs wieder nicht berücksichtigt.

Nachhaltigkeit in der Kakaoproduktion – Was Konsumentinnen und Konsumenten wissen sollten

Kakaobauern haben mit vielen unterschiedlichen Herausforderungen zu kämpfen: Zum Beispiel sind die Regionen, in denen Kakao angebaut wird, besonders vom weltweiten Klimawandel betroffen. Zudem sind viele Kakaobäume auf den Farmen überaltert und es fehlt den Kakaobauern häufig landwirtschaftliches Wissen, um ihren Ernteertrag zu verbessern. Dadurch ist der Beruf des Kakaobauers für viele Jugendliche unattraktiv – es fehlt in den Dorfgemeinschaften an Perspektiven.

Repräsentanten der globalen Schokoladen- und Kakaoindustrie legten mit der Unterzeichnung des Harkin-Engel-Protokolls 2001 den Grundstein für die Gründung der INTERNATIONAL COCOA INITIATIVE (ICI). ICI ist eine Stiftung, die von Partnern aus Kakaoindustrie und Bürgerorganisationen ins Leben gerufen wurde. Die umfassende Strategie der ICI beinhaltet gemeindebasierte Lösungen, die den Familien eine positive nachhaltige Veränderung ermöglicht und sicherstellt, dass ihre Kinder zur Schule gehen können.

Die WORLD COCOA FOUNDATION (WCF) ist eine Partnerschaft zwischen Kakao verarbeitender Industrie, Regierungsstellen, internationalen Vereinigungen, Handelsorganisationen und Nichtregierungs-Organisationen. Das wirtschaftliche Ziel dieser Zusammenarbeit besteht darin, eine stabile und sichere Versorgung mit Kakao sicherzustellen. Das geschieht einerseits durch Maßnahmen zur umweltverträglichen Erhöhung der Erträge und zur Reduktion von Ernteverlusten, andererseits durch die Sicherstellung einer lebenswerten Einkommenssituation der Kakaobauern in Afrika, Lateinamerika und Asien.

Bei der ersten World Cocoa Conference in Abidjan/Elfenbeinküste im November 2012 haben die Regierungen Kakao produzierender Länder, Kakao- und Schokoladeunternehmen und andere internationale und europäische Organisationen die "Abidjan-Declaration" unterzeichnet. Damit verpflichtet sich die Industrie zur Zusammenarbeit mit den Partnern der Lieferkette, um die Produktion von nachhaltigem Kakao zu fördern.

Weiters engagieren sich Unternehmen der Süßwarenindustrie im Rahmen firmeninterner Programme für eine nachhaltige Lieferkette und unterstützen Projekte wie Forum Nachhaltiger Kakao (Deutschland) oder Rainforest Alliance.

Umfassende Informationen über Hersteller-Programme sind frei verfügbar:

www.cocoalife.org

www.farming-program.com

www.cocoainitiative.org

www.worldcocoafoundation.org

www.kakaoforum.de

www.nestlecocoaplan.com

Stellenwert der Lebensmittelindustrie in Österreich

Die Lebensmittelindustrie ist eine der größten Branchen Österreichs. Sie sichert im Interesse der Konsumenten tagtäglich die Versorgung mit sicheren, qualitativen und leistbaren Lebensmitteln. Die rund 200 Unternehmen mit ihren 26.000 Beschäftigten erwirtschafteten im Jahr 2018 ein Produktionsvolumen von 8,5 Mrd. € - 6,6 Mrd. € davon im Export in über 180 Länder. Der Fachverband unterstützt seine Mitglieder durch Information, Beratung und internationale Vernetzung.

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Mag. Katharina Koßdorff
Geschäftsführerin im Fachverband der Lebensmittelindustrie
Tel.: +43 1 712 21 21 – 14
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Pressesprecher für den Fachverband der Lebensmittelindustrie
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