Wiener Tierschutzverein zu Listenhund-Causa: „Es reicht“

WTV-Präsidentin zu Sima Aussage bezüglich Listenhunde: Drohungen gegen ihre Person sind No Go, allerdings hat Sima Verantwortung und sollte nicht zusätzlich Öl ins Feuer gießen.

Vösendorf (OTS) - Eine provokante Aussage von Wiens Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) sorgt aktuell für Wirbel unter den HundebesitzerInnen. Denn in einem TV-Interview zur neuen Tierhalteverordnung Wiens räumt Sima auf Nachfrage ein, so genannte Listenhunde künftig aus Wien gänzlich verbannen zu wollen - und scheint damit erneut bewusst Öl in die ohnehin schon emotional geführte Diskussion gießen zu wollen. Das Resultat sind wieder einmal erhitze Gemüter, Ärger und Frustration in der Bevölkerung sowie Todesdrohungen und Beschimpfungen gegen die Stadträtin von einigen wenigen Subjekten, denen immer noch nicht klar zu sein scheint, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist. „Es reicht“, sagt Madeleine Petrovic, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins (WTV) und fordert die Devise „Halt-Stop-Retour“ in der aufgeheizten Debatte: „Klar ist, dass jede auch nur angedeutete Drohung mit Gewalt ein absolutes No Go ist. Die hitzigste Kontroverse darf nie dazu führen, jemandem Gewalt anzudrohen“, so Petrovic, die in ihrer Karriere als Politikerin selbst eine Briefbombe und unzählige Drohbriefe erhalten hat.

Stadträtin hat Verantwortung

Doch gleichzeitig erinnert Petrovic die amtierende Stadträtin an ihre Verantwortung, nicht aufgrund persönlicher Ressentiments und Vorurteile redliche BürgerInnen, gesetzestreue TierhalterInnen vor den Kopf zu stoßen und in Verzweiflung zu stürzen. „Für echte TierfreundInnen ist ihr Haustier, ihr Hund ein geliebtes Familienmitglied und vielfach auch das einzige Familienmitglied, das etwa alten Menschen noch geblieben ist. Wenn, so wie mit diesem Husch-Pfusch-Gesetz, gerade jenen Menschen, die sich in Sachen Tierhaltung immer an die Gesetze gehalten haben, immer neue Schikanen auferlegt werden und dann die zuständige Stadträtin noch ganz offen zugibt, sie wolle die Listenhunde überhaupt aus der Stadt vertreiben, dann kann diese undemokratische und rechtsstaatlich unerträgliche Überheblichkeit politisch nur auf das Schärfste kritisiert werden“, so die WTV-Präsidentin, die hinzufügt: „Wenn eine hohe Amtsträgerin der Stadt Wien alles tut, um Polarisierungen und gesellschaftliche Zerreißproben zu befeuern, dann rechtfertigt dies zwar noch immer keine verbalen Entgleisungen, aber es wäre hoch an der Zeit, dass der Landtag und der Bürgermeister dieses gefährliche Spiel einer Stadträtin beenden.“

Es trifft wiedermal die Falschen

Denn Regierende sollten eine besondere Verantwortung haben und nicht unüberlegt Aggressionen zu schüren. Beim WTV haben sich seit Beginn dieser Causa viele Menschen gemeldet, die Listenhunde aus Mitleid aus überfüllten Tierheimen geholt und stets alle Gesetze peinlich genau eingehalten haben. „Warum werden diese Menschen jetzt für ihr Mitleid bestraft? Warum sollen sie alle zwei Jahre eine Prüfung ablegen, warum sollen sie ihre braven Lieblinge in einer nicht artgerechten Weise behandeln müssen?“, fragt sich vermutlich nicht nur Petrovic.

Problem geht tiefer

Das politische Versagen geht für die WTV-Präsidentin aber tiefer: Denn die mangelnde Bereitschaft, mit Tierschutzorganisationen auch nur zu reden, führe letztlich zu den Friktionen, die der ganzen Stadt schaden würden. Der sinnvolle Diskurs mit TierschützerInnen wurde nicht nur in der aktuellen Debatte von der Stadträtin verweigert, sondern zieht sich durch ihre gesamte Tierschutzkarriere. „Wenn Frau Sima nichts mit Tieren und TierschützerInnen zu tun haben möchte, dann soll sie sich von der Funktion als Tierschutzstadträtin verabschieden. So kann ein Ressort nicht zum Wohl der Stadt, der Menschen und der Tiere geführt werden“, sagt Petrovic.

Spielregeln sind ok, ein Rundumschlag nicht

Dass es Spielregeln und Normen geben muss, die auch vor potenziellen Gefahren, die von der Tierhaltung ausgehen können, schützen, bestreite niemand. Aber ein Rundumschlag gegen alle redlichen HundehalterInnen sei laut Petrovic so, als würde man alle AutofahrerInnen präventiv als RaserInnen bestrafen oder alle Fußballfans als Hooligans in die Schranken weisen. „Mit der Aussage, sie wolle alle Listenhunde, auch jene, die das Tierheim der Stadt Wien selbst vergibt, aus der Stadt hinausdrängen, hat sich Frau Sima als Tierschutz-Verantwortliche endgültig disqualifiziert. Legen Sie diese Funktion nieder, Frau Sima. Tierschutzagenden sollte eine Person wahrnehmen, die Tiere mag und die einen guten Draht zu Tierschutzorganisationen und TierfreundInnen hat“, so Petrovic abschließend.

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