Grüne Wirtschaft: Österreichs Filmbranche braucht mehr Frauen

Vor allem in filmischen „Chefetagen“ dominieren weiterhin Männer

Wien (OTS) - Frauen sind in der österreichischen Filmbranche unterrepräsentiert. Zu diesem Schluss kam eine hochkarätige ExpertInnenrunde bei einer Veranstaltung der Grünen Wirtschaft in Wien.

„Die Zahl der Produzentinnen ist nach wie vor erschreckend niedrig, wir haben in Wien einen Anteil von nur 12% Frauen erhoben. Und bei der Vergabe von Förderungen lässt sich erkennen, dass der Frauenanteil mit der Budgethöhe sinkt“, so der Vorsitzende der Fachvertretung der Film- und Musikwirtschaft, Alexander Dumreicher-Ivanceanu, auf der von ihm ins Leben gerufenen Veranstaltung FRAUEN//BILDER. Dumreicher-Ivanceanu zeigte sich schockiert von den Zahlen, die sich im Gender-Report des Österreichischen Filminstituts widerspiegeln. Birgit Moldaschl (Österreichisches Filminstitut ÖFII) legte dar, dass 27% der Förderung bis 50.000 Euro an Projekte mit starker weiblicher Beteiligung gingen, aber nur 3% der Projekte im höchsten Budgetbereich von über 1.000.000 Euro. Moldaschl plädierte für das Schweizer Modell: wenn zwei qualitativ gleich gute Projekte vorliegen, wird dort das Projekt mit starker weiblicher Beteiligung vorgezogen – eine Maßnahme, die die Zahl von Frauen-Projekten in kurzer Zeit deutlich gesteigert hat.

Die deutsche Erfolgsproduzentin Uschi Reich („Pünktchen und Anton“), die sich im Rahmen, der medial sehr präsenten und erfolgreichen Initiative ProQuote Film in Deutschland engagiert, unternahm den Blick über den Tellerrand. In Deutschland konnte der Anteil von Frauen bei Regie und Drehbuch bei Kino und Fernsehen in den letzten Jahren deutlich gesteigert werden, auf mittlerweile 30%. Ziel ist es, in naher Zukunft in den Bereichen Regie, Drehbuch und Produktion einen Frauen-Anteil von 50% zu erreichen.

Die Grüne Wirtschaft setzt hier an. Einerseits durch die Besetzung der Fachvertretung in der Wirtschaftskammer. Dumreicher-Ivanceanu berichtet davon, dass vor 10 Jahren noch keine einzige Frau in der Fachvertretung war. Dumreicher-Ivanceanu: „Es ist entscheidend, dass Frauen in den Institutionen und Fördergremien ebenso wie in den Verbänden vertreten sind. In der Wiener Fachvertretung sind es seit 2015 zwei von neun Mandatarinnen, die übrigens beide von der Grünen Wirtschaft sind.“

Eine davon ist Claudia Wohlgenannt, die in der Diskussion betonte, dass es für Frauen oft schwierig sei, an Filmfinanzierungen zu kommen: „Für Frauen ist es nach wie vor nicht einfach , eine Kontinuität in ihrem Arbeiten zu erreichen. Von einem Kinofilm alle paar Jahre kann frau nur schwer überleben. Auch TV-Aufträge sind wichtig, um sich die notwendige Praxis, das Selbstbewusstsein und die notwendige Anerkennung zu erarbeiten.“

Neben der Situation in der Produktionslandschaft wurde insbesondere die Rolle der Frau im Film diskutiert. Hier erklärte Katharina Schenk (Leiterin der ORF-TV-Hauptabteilung Fernsehfilm), dass von Seiten des ORF viel unternommen werde, um alte Rollenbilder aufzubrechen. Bei neuen Produktionen werde verstärkt darauf geachtet, Frauen in den Positionen Regie und Drehbuch zu engagieren: „Wir sind uns der Probleme bewusst und arbeiten daran, die Rolle von Frauen in kreativen Positionen zu stärken. Dieser Prozess ist im ORF in Gang gesetzt worden.“.

Der Produzentin Barbara Pichler vom Frauen/Film-Netzwerk FC Gloria ist das aber zu wenig: „Was hindert den ORF oder das Österreichische Filminstitut daran, verpflichtende Quoten einzuführen?“, so Pichler. Sie sei davon überzeugt, dass Veränderung nur dadurch passieren könne, dass Frauen bewusst angesprochen und eingebunden würden.

Einigkeit herrschte am Podium in der Schlussrunde darüber, dass sich die Situation für Frauen in der österreichischen Filmbranche zwar gebessert habe, dass aber noch viel zu tun sei, um eine Gleichstellung zu erreichen. Dumreicher-Ivanceanu: „Wenn wir uns in 5 Jahren wieder treffen, dann soll das Ziel einer Verteilung 50/50 bei Regie, Produktion und Drehbuch erreicht sein!“.

Rückfragen & Kontakt:

Alexander Dumreicher-Ivanceanu
ivanceanu@amourfoufilm.com
+43 1 994 99 11-0

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | DGW0001