TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 24. Februar 2019 von Alois Vahrner - Österreichs neue Vermittler-Chance

Innsbruck (OTS) - Der Besuch von Kanzler Kurz bei US-Präsident Trump half letztlich beiden. Österreichs Rolle könnte aber wichtiger werden.
Ein außenpolitischer Zwerg oder doch deutlich mehr? Österreich könnte in einer unsicherer werdenden Welt mit alten Stärken eine wichtige Rolle übernehmen.
Natürlich war es auch ein gelungener PR-Coup vor allem für Österreichs Kanzler Sebastian Kurz, dass er diese Woche von US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus empfangen wurde und dieser Kurz wie auch die Beziehung zu Österreich anschließend „großartig“ fand.
Dass es trotz des in den USA ungern gesehenen Austro-Kuschelkurses mit Russland und der OMV-Beteiligung an der Gaspipeline Nordstream 2 zu dem Termin gekommen ist, hatte wohl mehrere Gründe: starke Befürworter wie den US-Botschafter in Deutschland, Richard A. Grenell (nannte Kurz, der es auf die Cover von Newsweek und Time gebracht hat, einen „Rockstar“), aber auch die Eiszeit mit wesentlichen europäischen Top-Politikern. Europas aus Trumps Sicht zu hohe Exportüberschüsse und zu geringe Verteidigungsausgaben lassen grüßen. So stellten die USA die Gespräche im Anschluss als weit positiver dar als die Österreicher – weil ihnen die jeweilige Version innenpolitisch mehr nützt. Trump will den anderen EU-Größen mit dem Hofieren von Kurz indirekt eins auswischen. Und Kurz weiß um die momentan Trump-bedingte große Amerika-Skepsis auch in Österreich. Wie schon seit längerem Russland, dessen Präsident Putin im Sommer sogar bei der Hochzeit der ihm bis kurz vorher unbekannten Außenministerin Karin Kneissl antanzte, bis hin jetzt zu Trump:
Österreich bekommt in einer Welt immer neuer Spannungen und Unsicherheiten wie schon zu Zeiten des Eisernen Vorhangs die Chance, sich als echter Vermittler hervorzutun. Glaubwürdig kann dies aber nur sein, wenn Neutralität nicht Wegducken vor Problemen heißt und man sich manchen internationalen Aufgaben offensiver und solidarischer stellt als in der Vergangenheit – bis hin zu einer Aufstockung der viel zu niedrigen Entwicklungshilfe-Gelder.

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