Alarmierende neue Studie zu Mobilen Diensten: Die Hälfte der Arbeitsplätze im Haushalt birgt Gefahren für die Beschäftigten

Linz (OTS) - Eine aufrüttelnde Studie im Auftrag der AK bringt jetzt ans Licht, wie sehr die Mitarbeiter/-innen der Mobilen Dienste belastet und gefährdet sind: 45 Prozent der befragten Betreuer/-innen berichten von Gefahren bei ihrer Pflegetätigkeit in den Haushalten der Klienten/-innen – etwa durch aggressive Tiere, defekte Elektrogeräte oder unsichere Arbeitswege. Noch mehr, nämlich 56 Prozent, arbeiten in Räumen, die für eine ordentliche Pflege schlicht nicht geeignet sind – etwa weil Hilfsmittel wie Hebelifte fehlen. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer: „Es kann nicht sein, dass Beschäftigte in den Mobilen Diensten unter Bedingungen arbeiten müssen, die ihre eigene Gesundheit gefährden können. Hier muss es dringend Abhilfe geben.“

In den letzten Jahrzehnten wurde unter dem Leitsatz „Mobil vor stationär“ alles daran gesetzt, Senioren/-innen so lange als möglich ein würdiges Altern in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Dafür wurden die Mobilen Dienste für Pflege und Betreuung massiv ausgebaut und in Oberösterreich über 2.000 Arbeitsplätze geschaffen. „Das ist eine gute Entwicklung“, lobt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer, fragt aber gleichzeitig: „Wie schauen aber diese Arbeitsplätze aus? Wie sind denn die Rahmenbedingungen in den Wohnräumen und Haushalten?“

Die Arbeiterkammer gab deshalb eine Studie beim „Europäischen Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung“ in Auftrag und wollte wissen: Wie sind die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten? Wo mangelt es? Wo gibt es Verbesserungspotentiale? Denn wenn über Mobile Dienste öffentlich diskutiert wird, dann geschieht das meist nur aus der Sicht der betreuten Menschen, aus der Sicht der Finanzierung (Politik) oder aus der Sicht der anbietenden Organisationen. Wie es den betroffenen Mitarbeitern/-innen bei der Betreuung geht, ist in den Diskussionen meist zweitrangig.

Dabei müsste hier dringend etwas geschehen. Denn die Befragten haben zwar einerseits eine extrem hohe Identifikation mit dem Beruf, beklagen aber andererseits hohe Belastungen und Gefahrenpotentiale: 96 Prozent (!) verfolgen ihre Arbeit mit Interesse und messen ihrer Arbeit eine hohe Sinnstiftung bei, aber nur 40 Prozent können sich vorstellen, unter den derzeitigen Rahmenbedingungen ihre Tätigkeit bis zur Pension auszuüben. „Da müssen bei den Verantwortlichen, auch angesichts der Nachbesetzungsschwierigkeiten, alle Alarmglocken ganz laut schrillen“, so AK-Präsident Kalliauer.

Der Arbeitsplatz „Mobile Pflege und Betreuung“ bringt hohe physische und psychische Belastungen mit sich. Nur selten ist der „Arbeitsplatz“ in den Privaträumen der Klienten/-innen gesundheitsschonend gestaltet. 45,4 Prozent der befragten Mitarbeiter/-innen geben an, dass sie Gefahren am Arbeitsplatz ausgesetzt sind (z.B. aufgrund alter und defekter Elektrogeräte, unsicherer Arbeitswege oder aggressiver Tiere). 56,5 Prozent verrichten nach eigenen Angaben ihre Arbeit an ungeeigneten Orten – etwa ohne Hebeeinrichtungen, an nicht pflegegerechten Betten oder in gesundheitlich bedenklichen Räumen. Selbst geringste Standards für einen gesundheitsschonenden Arbeitsplatz sind oft nicht vorhanden.

Das ließe sich leicht ändern, ohne die Klienten/-innen zu belasten. Denn die können sich eine Behebung der Mängel oft gar nicht leisten. „Die skandinavischen Länder leben hier vor, wie es gelingen kann. Wenn es einen raschen, unkomplizierten und kostenlosen Anspruch auf Sachleistungen, zum Beispiel Hebelifte oder Badewannen oder auch auf notwendige Reparaturen, die nicht selber erledigt werden können, geben würde, dann hätte das mehrere Vorteile. Die Pflege und Betreuung würde erleichtert und verbessert werden, die Gesundheit der Beschäftigten geschützt werden“, fordert der AK-Chef dringende Maßnahmen ein.

In Oberösterreich vollbringen übrigens knapp 2.300 Beschäftigte in der mobilen Pflege und Betreuung Spitzenleistungen. Sie leisten täglich hochprofessionelle Arbeit und versorgen mit fast zwei Millionen Leistungsstunden jährlich über 20.000 Klienten/-innen. Bei der Studie wurden 184 Mitarbeiter/-innen befragt – das ist eine wissenschaftlich valide Stichprobe.

Weitere Kritikpunkte aus der Befragung: 35 Prozent der Befragten schildern, dass sie körperlich erschöpft sind, 35 Prozent geben an, dass sie gerne mehr Zeit für sozialbetreuerische Aufgaben hätten und 34 Prozent sagen, dass derzeit nicht ausreichend Personal nachbesetzt werden kann. Und ein vielfach gehörter Kritikpunkt: Ein durchgetakteter Arbeitstag lässt wenig Zeit für persönliche Gespräche mit den Klienten/-innen.

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