BWB leitet nach Handelsverband-Beschwerde Ermittlungsverfahren ein. Kein Liebesbeweis am Valentinstag für Amazon.

Mutmaßlich missbräuchliche Geschäftsbedingungen auf Amazon Marktplatz im Visier der heimischen Wettbewerbshüter. Handelsverband als Beschwerdeführer hofft auf "Fair Commerce".

Wien (OTS) - Paukenschlag im heimischen eCommerce: Die Bundeswettbewerbsbehörde hat heute entschieden, ein offizielles Missbrauchsverfahren gegen Amazon einzuleiten, um die Geschäftsbedingungen und Verhaltensweisen von Amazon gegenüber Händlern auf dem Online-Marktplatz amazon.de zu überprüfen.

Fünf Geschäftsbedingungen und Verhaltensweisen von Amazon im Fokus der formellen Ermittlungen

Amazon ist in Österreich der mit Abstand größte Online-Händler und betreibt zudem den größten Online-Marktplatz. Viele Händler sind beim Online-Vertrieb auf die Reichweite des Amazon Marktplatzes angewiesen. Amazon fungiert damit als Gatekeeper gegenüber den heimischen Konsumenten. Diese Doppelrolle als größter Händler und größter Markplatz birgt das Potential für Behinderungen anderer Händler auf der Plattform.

Die mutmaßlich missbräuchlichen Geschäftsbedingungen und Verhaltensweisen betreffen unter anderem:

  • Unbegründete und plötzliche Sperren von Händlerkonten;
  • Verpflichtung, die Einkaufspreise offen zu legen;
  • Hinzufügen von unrichtigen Lieferangaben durch Amazon bei den Händlern;
  • Unbegründeter Verlust von Produktrankings der Händler; und
  • Gerichtstandsklauseln, die eine Klage erschweren.

Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung durch das Kartellgericht gilt die Unschuldsvermutung.

Handelsverband fungiert als Beschwerdeführer

Auslöser für das Verfahren der BWB waren zahlreiche Beschwerden von Händlern über die Geschäftspraxis von Amazon, die der Handelsverband als Interessenvertretung des gesamten österreichischen Handels über mehrere Jahre hinweg gesammelt hat.

"Seit mittlerweile drei Jahren zeigen wir auf, wo hier die Probleme liegen. Die Politik hat den Markt seither trotz aller Bemühungen nicht sinnvoll regulieren können. Dies führte uns Ende 2018 zum Entschluss, als erste Organisation in Österreich selbst eine Beschwerde bei der Bundeswettbewerbsbehörde einzulegen und damit den Stein ins Rollen zu bringen", erklärt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes.

"Heute ist es endlich soweit, die BWB leitet offiziell Ermittlungen ein. Wir freuen uns als Beschwerdeführer sehr über diese grundsätzliche und richtungsweisende Entscheidung und werden uns weiterhin mit aller Kraft für FairCommerce im Online-Handel einsetzen", so Will.

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