• 17.01.2019, 22:00:16
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 18. Jänner 2019. Von ANITA HEUBACHER. "Hinschauen wird man wohl noch dürfen".

Innsbruck (OTS) - Fast jeder Unternehmer und Selbstständige zahlt
Tourismusabgabe. In Summe kommen so 95 Millionen Euro im Jahr für die
Tourismusverbände zusammen. Viel Geld – deshalb ist die Aufregung
groß, wenn am Topf gerüttelt wird.

Unbestritten ist, dass die Tourismusbranche sehr viel zum Wohlstand
des Landes beiträgt. Umstrittener ist, wie effizient die Millionen
aus den TVB-Budgets eingesetzt werden und vor allem, ob die, die die
Tourismusverbände durch die Tourismusabgabe finanziell nähren, zu
Recht zum Handkuss kommen.
Um 175 Millionen Euro Gesamtbudget aus Kurtaxe und Tourismusabgabe
sollten die 34 Tourismusverbände in Tirol 2017 vor allem Nächtigungen
lukrieren. Das Geld kommt von den Gästen durch deren Abgabe und zu 54
Prozent von Tirols Unternehmern und Selbstständigen. Bei einem
solchen Kuchen, den es zum Verteilen gibt, darf man schon genauer
hinsehen.
1. Die Liste derer, die Tourismusabgabe bezahlen müssen, ist lang und
gehört überdacht. Neben dem „Paradebeispiel“ Bestatter finden sich
noch einige Branchen, bei denen man schon viel Phantasie braucht, um
erklären zu können, wie genau sie vom Tourismus profitieren sollen.
2. Werden die Millionen effizient eingesetzt? Im Schnitt wurden die
Budgets der TVB in Tirol laut Geschäftsbericht der Tirol Werbung und
der Landesstatistik in fünf Jahren um knapp 22 Prozent erhöht. Mehr
Geld im TVB bedeutet nicht unbedingt mehr Nächtigungen. Das liegt
einerseits daran, dass man beim Marketing immer schwer weiß, welches
Geld für Werbung wie viel gebracht hat und welches umsonst ausgegeben
wurde. Andererseits lässt sich die Effizienz noch schwerer ermitteln,
weil die Tourismusverbände vor allem in finanzschwachen Gemeinden
viel in Infrastruktur investieren. Ohne Produktentwicklung kein
Marketing, das ist logisch. Allerdings ist bei manchen TVB der
Anteil, der in Infrastruktur fließt, mehr als 50 Prozent hoch.
3. Warum die Tourismusverbände in den letzten Jahren immer mehr Geld
brauchten, sprich die Budgets erhöht wurden, ist bei einem Tourismus,
der laut Landeshauptmann Günther Platter bei der Bevölkerung an
Belastungsgrenzen stößt, auch zu hinterfragen. Die Aufgaben der TVB
sind durch die Digitalisierung wohl eher weniger als mehr geworden.
4. Wofür das Steuergeld ausgegeben wird, ist demokratisch nicht
legitimiert. Zwar darf fast jeder Tourismusabgabe zahlen, mitreden
kann er aber nur bedingt, je nach Wählerklasse. Wer mehr zahlt,
dessen Stimme ist bei der TVB-Vollversammlung mehr wert. Ausgerechnet
in einer vor Innovation strotzenden Branche hat sich das
Kurienwahlrecht gehalten.

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