„Wie im früheren Leben – Die Geschichte einer Wiedergeburt“ und „Columban – Der Mönch, der Europa einte“ in „kreuz und quer“

Am 15. Jänner ab 22.35 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Mit nur sechs Jahren wird der kleine Padma Angdu in Nordindien als Wiedergeburt eines buddhistischen Meisters, als „Rinpoche“, inthronisiert. Urgain Rigzin, ein traditioneller Arzt und Mönch, wird zu seinem Ziehvater. Er kümmert sich fürsorglich um den Buben. Gemeinsam mit ihm begibt sich Padma Angdu schließlich auf eine abenteuerliche Reise, um zu seinem Kloster in Tibet zu gelangen. Die preisgekrönte südkoreanische Dokumentation „Wie im früheren Leben – Die Geschichte einer Wiedergeburt“ der Filmemacher Moon Chang-Yong und Jeon Jin, die „kreuz und quer“ am Dienstag, dem 15. Jänner 2019, um 22.35 Uhr in ORF 2 zeigt, hat die beiden acht Jahre lang mit der Kamera begleitet und zeigt ihre ungewöhnliche Geschichte in langen, ruhigen Einstellungen.

Der irische Mönch Columban gilt als prägender Wegbereiter für das Entstehen einer europäischen Kulturlandschaft. Gemeinsam mit einigen Brüdern wird er im 6. und frühen 7. Jahrhundert zum Begründer einer Missionsbewegung, auf die zahlreiche Klöster in ganz Europa als Zentren der Gelehrsamkeit und Spiritualität zurückgehen. Declan McGraths „kreuz und quer“-Film „Columban – Der Mönch, der Europa einte“ (23.25 Uhr) wird von der irischen Journalistin und Politikerin Mary McAleese präsentiert, die sich schon zu ihrer Zeit als Präsidentin Irlands klar zu Europa bekannt hat. Ihre Spurensuche führt durch Irland, Frankreich, Österreich, die Schweiz und Italien. Dort forscht sie nach dem Vermächtnis jenes irischen Mönchs, der mit seiner Offenheit gegenüber der Vielfalt des Kontinents auch dem heutigen Europa mit all seinen Brüchen und Gegensätzen ein Vorbild sein kann.

„Wie im früheren Leben – Die Geschichte einer Wiedergeburt“ – ein Film von Moon Chang-Yong und Jeon Jin

Ladakh in Nordindien liegt eingebettet in die karge Berglandschaft des Himalaya mit ihren kolossalen Gipfeln. Vor dieser bildgewaltigen Kulisse verläuft das Leben des kleinen Padma Angdu, der in der Obhut seines Ziehvaters Urgain Rigzin in einem Kloster in Ladakh lebt. Der alte Mönch hätte nie erwartet, dass ihm einmal eine so ehrenwerte Aufgabe zufallen würde. Denn Padma Angdu gilt als Wiedergeburt eines noblen buddhistischen Meisters. Urgain Rigzin soll sich so lange um den Buben kümmern, bis das tibetische Heimatkloster des jungen „Rinpoche“ eine Abordnung schickt, um diesen in seine eigentliche Klostergemeinschaft zu geleiten. Die Jahre vergehen, aber die Mönche aus Tibet kommen nicht. Das Gastkloster in Ladakh hat schließlich für Padma Angdu keinen Platz mehr und schickt den Buben fort. Gemeinsam mit seinem Ziehvater begibt sich der kleine Mönch auf eine lange und beschwerliche Reise. Er will nach Tibet, um sein angestammtes Kloster zu finden.

Acht Jahre lang haben die beiden Filmemacher Moon Chang-Yong und Jeon Jin den Buben und seinen Ziehvater immer wieder mit der Kamera begleitet. Die so entstandene Geschichte der Wiedergeburt von Padma Angdu ist eine poetische Entwicklungserzählung, die zentrale Fragen nach Identität, Freundschaft und Liebe behandelt, aber auch Themen wie Tradition und Aufopferung im Dienste einer übergeordneten Sache in den Fokus nimmt. In eindringlichen Bildern zeigt die ruhige Dokumentation die große Nähe und liebevolle Vertrautheit der beiden Protagonisten ebenso wie Zweifel und Momente von großer Traurigkeit. Dabei gelingt es den Filmemachern, die sehr persönliche Suche des Buben nach seiner Identität und seinem Platz in der Welt vor dem – filmisch nur angedeuteten – Hintergrund der schwierigen politischen Situation in der Region zu erzählen.

„Columban – Der Mönch, der Europa einte“ – ein Film von Declan McGrath

Der französische Politiker Robert Schuman, einer der Gründerväter der Europäischen Union, sagte über Columban, dieser sei „der Schutzheilige all jener, die heute danach streben, ein vereintes Europa aufzubauen“. Auf Columbans Spuren beginnt eine Reise, die 1.400 Jahre zurück in eine vergangene und fremde Welt führt: das abgelegene und als barbarisch beleumundete Irland. Doch während auf dem Kontinent die römische Kultur allmählich verfällt, erlebt Irland einen tiefgreifenden Wandel. Es sind die Früchte dieser „Revolution“, die Columban nach Europa bringen wird. Denn Irland nimmt zur Zeit von Columbans Geburt die unterschiedlichsten Einflüsse, Denkweisen und Ideen aus anderen Ländern auf. Als besonders wirkmächtig erweist sich das Christentum: In ganz Irland entstehen mönchische Gemeinschaften. Eine der berühmtesten ist das Kloster Bangor, hier entscheidet sich der junge Columban für ein strenges Leben des Verzichts und des Glaubens. Doch in den Klöstern entwickelt sich auch eine umfassende Gelehrsamkeit. Irland, so zeigt die Dokumentation, wird zu einer lebendigen Insel voller Wissenschaft und Bildung. Und auch Columban ist erfüllt – von Spiritualität und Wissen. Er will seinen christlichen Glauben verbreiten, und so beginnt die Reise.

Columban und seine Mitbrüder kommen in ein Europa, das aufgrund religiöser Gegensätze und kriegerischer Konflikte tief gespalten ist. Mary McAleese folgt akribisch den Spuren, die die Mönche bei ihrer Missionsreise hinterlassen haben. So besucht sie etwa die Ausgrabungen im französischen Luxeuil. Hier gründete Columban sein zweites Kloster auf kontinentalem Boden. Das Kloster Luxeuil wird berühmt für sein reiches kulturelles und intellektuelles Leben. Und Columbans Bildungsanspruch, seine Form der Gelehrsamkeit, wird zur Basis eines Bildungssystems, das Generationen der europäischen Elite formen sollte. Noch in Frankreich gerät Columban aber auch in Konflikt mit den etablierten Hierarchien der Kirche: Die französischen Bischöfe sind irritiert ob des kritischen Mönchs, der sich als Abt den Bischöfen durchaus gleichgestellt fühlt. Er kritisiert zudem den komfortablen Lebensstil vieler dieser Kirchenfürsten. Doch hier zeigt sich auch das große Vermächtnis, das der irische Mönch dem Europa von heute hinterlassen hat. Denn bei aller Kritik sucht er stets das Einende und schreibt in einem Brief seine berühmten Worte: „Wir alle sind Glieder eines Körpers, ob wir Franken sind, Briten oder Iren, oder von welchem Volk auch immer wir abstammen.“

Der Brief sei faszinierend, stellt denn auch Mary McAleese fest. Er könnte eines der ersten Schriftstücke sein, die von einem „internationalen, einem gemeinsamen Identitätssinn zeugen, der die Grenzen von Nationalität und Ethnie überwindet“. In seinen Schriften verwendet Columban die eindrückliche Metapher eines Chors, um seine Philosophie zu vermitteln: „Seine Grundsätze beruhen auf Harmonie in der Diversität“, erklärt der Historiker Damian Bracken dazu in der Dokumentation. „Verschiedene Personen singen unterschiedliche Töne – Polyphonie. Personen mit verschiedenen Stimmlagen und Fähigkeiten, doch das Resultat ist ein harmonischer Klang.“

Nach Rom gelangte der streitbare irische Mönch indessen nie, seine letzte Station wird das italienische Bobbio. Columban könne uns heute sagen, dass die Menschen dieses Europa der sehr unterschiedlichen Regionen nicht zu verlieren brauchten, aber alles zu gewinnen hätten, indem sie gut zusammenarbeiteten, lautet das Fazit, das Mary McAleese aus ihrer Spurensuche zieht. Die Menschen in Europa könnten demnach also von Columban lernen, sich auf beides – ihre nationale wie europäische Identität – zu besinnen und dabei näher zusammenzurücken, um auf diese Weise Europas Probleme gemeinsam zu bewältigen.

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