Strache will tägliche Turnstunde in allen Primarstufen bis 2022

Nationalrat spricht sich auch für eine bessere Förderung von Ehrenamtlichen im Sport aus

Wien (PK) - Über zwei Vorschläge von den Regierungsfraktionen im Bereich des Sports debattierte heute das Nationalratsplenum. Ein Entschließungsantrag zielt auf eine bessere Förderung Ehrenamtlicher in Sportvereinen ab, deren Situation laut AntragstellerInnen in den vergangenen Jahren schlechter geworden sei. Eine verstärkte Kooperation von Bund und Ländern beim Schulsport fordert der zweite Antrag von ÖVP und FPÖ. Damit soll auch der Ausbau der täglichen Turnstunde einhergehen.

Während das erste Koalitionsanliegen im Nationalrat die Zustimmung von der SPÖ erfuhr, kritisierten die SozialdemokratInnen, dass der zweite Antrag auch standardisierte sportspezifische Leistungschecks unter den SchülerInnen anregt. Dadurch würden die Kinder viel zu früh auf eine Sportart spezialisiert, befürchtet die SPÖ. Sportminister Heinz-Christian Strache betonte im Plenum, dass er die flächendeckende tägliche Turnstunde in der Primarstufe bis 2022 erreichen und ab 2020 diese auch für alle Pflichtschulen einführen will.

Die beiden Anträge von ÖVP und FPÖ wurden mehrheitlich angenommen. Tanja Graf (ÖVP) brachte zudem einen weiteren Entschließungsantrag ein, der auf eine bestmögliche Unterstützung der Judo-Weltmeisterschaften 2021 abzielt und vom Plenum einstimmig angenommen wurde.

Sport ist ohne Ehrenamtliche nicht möglich

Immer schwieriger sei in den letzten Jahren das freiwillige Engagement in Sportvereinen geworden, befindet Petra Steger (FPÖ). Oftmals erhalten die Ehrenamtlichen nicht einmal ein "Danke" und durch sozialversicherungsrechtliche und steuerliche Verpflichtungen wie der Registrierkassenpflicht werde ihre Arbeit noch weiter erschwert. Ihr Antrag ziele darauf ab, dass die freiwillige Tätigkeit attraktiver gestaltet wird, um auch künftig auf ihre Unterstützung bauen zu können. Dies sei besonders wichtig, da Freiwillige viel zur geistigen und körperlichen Gesundheit, zur Inklusion und Integration sowie zum Tourismus beitragen würden, unterstrich Volker Reifenberger (FPÖ).

Auch von Seiten der SPÖ kam Zustimmung zur Initiative der Koalition. Die Vereinsarbeit und die Arbeit der Freiwilligen sei ein wichtiger Dienst an der Gesellschaft, meinte etwa Konrad Antoni (SPÖ). Er gab aber auch zu bedenken, dass die Freiwilligentätigkeit oftmals mit dem Bildungsstand zusammenhänge. Da sich vor allem gut gebildete Menschen für ehrenamtliche Tätigkeiten einsetzen, müsse auch jungen Menschen der Weg zur Bildung geöffnet werden. Für Renate Gruber (SPÖ) müssten für die Freiwilligen auch die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden. Schließlich tragen sie auch zur Wertschöpfung sowie zur körperlichen Fitness bei und unterstützen durch ihren Einsatz große Sportereignisse. Die Einführung des 12-Stunden-Tages könnte allerdings auch negativen Einfluss auf die Zahl der Freiwilligen haben, warnte sie.

Viele positive Effekte des Sports würden durch die ehrenamtliche Unterstützung überhaupt erst ermöglicht, führte Kira Grünberg (ÖVP) ins Treffen. Ein solch gut funktionierendes System müsse auch künftig erhalten bleiben. Laut Klaus Lindinger (ÖVP) müsse es gelten, jene zu unterstützen, die mehr als ihre Pflicht tun. Auch er brach eine Lanze für die Freiwilligen, die junge Menschen an gesellschaftliche Werte heranführen würden und Verantwortung für Mitmenschen übernehmen, aber auch für sich selbst ein wichtiges Stück Lebenserfahrung sammeln können. Tanja Graf (ÖVP) betonte, dass die Freiwilligentätigkeit vor allem für den Judosport von Bedeutung sei. In diesem Zusammenhang brachte sie einen weiteren Entschließungsantrag ein, der von Sportminister Strache eine bestmögliche Unterstützung für die in Österreich stattfindenden Judo-Weltmeisterschaften 2021 fordert.

Sportminister Heinz-Christian Strache betonte, dass es viele Herausforderungen bei der Unterstützung von Ehrenamtlichen insbesondere im Sport gebe. Vor allem sei dabei die hohe Organisationskomplexität mancher Vereine zu berücksichtigen. Sein Ministerium entwickle mit der Bundes-Sportorganisation derzeit ein Projekt, das unter anderem niederschwellige Finanzierungsangebote entwickeln soll. Außerdem werden derzeit mit den anderen Ressorts Ansätze entwickelt, die öffentliche Anreize, wie zivilrechtliche Erleichterungen oder Reiseentschädigungen, schaffen sollen.

Tägliche Turnstunde für Pflichtschulen soll ab 2020 umgesetzt werden

Um die Gesundheit der Kinder stehe es nicht gut, betonte Petra Steger (FPÖ). Viele Kinder würden an Fehlhaltungen oder Übergewicht leiden. Deshalb fordert Steger mit ihrem Antrag Sportminister Heinz-Christian Strache auf, sich für eine verstärkte Kooperation von Bund und Ländern beim Schulsport einzusetzen. Konkret möchte Steger gute Rahmenbedingungen schaffen und nimmt dabei unter anderem die Ausbildung von PädagogInnen, Sportinfrastruktur oder das Ausmaß der wöchentlichen Sportstunden an Schulen in den Fokus. Sport sei für die emotionale Entwicklung junger Menschen wichtig, sagte Sandra Wassermann (FPÖ). Schließlich werde dadurch in der Schule die Gemeinschaft und der Teamgeist gestärkt. Weiters sei Sport auch ein gutes Präventionsmittel gegen eine mögliche spätere Drogensucht. Auch Martina Diesner-Wais (ÖVP) strich die positiven Effekte des täglichen Sports hervor. So würde die Aufnahmefähigkeit in der Schule gefördert und Schlüsselkompetenzen ausgebildet. Sie betonte vor allem die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Vereinen. Vereine könnten ihre Sportarten in den Schulen präsentieren und Vereine im Gegenzug die Sportanlagen der Schulen nutzen.

SPÖ und NEOS konnten dem Antrag zwar einiges abgewinnen, allerdings kritisierte Hermann Krist (SPÖ) die vorgeschlagenen sensomotorischen Messungen als nicht zielführend. Insbesondere in den ersten beiden Klassen müsse eine individuelle Entwicklung im Vordergrund stehen, die nicht auf einer Diagnose basiert. Schon früh könnte sonst eine Spezialisierung auf eine Sportart erfolgen, befürchtet er. Für Douglas Hoyos-Trauttmansdorff (NEOS) trägt regelmäßiger Sport wesentlich zur Konzentration und Leistungsfähigkeit von SchülerInnen bei. Er betonte dabei vor allem die Bedeutung der Vorbildwirkung für junge Menschen. Hierzu müsse sich jeder selbst an der Nase nehmen, um den Kindern im Verwandten- oder Bekanntenkreis als Vorbild zu dienen. In Bezug auf die tägliche Turnstunde gab er zu bedenken, dass diese für viele Schulen einen großen Aufwand darstelle. Oftmals seien die nötigen Ressourcen nicht gegeben oder die Turnstunde werde nur an das Ende des Stundenplans gestellt, was seiner Ansicht nach nicht zielführend sei.

Sportminister Heinz-Christian Strache unterstrich, dass er in der Primarstufe eine österreichweit flächendeckende tägliche Turnstunde bis 2022 anstrebe. Ab 2020 soll diese regelmäßige Sporteinheit auch für alle Pflichtschulen umgesetzt werden. Strache gab allerdings auch zu bedenken, dass die Einführung nicht eine sofortige Umsetzung bedeuten kann. Er geht von Kosten in der Höhe von 55 Mio. € für die volle Abdeckung aus, die im Zuge einer Steuerreform gedeckt werden sollen. Der Kritik an den geplanten Leistungstests konnte der Sportminister nichts abgewinnen. Schließlich handle es sich lediglich um "sportmotorische Pisatests", die helfen sollen, möglichst früh Bewegungsmängel festzustellen. (Fortsetzung Nationalrat) see

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