Antibiotikaresistenzen – Zeit zu handeln

Bei der imh Fachkonferenz „Nosokomiale Infektionen“ wurde das Problem der Antibiotikaresistenzen kritisch beleuchtet.

Zeit zu handeln
Dr.in Agnes Wechsler-Fördös, ehemalige Antibiotika- und Hygienebeauftragte Ärztin der Krankenanstalt Rudolfstiftung

Wien (OTS) - Weltweit steigen die Verschreibungen von Antibiotika massiv, dies führt zum zunehmenden Problem von Antibiotikaresistenzen, so die Expertin Dr.in Agnes Wechsler-Fördös, ehemalige Antibiotika- und Hygienebeauftragte Ärztin der Krankenanstalt Rudolfstiftung, bei der imh Fachkonferenz „Brennpunkt Nosokomiale Infektionen“ von 3. bis 4. Oktober 2018. 

Prognose: 10 Millionen Todesfälle durch Antibiotikaresistenzen

Von 2000 bis 2015 gab es weltweit einen Anstieg des Antibiotikakonsums um 65 %. Der Gesamtverbrauch in Österreich ist in den letzten fünf Jahren in der Humanmedizin um 3,8 % gestiegen, im stationären Bereich sogar um 17,3 %. Österreich hat einen Antibiotikaabsatz von gesamt 119,2 Tonnen. Von den Verschreibungen sind bis zu 20–50 % fraglich bzw. unnötig. Die Resistenzprognose des O´Neill-Reports, beauftragt von der englischen Regierung, prognostiziert für 2050, dass an Antibiotikaresistenzen 10 Millionen Menschen – mehr als an Karzinomen – sterben werden. 

Antibiotikaverwendung bei Tierzucht

Nicht nur die zunehmende Verschreibung von Antibiotika in der Humanmedizin ist das Problem. 2015 erhielten Tiere der Nahrungsmittelindustrie 1.548 kg des Antibiotikums Colistin – das war 300 Mal mehr als die in der Humanmedizin verwendete Menge von 5 Kilogramm. In einer Studie in den Niederlanden wurden im Hühnerfleisch bei 65 % colistinresistente Enterobakterien nachgewiesen. Mit den Ausscheidungen der Tiere gelangen diese außerdem in unsere Umwelt und können auch auf diesem Weg verbreitet werden. 

Was muss getan werden?

Es muss ein Umdenken zu einem verantwortungsvollen Antibiotikaeinsatz im Bereich Humanmedizin und in der Tierzucht erfolgen.

Im medizinischen Bereich muss Aufklärung erfolgen und die Awareness massiv verbessert werden. Interventionsmöglichkeiten für adäquaten Antibiotikaeinsatz wären laut Dr.in Agnes Wechsler-Fördös eine Optimierung der Diagnostik, die kritische Indikationsstellung zur Antibiotikatherapie, die Dauer der Antibiotikagabe zu verkürzen und die Verabreichung zu optimieren. Auf der Hand liegt, dass Österreich bei der Bewusstseinsbildung sowohl im medizinischen Bereich als auch in der Bevölkerung viel zu tun hat. „Zeit zu handeln“ waren die Abschlussworte von Dr.in Agnes Wechsler-Fördös.

Über die Konferenz

Die Fachkonferenz „Nosokomiale Infektionen“ fand in diesem Jahr erstmals im Rahmen des größten österreichischen Krankenhauskongresses „Forum Spital“ von 3. bis 4. Oktober 2018 im Schlosspark Mauerbach statt. Weitere Themen waren die Zukunft der Pflege, IT im Krankenhaus und die Gesundheitsreform. 

Details zur Konferenz unter: www.imh.at/khinfektionen-rb 
Details zum Forum Spital unter www.imh.at/spital-rb 

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