Schönheitswahn im Netz: „dokFilm“-Premiere „Nie genug. Der Körperkult in sozialen Medien“ am 21. Oktober

Jennifer Reznys alarmierende Doku über mediale Selbst- und Fremdbespiegelung des weiblichen Körpers

Wien (OTS) - „Es gibt so gut wie keine Frau, der das Thema egal ist!“ Die junge Wiener Filmemacherin Jennifer Rezny widmet sich in ihrer jüngsten Dokumentation für den ORF dem weiblichen Körperbild in Social Media. Straffer Busen, schmale Taille, knackiger Hintern, endlos lange Beine – das bekannte Ideal der „schönen Frau“ vermittelten früher Models oder Starlets als ferne Idole auf Werbeplakaten, im Kino oder in Videoclips. Heute allerdings sind durch die sozialen Medien junge Frauen intensiver als je zuvor mit unerreichbaren Körperbildern konfrontiert. Dabei ist fast jedes dort präsentierte Foto digital geschönt – und die meisten Frauen wissen das auch. Dennoch: Je öfter sich die Userinnen durch Instagram, Facebook und Co. klicken, desto größer werden ihre Selbstzweifel und die Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen. Kaum eine kann sich dem Sog dieser Scheinwelt entziehen, in der Beauty, Fitness und Lifestyle alles sind. Die fatalen Folgen: Schlankheits-und Fitnesswahn, Essstörungen aller Art, Bodyshaming und Sexismus. „Nie genug. Der Körperkult in sozialen Medien“ heißt Reznys Film, der am Sonntag, dem 21. Oktober 2018, im „dokFilm“ um 23.05 Uhr in ORF 2 – als Teil eines TV-Kulturschwerpunkts zu unterschiedlichen Aspekten von Schönheit – TV-Premiere feiert. „Ich hatte selbst die Schnauze voll von viel zu vielen geschönten Bildern, die mir überall untergekommen sind. Und da hab ich mir die Frage gestellt: Wie geht’s eigentlich den ganz jungen Frauen damit, wenn sie dauernd diesen geschönten, glatten Bildern ausgesetzt sind?“, erklärt die 36-jährige Regisseurin ihre Hintergründe.

„Mich hat das total berührt und aufgeregt!“

Bei ihren Recherche ist Jennifer Rezny auf eine kanadische Studie gestoßen: „Diese belegt, dass sich das Unsicherheitsbefinden von jungen Frauen durch soziale Medien verstärkt hat. Das hat zweierlei Gründe: zum einen ist die Intensität und Häufigkeit, in der sie mit diesen geschönten Bilder konfrontiert werden, einfach gestiegen und, zum anderen, stellen diese Bilder auch Alltagssituationen dar. Die ganz normale Frau von nebenan oder die Freundin präsentiert sich auf Instagram in total geschönten, geslickten Bildern wie mit Filtern bearbeiteten Selfies. Das hinterlässt natürlich einen Eindruck bei jungen Frauen. Mich hat das total berührt und aufgeregt und ich wollte es einfach genauer wissen: Warum ist das so, was kann man dagegen machen und warum hört das nicht endlich auf?“, zeigt sich Rezny betroffen.

Gesellschaftliche Entwicklung an Darstellung der Körperbilder von Frauen ablesbar

Trotz immer lauter werdender Rufe nach Vielfalt, nach „Diversity“, spielt der „ideale“ weibliche Körper, insbesondere für Mädchen und junge Frauen, bei der medialen Selbst- und Fremdbespiegelung nach wie vor eine Hauptrolle. Das konnten auch zahlreiche Bewegungen bzw. Initiativen – sogar von Seiten der Mode- und Werbebranche – bisher nicht ändern. Filmemacherin Jennifer Rezny begibt sich in ihrer neuen Dokumentation auf Spurensuche nach den Ursachen und Auswirkungen. „Der weibliche Körper ist seit jeher Austragungsort von weiblicher Identität. Es ist nichts Neues für uns Frauen, dass wir objektiviert und sexualisiert werden“ sagt Rezny. „Da steckt auch ganz viel von der gesellschaftlichen Entwicklung dahinter, die noch immer nicht da ist, wo sie sein soll und wo wir Frauen sein wollen, und zwar in einer gleichberechtigten Gesellschaft. Das kann man auch an der Darstellung der Körperbilder von Frauen ablesen. Außerdem leben wir in einer Leistungsgesellschaft, gefärbt und getränkt in Kapitalismus, die sich immer optimieren und besser werden muss. Es kann nie genug sein.“

Sieben Protagonistinnen und Experten kommen zu Wort

Für ihren Film traf Jennifer Rezny sieben junge Frauen – von der Bikini-Athletin aus der Steiermark über die oberösterreichische Influencerin bis zur türkisch-stämmigen Rapperin aus Wien –, die jede auf ihre Art vom Körperkult in sozialen Medien beeinflusst sind. Sie konfrontiert jene, die den Wahn fördern, und spricht mit denen, die ihn stoppen wollen. Eine Soziologin, eine Psychotherapeutin, ein Ästhetikforscher und eine Medienwissenschafterin analysieren und stellen sich den dringendsten Fragen: Wer bestimmt die Schönheitsideale, die im Social Web zum nachahmungswürdigen Standard werden? Wer trägt die Verantwortung dafür? Und wie kann man die grassierende Sucht nach „vollkommenem Aussehen“ beenden, die oft so viel Leid verursacht? „Nie genug. Der Körperkult in sozialen Medien“ ist ein Film, der alarmierende Einblicke in das Leben junger Frauen gewährt, deren Alltag vom „Phantom Schönheit“ diktiert wird. „Wir dürfen nicht aufhören, darüber zu sprechen, weil eben viele gesellschaftliche Missstände dahinter stecken, wie das Thema Gleichberechtigung“, resümiert die Regisseurin. „Es geht nicht einfach nur um Äußerlichkeiten, Schönheit und Körperlichkeit, sondern um viel mehr: um die Selbstbestimmtheit der Frauen und dass wir uns nicht über unseren Körper, unser Aussehen definieren müssen, sondern dass wir viel mehr sind als das!“

Fortsetzung des Schönheitsschwerpunkts mit „kulturMontag“ und weiterer Doku

Der ORF-TV-Kulturschwerpunkt zum Thema Schönheit geht am 22. Oktober mit einem monothematischen „kulturMontag“ (22.30 Uhr, ORF 2) sowie dem anschließenden neuen Dokumentarfilm „Die Schönheit ist ein wildes Tier. Kunst und Ästhetik“ (23.20 Uhr) über die Bewertung und Wahrnehmung des Begriffs Schönheit in der Kunst weiter. Der Film von Ines Mitterer begibt sich auf Spurensuche nach Rom und Florenz und bittet u.a. den Philosophen Konrad Paul Liessmann und Kunststar Ólafur Elíasson zu Wort.

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