„kulturMontag“ am 15. Oktober: Freiheit der Kunst, Kulturgut Dialekt, Konfliktherd Frankfurter Buchmesse

Außerdem: Neue Doku „Wiener Nächte – Musik und Melancholie“ über neue Wiener Musikszene

Wien (OTS) - Wie weit darf künstlerische Freiheit gehen? Der von Clarissa Stadler präsentierte „kulturMontag“ am 15. Oktober 2018 um 22.30 Uhr in ORF 2 beleuchtet die Moral und Ethik in der Kunst, widmet sich aber auch Themen wie dem schwindenden Kulturgut Dialekt sowie der 70. Frankfurter Buchmesse als Schauplatz aktueller gesellschaftspolitischer Konflikte. Anschließend an das Magazin steht die neue ORF-Dokumentation „Wiener Nächte – Musik und Melancholie“ (23.15 Uhr) über die junge Wiener Musikszene auf dem Programm.

Eine verhängnisvolle Affäre – Was darf die Kunst?

Darf ein Künstler die erwachende Sexualität junger Mädchen darstellen? Eine Frage, die anlässlich einer laufenden Ausstellung von Werken des Malers Balthus in der Basler Fondation Beyeler auch über die Schweizer Grenzen hinaus gestellt wird. Vor allem aber in den USA sind im Fahrwasser der #MeToo-Debatte vermehrt Rufe nach Zensur von angeblich gefühlsverletzenden Kunstwerken laut geworden. Der Philosoph Robert Pfaller spricht in diesem Zusammenhang von einer neoliberalen Empfindlichkeit der Eliten, Kunstkritiker Hanno Rautenberg sieht in seinem Buch „Wie frei ist die Kunst?“ eben diese Freiheit in Gefahr. Der „kulturMontag“ fragt: Was soll die Kunst heute noch dürfen und kann oder muss man Werk und Person eines Künstlers getrennt betrachten? Dazu nehmen u. a. Belvedere-Direktorin Stella Rollig und die Wiener-Aktionismus-Expertin im MUMOK, Eva Badura-Triska, Stellung. In beiden Häusern wird übrigens die Kunstgeschichte längst umgeschrieben: Der männliche Blick in der Kunst bekommt mit historischen, aber auch aktuellen weiblichen Positionen ordentlich Konkurrenz.

Leck Buckl! Stirbt der österreichische Dialekt?

Der heimische Dialekt in all seinen Ausprägungen gehört zu den wichtigsten gesellschaftsbildenden Kulturgütern Österreichs und ist seit Kurzem auch Bestandteil des „Gedächtnis der Menschheit“-Registers der UNESCO. Doch die Dialektsprecher scheinen stetig weniger zu werden. Kinder und Jugendliche wachsen immer hochsprachlicher auf, passen sich immer mehr der bundesdeutschen Sprache an. Ist unsere vielgerühmte Dialektkultur also vom Aussterben bedroht? Der „kulturMontag“ hat sich in einer Kärntner Schule und in einem Wiener Jugendzentrum umgehört, die heimischen Dialektrapper Kreiml & Samurai sowie den YouTube-Star Michael Buchinger getroffen und den Sprachwissenschafter Manfred Glauninger zum Ernst der Lage befragt.

Nationalismus kontra Weltoffenheit auf der Frankfurter Buchmesse

Auf der laufenden 70. Buchmesse spiegeln sich aktuelle gesellschaftspolitische Debatten wider. Während man in den vergangenen Jahren dort den Dialog beschwor – das Buch „Mit Rechten reden“ war etwa in aller Munde –, scheint man heuer dazu übergegangen zu sein, entschieden Haltung zu zeigen: für die universelle Gültigkeit der Menschenrechte, für Demokratie, für die Vielfalt und gegen Hass und Hetze jeder Art. Das zeigt sich etwa auch am Umgang mit rechten Verlagen, die diesmal – in sehr überschaubarer Zahl – in einer der Messehallen, am Rande zusammengefasst, ihre Werkschau halten können. Das hat die Buchmesse auch aus sicherheitsstrategischen Gründen so entschieden. Doch: Nicht nur überzeugten Rechten missfällt das.
Der „kulturMontag“ bringt eine ausführliche Reportage und spricht u. a. mit der nigerianischen Autorin Chimamanda Ngozi Adichie, hat Franziska Schreiber – die Autorin von „‚Inside AfD“, der Bericht einer „Aussteigerin“ – getroffen, und lässt den jungen Schriftsteller Lukas Rietzschel zu Wort kommen. Er hat mit dem Roman „Mit der Faust in die Welt schlagen“ ein Buch über die rechte Radikalisierung in Ostdeutschland geschrieben. Auch die Autoren Jana Hensel und Wolfgang Engler kommen zu Wort, die in ihrem Buch „Wer wir sind. Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein“ zu ergründen versuchen, woran es liegt, dass vor allem Ostdeutschland so anfällig für Rechtsradikalismus ist.

Neue Dokumentation „Wiener Nächte – Musik und Melancholie“ (23.15 Uhr)

In den vergangenen Jahren erfuhr der Austropop ein fulminantes Revival. Wanda, Bilderbuch, Voodoo Jürgens und einige andere mehr füllen national wie international große Hallen. Die meisten der Protagonisten kennen und schätzen einander noch aus Zeiten, in denen niemand diesen Hype erkennen konnte. Die neue Dokumentation der ORF-Redakteure Dietmar Petschl und Siegfried Steinlechner geht an die Wurzeln, begegnet den Künstlerinnen und Künstlern in ihren Biotopen und zeichnet so ein sehr nahes Bild der Menschen, die ihr Wien und ihr Österreich leben. Die neuen Stars treffen Freunde aus der Szene, erzählen Anekdoten über Wien, ihr Leben und ihre Musik. Klar wird:
Die Wiener Szene ist quicklebendig. Ihr Erfolg ist kein plötzlich entstandener Hype, er ist von Musikern und Musikbegeisterten über viele Jahre mühsam aufgebaut worden. Die neue Wiener Szene ist gekommen, um zu bleiben.

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