Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 9. Oktober 2018; Kommentar von Karin Leitner: "Neue Führung, alte Unsitten"

Innsbruck (OTS) - Die vergangenen drei Wochen für die SPÖ im Schnelldurchlauf: Christian Kern verlässt die Politik. Nein, er bleibt, wird roter Spitzenkandidat bei der EU-Wahl. Pamela Rendi-Wagner wird auf die Schnelle als Nachfolgerin designiert – und von Wiens Vorsitzendem Michael Ludwig öffentlich kritisiert. Andreas Schieder ist auf Rendi-Wagners Wunsch hin nicht mehr Klubchef. Als Kern sagt, doch nicht Frontmann bei der Europa-Wahl zu werden, wird Schieder kurzerhand die Nummer eins für diese. Und weil vor allem Ludwig gegen die – unter Kerns Ägide ersonnene – Parteiorganisationsreform opponiert, wird diese aufgeschoben. SPÖ-Granden, die diese Neuerungen gepriesen haben, finden nun gut, dass sie vertagt werden. Es scheint, als führten Regierungsstrategen Regie bei dieser oppositionellen Truppe. Tatsächlich sind es deren Protagonisten. Ein schlechteres Selbstbild hätten sie nicht zeichnen können. Auf diesem zu sehen ist eine Partei mit neuem Führungspersonal und alten Mechanismen. Eine, in der es Männern wie Ludwig nur um eines geht – Machterhalt. Geöffnet werden sollte die SPÖ, ein Mandat, zumindest für Nationalrats- und EU-Abgeordnete, keine Art Erbpacht mehr sein; Mitglieder sollten mehr mitreden dürfen als bisher.
72 Prozent der 38.000 Genossen, die vor dem Sommer über die beabsichtigten Änderungen befunden haben, hießen sie gut; in den Parteigremien wurden sie ebenfalls abgesegnet. Jetzt gilt das alles nicht mehr. Mit derlei gestrigem Gehabe gewinnt die SPÖ nicht neue Anhänger, sie verliert die letzten Getreuen.

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