„kreuz und quer“ am 2. Oktober: „Ihr Kampf – Irene Harand gegen Hitler“ und „Unbeugsam – Drei Christen in Zeiten der Krise“

Ab 22.35 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Sie war eine beeindruckende Frau, die unter ungeheurem persönlichen Einsatz versuchte, Österreich vor Adolf Hitler zu warnen und ihre Mitmenschen gegen die Nazi-Bedrohung zu mobilisieren. Und doch kennen wenige auch nur ihren Namen. Das Leben der Irene Harand, 1900 in Wien geboren, steht im Fokus der Dokumentation „Ihr Kampf – Irene Harand gegen Hitler“, die „kreuz und quer“ am Dienstag, dem 2. Oktober 2018, um 22.35 Uhr in ORF 2 zeigt.

In guten Zeiten mag es leicht erscheinen, seinen Glauben zu leben. In konfliktbeladenen Zeiten hingegen kann es schnell lebensgefährlich werden, für seinen Glauben einzustehen und nach den christlichen Werten zu handeln. „Unbeugsam – Drei Christen in Zeiten der Krise“ porträtiert um 23.30 Uhr drei ganz verschiedene Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen. Was sie miteinander verbindet:
Der Glaube ist für sie nicht bloß eine spirituelle Angelegenheit, sondern eine konkrete Handlungsanleitung fürs Leben. Für ihre aus der christlichen Überzeugung resultierende Haltung ernten sie jedoch bei Weitem nicht nur Zuspruch.

„Ihr Kampf – Irene Harand gegen Hitler“ – Ein Film von Andreas Gruber

Irene Harand wird am 7. September 1900 in Wien geboren und wächst wohlbehütet in gutbürgerlichen Verhältnissen auf. In den Zwischenkriegsjahren hat sich die junge Frau zu einer eleganten Erscheinung im Wiener Bürgertum entwickelt. Dabei steckt sie voller Widersprüche: Sie ist konservativ katholisch, zugleich überzeugte Kosmopolitin und Frauenrechtlerin mit einem erstaunlichen internationalen Netzwerk. Vor allem aber ist sie eine Antiideologin und politische Kämpfernatur besonderer Güte, wie ihr Lebensweg zeigen wird. Das Jahr 1926 wird zum Wendepunkt: Die Begegnung mit dem jüdischen Rechtsanwalt Moriz Zalman prägt Irene Harand und ihr politisches Engagement auf entscheidende Weise. Sie beginnt, sich gegen den erstarkenden Antisemitismus zu engagieren. Ihre Kampfansage aber gilt schließlich Adolf Hitler ganz persönlich. Ihr großes Ziel:
die Welt vor Hitler warnen, zumindest aber Österreich retten.

Der einstündige Film über Irene Harand und ihren politischen Kampf lässt unter anderem Historiker zu Wort kommen, die ihr Leben und Wirken beleuchten. Um der 1975 in New York verstorbenen Protagonistin eine Stimme zu geben, bedient sich die Dokumentation eines besonderen Kunstgriffs: In einem fiktional inszenierten Fernsehinterview („New York 1962“) erzählt Irene Harand – eindringlich verkörpert von Julia Stemberger – mit authentischen Zitaten nicht nur von ihrem Kampf und den dramatischen Ereignissen in ihrem Leben. Sie gewährt durch diese besondere Art des Erzählens auch Einblicke in ihre Gefühlswelt und ihre Motive.

„Niemand musste ein Prophet sein um zu sehen, was da auf uns hereinbrach. Ich war im Gegenteil schockiert, wie offensichtlich alles war und wie wenige darauf reagiert haben“, sagt Irene Harand (Julia Stemberger) in der Dokumentation. Hitler habe ja alles angekündigt in seinem Buch „Mein Kampf“. Irene Harand verfasst tatsächlich eine eigene Streitschrift als „Antwort an Hitler“, in der sie dessen politische Ideen präzise analysiert und vor dem Wahnsinn des Nationalsozialismus warnt. All das aus der Überzeugung heraus, dass der Wahnsinn verhindert werden kann: „Die Frage muss doch sein:
Wäre es möglich gewesen, Hitler und alles, was er über die Welt brachte, zu verhindern? (...) Ich bin der festen Überzeugung, es wäre möglich gewesen“, sagt sie rückblickend.

Sämtliche in dem fiktionalen Interview verwendeten Texte basieren auf Zitaten von Irene Harand. Auf diese Weise gelingt das eindringliche Porträt einer beeindruckenden Frau, die es wagt, sich mit Streitschriften, einer eigenen Tageszeitung und einer politischen Bewegung ganz offen gegen Adolf Hitler und die Nazis zu stellen. Am Ende bleibt ihr nur die Flucht, die ihr mit unglaublichem Glück gelingt. Nach Österreich kehrt sie spät und nur als Besucherin zurück.

„Unbeugsam – Drei Christen in Zeiten der Krise“ – Ein Film von Peter Kullmann und Magdalena Maier

Die amerikanische katholische Ordensschwester und Friedensaktivistin Megan Rice ist 87 Jahre alt. Im Juli 2012 bescherte ihr eine Protestaktion weltweite Aufmerksamkeit – aber auch eine mehr als zweijährige Gefängnisstrafe. Gemeinsam mit zwei Mitstreitern war sie in die nationale Atomwaffenanlage Y12 in Oak Ridge, Tennessee, eingebrochen, um gegen das ihrer Meinung nach menschenverachtende atomare Wettrüsten zu protestieren. Ausgestattet mit Spraydosen, mehreren Flaschen voller Blut, Transparenten mit ihren Botschaften und frisch gebackenem Brot als Zeichen ihrer friedvollen Absichten landeten sie einen Medien-Coup und bescherten den Behörden einen Sicherheits-GAU. „Dass es so einfach war, den Zaun zu überwinden, war einzig und allein eine göttliche Fügung. Es war also nicht wirklich unsere eigene Leistung. Und dass wir bei der Aktion nicht ums Leben gekommen sind, verdanken wir auch dem Herrn“, so Megan Rice. Sie ist eine Frau der Taten. Für ihre Überzeugung „für das Leben“, wie sie es nennt, nimmt sie viel in Kauf. Das belegt ihr stattliches Vorstrafenregister. Wie oft sie schon im Gefängnis saß, weiß sie mittlerweile gar nicht mehr. Und wer Megan Rice’ Lebensweg – von der Krankenschwester in Afrika bis zur Friedensaktivistin der größten Atommacht der Erde – genauer betrachtet, ahnt schnell: Ihre Mission ist radikal, für sie ist der Glaube eine Verpflichtung vor Gott und für die Menschen.

Dóra Kanizsai-Nagy erntet längst nicht so viel Zuspruch von der Bevölkerung. Sie arbeitet als Flüchtlingshelferin in Budapest in einem politischen Klima, in dem Flüchtlinge oftmals zu Eindringlingen und Verbrechern abgestempelt, die Aktivisten der Hilfsorganisationen als deren Kollaborateure denunziert werden. Unter den Gegnern der EU-Flüchtlingspolitik nimmt die ungarische Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán wohl so etwas wie die Führungsposition ein. Dabei werden die zunehmenden Vorbehalte der Bevölkerung gegenüber Flüchtlingen und Migranten nicht nur von der radikalen Rhetorik einiger Politiker geschürt. Auch für Pál Huszár, den Generalkurator der evangelisch-reformierten Kirche in Ungarn, sind die meisten Flüchtlinge „Eindringlinge“. „Diese Menschen benehmen sich nicht wie echte Hilfesuchende. Richtige Asylbewerber laufen einem nicht die Türe ein. Und deshalb kann man von unserer Kirche keine Solidarität erwarten.“ Dass Dóra Kanizsai-Nagy selbst in der eigenen Kirche für ihr Engagement angefeindet wird, macht ihr schwer zu schaffen. „Auf einem Kirchentreffen habe ich über unsere Arbeit in der Flüchtlingshilfe gesprochen, als ich hörte, dass man uns ‚Staatsverräter‘ nennt. Es kam mir scheinheilig vor, dann am Ende der Veranstaltung gemeinsam das Vaterunser zu beten.“

Unter ständiger akuter Bedrohung des eigenen Lebens lebt der Nigerianer George Chima, Arzt und bekennender Christ, seinen Glauben. Die Besonderheit seiner Heimat liegt in dem seltenen Umstand, dass rund die Hälfte der Einwohner des westafrikanischen Landes Christen, die andere Hälfte Muslime sind. George Chimas Heimatstadt Jos im Bundesstaat Plateau liegt sozusagen auf der tektonischen Grenze zwischen den muslimischen Landesteilen im Norden und den christlichen im Süden. Erdbebengleich kommt es seit 2001 in der Stadt immer wieder zu gewalttätigen Konflikten zwischen den Religionsgemeinschaften, insbesondere ausgelöst durch Anschläge der islamistischen Terrorsekte Boko Haram. Eine unsichtbare Grenze durchschneidet heute die Stadt, und wer wo leben darf, entscheidet einzig dessen Religion. Anders als die meisten, die aus ihren angestammten gemischt-konfessionellen Vierteln weggezogen sind, will George Chima die Trennung in „Christen hier, Muslime dort“ nicht einfach hinnehmen: „Wie sollen wir uns als geeintes Volk Nigerias bezeichnen, wenn wir nicht einmal Tür an Tür miteinander leben und beten können?“ George Chimas Kirchengemeinde ist eine der wenigen in dem muslimischen Viertel rund um die Hauptmoschee der Stadt und wurde so zu einem leichten Ziel brutaler Anschläge. Während aber radikale Islamisten die Kirche im Schatten der Minarette niederbrannten, waren es friedliebende Muslime, die die christlichen Gemeindemitglieder warnten und ihnen rechtzeitig zur Flucht verhalfen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt waren die Anfeindungen so stark, die Angst unter den Kirchenmitgliedern so groß, dass die Gemeinde das Viertel verließ. Doch für immer wegzubleiben war für George Chima niemals eine Option. Seine Kirchengemeinde kehrte zurück und bemüht sich um eine gute Nachbarschaft mit den Muslimen. „Liebe Deinen Nächsten“ ist für George Chima die Quintessenz seines Glaubens, die er um jeden Preis leben will, auch wenn – nach allem was geschehen ist – zuweilen quälende Zweifel an seiner Seele nagen. „Natürlich bin ich vorsichtig im Umgang mit Muslimen, denn man weiß nie, was im Kopf eines anderen Menschen vorgeht. Von meinen muslimischen Nachbarn weiß ich aber auch, dass der Koran das Töten verbietet. Echte Muslime sind keine Killer. Und ich vertraue Gott, dass er mich erkennen lässt, wer die Wahrheit spricht.“

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