"E-Commerce ist auf der Straße angekommen"

Neue Studie gibt erstmalig Einblicke in die strukturellen Auswirkungen des E-Commerce auf den stationären Handel. Mode verliert an Bedeutung. Gastronomie boomt.

Wien (OTS) - Der digitale Wandel hat Online-Händler wie Amazon oder Alibaba unter die erfolgreichsten Unternehmen der Welt katapultiert. In Österreich dominiert jedoch (noch) der stationäre Handel. Eine brandneue Studie von Standort + Markt liefert nun erstmals detaillierte Einblicke in die strukturellen Auswirkungen des E-Commerce auf den stationären Handel. Dafür wurden die Geschäftsflächen in den 15 bedeutendsten österreichischen Städten unter die Lupe genommen. Der Blick in die Bundesländer umfasst die 9 Landeshauptstädte und 6 weitere einwohnerstarke Städte.

Shopflächen legten erneut zu, Dynamik verlangsamt sich

Im Sample der 15 bedeutendsten österreichischen Städte, darunter die 9 Landeshauptstädte und 6 weitere einwohnerstarke Städte , konnten die Shopflächen in den Innenstädten wie auch am Stadtrand in den letzten 4 Jahren erneut zulegen.

"Der Hochkonjunktur sei Dank. Das Shopflächen-Wachstum reduziert sich zwar von Jahr zu Jahr und lag zuletzt nur mehr bei 1,0 %, aber immerhin: es liegt nach wie vor ein Shopflächen-Wachstum vor", sagt Hannes Lindner, Geschäftsführer von Standort + Markt. Ein Zeichen dafür, dass E-Commerce dem stationären Handel in Österreich doch nicht so stark zusetzt, die stationäre Fläche damit nach wie vor auf eine rege Nachfrage stößt?

Leider nein. Die Wahrheit offenbart sich erst, wenn man die Veränderung der Branchen­struktur, hier insbesondere in den Cities des 15-Städte-Samples, im Detail analysiert: Ein wesentlicher Besuchsgrund, nämlich die Mode in den Innenstädten, verliert laufend an Bedeutung. "Wie hoch das Umsatzminus im Zuge des Feldzuges von E-Commerce nun tatsächlich ist, wird in der Branche nicht kommuniziert. Was aber sehr wohl zu Tage tritt, ist, dass der Modehandel ganz offenkundig die stationäre Fläche neu bewertet und sich sukzessive von dieser trennt", ist Lindner überzeugt.

Lag der Flächenanteil der 15 wichtigsten Innenstadtbereiche Österreichs 2013 noch bei 35,5%, ist er zwischenzeitlich auf 33,2% gesunken. Die einstige Bastion der österreichischen Cities, der Modehandel, wird durch E-Commerce scheibchenweise demontiert, was nun erstmals in Form einer umfassenden, langjährigen Flächen-Studie von Standort + Markt nachgewiesen wird. Dies hat massive Auswirkungen auf den generellen Flächennutzungsmix der österreichischen Cities.

"Mode zählt mit einem E-Commerce-Anteil von knapp 20 % zu den drei wichtigsten Ausgabengruppen im Online-Shopping und verzeichnet dort nach wie vor Wachstumsraten von knapp 10%. Natürlich spüren wir das auch auf der Fläche", bestätigt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes. Neben Bekleidung zählen insb. Bücher und Elektrogeräte zu den größten Segmenten im Distanzhandel.

E-Commerce bewirkt Veränderung des Flächennutzungs-Mix

Die Verschiebung von Handelsumsätzen ins Web wird zumindest mittelfristig weiter zunehmen. "E-Commerce ist die treibende Kraft hinter dem aktuellen Umsatzwachstum im Handel. Online wächst zurzeit 10-mal schneller als der stationäre Handel. Eine Stagnation ist nicht absehbar, im Gegenteil: Künftig wird zumindest im non-food-Handel jeder dritte Euro Online erwirtschaftet werden", so Will. Aktuell liegt der Online-Anteil an den gesamten einzelhandelsrelevanten Ausgaben bei rund 8 bis 10 Prozent, wobei Online-Shopping eine Altersfrage ist. Je jünger die KonsumentInnen, desto häufiger shoppen sie im Netz – und zwar bevorzugt am Smartphone.

Welche Nutzungen haben sich - anstelle der Mode - im Zuge des E-Commerce-Wachstums nun stärker im Flächengerüst der Cities verankert? Zum einen sind es freizeitorientierte Dienstleistungsbetriebe wie Fitnesscenter und Spielcasinos, deren Flächenanteil (2,5%) in den Cities trotz beträchtlicher Steigerungen in den vergangenen 4 Jahren (+25%) aber nach wie vor eher gering ist.

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