Wie Künstler mit Krieg umgehen: Bewegende „dokFilm“-Premiere „Terror in Kabul – Eine Theatergruppe im Widerstand“

Am 30. September um 23.05 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Eine kritische Theaterinszenierung über Selbstmordanschläge, die selbst zum Ziel eines Selbstmordattentats wird: Das ist der Ausgangspunkt des bewegenden Dokumentarfilms „Terror in Kabul – Eine Theatergruppe im Widerstand“, der am Sonntag, dem 30. September 2018, im Rahmen des „dokFilm“ um 23.05 Uhr in ORF 2 auf dem Programm steht. Die Filmemacher Niklas Schenck und Ronja von Wurmb-Seibel leben und arbeiten damals in Kabul. Sie sind zur Premiere eingeladen, befinden sich am selben Tag aber schon auf der Heimreise nach Europa. Als sie von dem Anschlag erfahren, kehren sie zurück und drehen mit den Überlebenden der Theatergruppe ihren Film – ein Zeitdokument, das die Brutalität des Alltags in Kabul aufzeigt, nicht beschönigend, nicht dramatisierend, sondern authentisch und berührend. Ein Film, der zeigt, wie Künstler/innen mit dem Krieg umgehen.

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11. Dezember 2014: Im französischen Kulturzentrum in Kabul wird gerade „Heartbeats – die Stille nach der Explosion" aufgeführt, ein kritisches Stück über Selbstmordanschläge in Afghanistan, das den Terror im eigenen Land anprangert. Im Publikum: Afghanische Studierende und Kunstschaffende, sowie Botschaftsangehörige und Entwicklungshelfer aus dem Westen. Mitten in der Premiere gibt es eine Explosion. Ein paar Zuschauer klatschen und staunen über die realistische Inszenierung. Dann bricht Panik aus – die Explosion war echt, ein 17-jähriger Selbstmordattentäter hat sich in die Luft gesprengt. Dieser sowie ein deutscher Entwicklungshelfer und ein lokaler Kameramann sterben, 40 Menschen werden verletzt. Die Filmkamera läuft jedoch weiter.

Die Schauspieler und Musiker der Theatergruppe Azdar sind wie gelähmt. Sie zweifeln an der Sinnhaftigkeit ihres Berufs, haben Angst, wollen aufhören. Bis eines Tages eine junge Frau auf offener Straße von einer fundamentalistischen Menschenmeute gelyncht wird. Die schiere Grausamkeit dieser Tat reißt die Künstler aus ihrer Ohnmacht. Der Mord wird Thema ihres neuen Stücks, das sie am Originalschauplatz spielen, auf offener Straße, schutzlos und vor allen Leuten – genauso, wie die Frau gestorben ist. Denn nun ist die Theatertruppe überzeugt: „Wenn wir aufhören, gewinnen die anderen“.

Bilder sind in der Dokumentation des Filmemachers Niklas Schenck und der Journalistin Ronja von Wurmb-Seibel sparsam eingesetzt, überlegt ausgesucht, unblutig, uninszeniert – und gerade deswegen umso wirksamer. Im Mittelpunkt stehen die Künstler und Besucher des Theaterstücks. Ihnen gehört die Zeit, zu erzählen. Aus 70 Stunden Interviewmaterial wird eine packende, hautnahe Chronologie der Ereignisse und ein Psychogramm der Protagonisten, die nach und nach ihr Trauma überwinden. Beides lässt den Bürgerkrieg im Land plastischer und das Schicksal der dort lebenden Menschen unmittelbarer erscheinen, als dies durch die meisten Medienberichte oder politischen Analysen je möglich wäre.

Ein Dokumentarfilm, der zeigt, wie Kulturschaffende mitten im Chaos von Kabul mutig und zäh um Frieden und Freiheit kämpfen – nicht mit Waffen, sondern allein mit ihrer Kunst.

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