12. Europäische Bio-Konferenz: Mehr Fairness und nachhaltigere Europäische Agrarpolitik gefordert

Unfaire Praktiken in der Wertschöpfungskette zulasten der Bauern beenden; Mehr Mittel für freiwillige Maßnahmen der Landwirtschaft für Umwelt, Klima und Tierwohl

Wien (OTS) - Fairness in der Wertschöpfungskette sowie die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik für die Zeit nach 2020 standen gestern, Dienstag, im Zentrum zweier Podiumsdiskussionen im Rahmen der zwölften Europäischen Bio-Konferenz im Billrothhaus in Wien. Über 200 Gäste aus ganz Europa waren der Einladung der Bio-Dachorganisation IFOAM EU und des Bio-Verbandes BIO AUSTRIA gefolgt und erlebten abwechslungsreiche, spannende und hochkarätig besetzte Gesprächsrunden zu Schlüssel-Themen der gegenwärtigen Agrarpolitik.

Im Eröffnungs-Panel zum Thema "'Fair Play und Fair Pay' für ein nachhaltigeres Land- und Lebensmittelsystem in Europa“ diskutierten Oliver Sitar (Generaldirektion Landwirtschaft, Europäische Kommission), Fabio Brescacin (CEO Natura Si), Sophie Tack (Vorstandsmitglied Fair Trade Advocacy Office), Tomas Ignac Fenix (CEJA) sowie Gertraud Grabmann (BIO AUSTRIA-Obfrau).

Alle unfairen Handelspraktiken verbieten

Grabmann betonte, dass der Vorschlag der EU-Kommission zum Verbot unlauterer Handelspraktiken begrüßenswert sei, allerdings in einigen Bereichen noch Verbesserungsbedarf bestehe, um die strukturell bedingt schwache Position der Bäuerinnen und Bauern zu stärken. So sollten etwa unfaire Praktiken für alle Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe, verboten werden. "Nicht nur einige wenige unfaire Handelspraktiken sollten verboten werden, wie dies derzeit vorgesehen ist, sondern generell alle unfaire Praktiken. Es braucht daher weitere Inititiativen und wir erwarten uns, dass die EU-Kommission noch im Laufe des heurigen Jahres eine weitere Gesetzesvorlage zur Transparenz in der Wertschöpfungskette vorlegt", so Grabmann.

Transformation zu nachhaltiger Landwirtschaft durch freiwillige Maßnahmen

Im zweiten Panel diskutierten Tassos Haniotis (Europäische Kommission), Josef Plank (Generalsekretär im Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus), Jan Plagge (Präsident IFOAM EU), Peka Pesonen (Generalsekretär Copa Cogeca) sowie Herbert Dorfmann (Mitglied des Europäischen Parlaments) über die Ausgestaltung der neuen GAP.

Jan Plagge, IFOAM-EU-Präsident, hob die Bedeutung der Bereitstellung öffentlicher Gelder für von den Bäuerinnen und Bauern erzeugte öffentliche Güter hervor. "Die Mitgliedstaaten werden keine den nationalen Realitäten angepassten Ergebnisse liefern, wenn die neue GAP den Übergang zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft nicht eindeutig durch Zweckwidmung der Mittel für freiwillige Maßnahmen der Landwirtinnen und Landwirte wie etwa ‚Eco-Schemes’ und Agrarumweltmaßnahmen absichert", so Plagge.

Multifunktionale, bäuerliche Landwirtschaft in Europa sichern

Dorfmann hob in seinem Statement hervor, dass die GAP nach 2020 die Entwicklung des ländlichen Raums sowie Nachhaltigkeit fördern müsse und nannte diesbezüglich die Unterstützung von Familienbetrieben und der Biologischen Landwirtschaft als wesentliche Maßnahmen. "Unterstützt die GAP derzeit wirklich die bäuerlichen Familienbetriebe in Europa?", fragte Dorfmann und führte aus, dass diese Frage mit Nein beantwortet werden müsse, wenn man sich die erste Säule der GAP ansehe.

Gertraud Grabmann bekräftige abschließend die Forderung, dass mindestens die Hälfte der gesamten GAP-Mittel zweckgebunden werden müssen, um konkrete Leistungen der Bäuerinnen und Bauern für die Gesellschaft – etwa Klima- und Biodiversitätsschutz oder den Erhalt sauberen Wassers - zu honorieren. „Nur eine derartige klare Priorisierung der Mittel kann die multifunktionale bäuerliche Landwirtschaft in Europa absichern und so den großflächigen Wandel hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft bewirken."

Der 12. EOC wird heute, Mittwoch, mit Plenardiskussionen und Workshops zu den Themen EU-Bioverordnung, GAP fortgesetzt.

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