BI Althangrund ad Althan Quartier: 2/3 der Architekten im Fachbeirat nun durch Aufträge befangen

Zwei der drei ArchitektInnen des Fachbeirats sind nach Abschluss des Wettbewerbs nun Auftragnehmer des Projektauslobers 6B47.

Die mehrfache Befangenheit macht eine breite Beurteilung des Großprojekts "Althan Quartier" unmöglich. Gerade die optische Barrierewirkung durch das überdimensionierte Terrassen-Hochhaus muss von einem voll handlungsfähigen Fachbeirat begutachtet werden.
Christoph Weißenbäck, BI Althangrund

Wien (OTS) - Die Kritik beim innerstädtischen Stadtentwicklungsgebiet Althangrund reißt nicht ab. Nach der Aufregung über mögliche 126 Meter-Türme und dem heftig kritisierten Architekturwettbewerb zeigt die Bürgerinitiative nun Verbindungen zwischen Akteuren beim Planungsgebiet „Althan Quartier“ und Mitgliedern des Fachbeirats für Stadtplanung und Stadtgestaltung auf.

Althan Quartier: Profunde fachliche Beurteilung nun fraglich

Der Fachbeirat, der geplante Projekte zu beurteilen hat, wurde am 11.10.2017 nach Auslaufen der üblichen 3-jährigen Bestellungsdauer der Mitglieder neu zusammengesetzt. Als Vorsitzende wurde die Architektin DI Delugan-Meissl ernannt. Nur 5 Wochen später erfolgte die Veröffentlichung der Unterlagen für den Architekturwettbewerb, lt. denen Delugan Meissl Associated Architects mit dem refurbishment eines Gebäudeteils beauftragt wurde. DI Delugan-Meissl wurde zudem Jury-Mitglied beim umstrittenen Architekturwettbewerb.

Unter den teilnehmenden Büros befanden sich auch jene der beiden anderen Architekten des Fachbeirats: AProf. MMag. Arch. Traupmann (Pichler und Traupmann Architekten: 2 Türme mit 124 und 82 Metern) und Univ.-Prof.Arch. DI Bettina Götz, deren Büro ARTEC Architekten Bettina Götz+Richard Manahl den Wettbewerb mit dem vor kurzem präsentierten 55 Meter hohen Terrassen-Hochhaus gewonnen hat.

Damit müssten zwei der drei ArchitektInnen im Fachbeirat Ihre Arbeit selbst beurteilen - üblicherweise erklärt man sich hier für befangen.

Die mehrfache Befangenheit macht eine breite Beurteilung des Großprojekts "Althan Quartier" unmöglich. Gerade die optische Barrierewirkung durch das überdimensionierte Terrassen-Hochhaus muss von einem voll handlungsfähigen Fachbeirat begutachtet werden.

Der Wiener Fachbeirat für Stadtplanung und Stadtgestaltung

Der Fachbeirat ist ein 12-köpfiges Gremium zur Qualitätssicherung der Wiener Stadtplanung. Er setzt sich aus drei ArchitektInnen sowie aus ExpertInnen aus verschiedenen Disziplinen zusammen. Der Fachbeirat soll als unabhängiges Gremium Festsetzung und Abänderung von Flächenwidmungs- und Bebauungsplänen sowie Bauvorhaben, die markante Auswirkungen auf das Stadtbild haben, begutachten.

Der Fachbeirat steht aufgrund mangelnder Transparenz (Sitzungen und Protokolle sind nicht öffentlich) und Befangenheiten (selbst Teilnehmer, Naheverhältnisse, keine Ersatzmitglieder) unter massiver Kritik. Mehrfache Anläufe der Wiener Opposition in Richtung Verbesserung der Transparenz und Unabhängigkeit z.B. nach dem Salzburger Modell wurden von der Stadtregierung abgeschmettert.

Die Architektenkammer schlägt etwa vor, Beiräte von Außen zu bestellen und um "Interessenkonflikte im Vorfeld auszuschließen, sie darauf zu verpflichten, sich der Planung für die Dauer ihrer Berufung zu enthalten."

Sogar DI Bettina Götz, Mitglied des Fachbeirats und Gewinnerin des Wettbewerbs spricht von Interessenskonflikten und meinte in einem Interview im Mai 2018: „Fachbeiräte in anderen Städten werden mit Leuten von außerhalb besetzt…die in der Periode, in der sie dort sind, in der Stadt auch nicht bauen dürfen…“.

Forderungen der Bürgerinitiative Althangrund

Die Bürgerinitiative sieht die Problematik nicht bei diesen international anerkannten Architekturbüros bzw. den Fachbeiratsmitgliedern selbst, sondern im Wiener System des Fachbeirates, in dem Interessenskonflikte vorprogrammiert sind.

Die Bürgerinitiative fordert daher von der Stadtregierung den Projektvorschlag durch drei unabhängige ArchitektInnen begutachten zu lassen (wie laut Bauordnung vorgesehen). Nur so kann das Bauvorhaben glaubwürdig bewertet und das öffentliche Vertrauen in den Fachbeirat als Instrument der Qualitätssicherung wiedergewonnen werden.

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