Lohnquote sinkt, Produktivität steigt – Arbeiterkammer fordert: „Leistungen der Beschäftigten endlich angemessen honorieren!“

Linz (OTS) - Von 2016 auf 2017 ist die Lohnquote um einen Prozentpunkt gesunken, obwohl die Produktivität der österreichischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kontinuierlich steigt. Auch bei der Länge der wöchentlichen Arbeitszeit sind die Beschäftigten Spitzenreiter: Österreichs Vollzeit-Beschäftigte arbeiten am drittlängsten in der EU. Und: Die Wirtschaft entwickelt sich gut. „Jetzt ist es an der Zeit, die Leistungen der Beschäftigten angemessen zu honorieren“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer mit Blick auf die bevorstehenden Kollektivvertragsverhandlungen. Kräftige Reallohn- und Gehaltserhöhungen seien unter diesen Umständen ein Muss.

 Die Lohnquote ist der Anteil der Arbeitnehmerentgelte (Bruttolohn- und Gehaltssumme plus Arbeitgeber-Sozialversicherungsabgaben) am Nettoinlandsprodukt. Ihre Entwicklung wird von vielen Faktoren bestimmt, einer der wichtigsten davon ist das Entlohnungsverhalten der Unternehmen. Fakt ist: Ein Prozentpunkt weniger Lohnquote für die 3,7 Millionen Arbeitnehmer/-innen entspricht rund drei Milliarden Euro. Nur zum Vergleich: Die verschwindend kleine Gruppe der Aktionäre/-innen von an der Wiener Börse notierten Unternehmen ließ sich im Jahr 2018 rund 2,8 Milliarden Euro als Gewinnausschüttung auszahlen. Negative Auswirkungen auf die Lohnquote hat auch die zunehmende „Atypisierung“ der Arbeit: Teilzeit und Leiharbeit etwa werden häufiger, während Vollzeitjobs kaum mehr werden.

 Real, also preisbereinigt, und netto ist das Median-Gehalt bzw. der Median-Lohn 2016 in Österreich um nicht einmal ein Prozent höher als zehn Jahre zuvor (Median = die Hälfte verdient mehr, die Hälfte weniger). Das am schlechtesten verdienende Einkommensviertel hatte 2016 real und netto um fast sieben Prozent weniger Jahreseinkommen als die Vergleichsgruppe 2006!

 Erst die von Arbeiterkammer und Gewerkschaften durchgesetzte und mit Jahresbeginn 2016 in Kraft getretene Lohnsteuerreform brachte erstmals seit langem wieder einen spürbaren Kaufkrafteffekt. In diesem Jahr stieg der Median-Lohn brutto um 1,4 Prozent, aber netto um fünf Prozent.

 Vorstandsvorsitzende von österreichischen Börseunternehmen bekommen im Durchschnitt 1,84 Millionen Euro im Jahr. Das sind mehr als 130.000 Euro im Monat (14mal) und damit 77mal so viel wie ein Arbeitnehmer bekommt, der zum geforderten Mindestlohn von 1700 Euro beschäftigt ist. Einkommen in Millionenhöhe sind für Arbeiter/-innen und Angestellte unerreichbar. Das mittlere Brutto-Einkommen in Oberösterreich betrug 2274 Euro im Jahr 2017, das ist um 2,2 Prozent höher als im Vorjahr. Am meisten verdienen die in Steyr-Stadt arbeitenden männlichen Angestellten mit rund 4130 Euro, am wenigsten Arbeiterinnen in Rohrbach mit 1130 Euro.

 Die Produktivität der österreichischen Werktätigen wuchs im letzten Jahrzehnt doppelt so schnell wie die Lohnkosten. Zudem arbeiten Österreichs Vollzeitbeschäftigte mit 41,3 Stunden pro Woche am drittlängsten in der EU. Fast ein Fünftel der geleisteten Über- und Mehrstunden wurde 2017 nicht abgegolten – weder in Geld noch in Zeit. Alleine in Oberösterreich verloren die Beschäftigten dadurch geschätzt rund 150 Millionen Euro. Doch es kommt noch schlimmer: Durch die mit 1. September in Kraft getretene Ausweitung der Höchstarbeitszeit auf zwölf Stunden pro Tag bzw. 60 Stunden pro Woche könnte Österreichs Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Verbindung mit langen Durchrechnungszeiträumen der Entfall von Zuschlägen in Höhe von rund zwei Milliarden Euro drohen.

 „Es gibt also viele gute Gründe für kräftige Lohn- und Gehaltserhöhungen“, fasst AK-Präsident Dr. Kalliauer zusammen. Ebenso wichtig sei auch eine faire Verteilung der Arbeitszeit: „Wir sollten uns eher in Richtung einer effektiven 35-Stunden-Woche bewegen“, sagt Kalliauer. Weitere AK-Forderungen sind eine Abgabe für Unternehmen in Höhe von einem Euro für jede Überstunde oder Mehrarbeitsstunde sowie ein 100-prozentiger Strafzuschlag für jede nicht bezahlte Über- und Mehrstunde. Die sechste Urlaubswoche für alle nach 25 Berufsjahren steht auf der Forderungsliste ebenfalls weit oben.

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