Lebenshilfe fordert Verbesserung der Gesundheitskompetenz und -förderung von Menschen mit intellektuellen Behinderungen

Lebenshilfe-Fachtagung diskutierte barrierefreie Zugänge zum Gesundheitssystem mit ExpertInnen und Menschen mit intellektuellen Behinderungen

Insbesondere auch Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf und herausfordernden Verhaltensweisen brauchen gute medizinische Versorgung. Daher braucht es rasche und nachhaltige Schritte zur Sensibilisierung und Verbesserung in der Gesundheitsversorgung und -förderung von Menschen mit intellektuellen Behinderungen
Germain Weber
Das Gesundheitswesen muss kompetent, das heißt befähigt und in der Lage sein, die gesundheitliche Versorgung entsprechend dem Bedarf der Menschen mit intellektuellen Behinderungen für diese im gleichen Umfang zu übernehmen wie für Menschen ohne Behinderungen.
Matthias Schmidt-Ohlemann
Gesundheitskompetenz umfasst das Wissen, die Motivation und die Fähigkeiten von Menschen, gesundheitsrelevante Informationen (…) zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um im Alltag (…) Entscheidungen treffen zu können, die ihre Lebensqualität während des gesamten Lebenslaufs erhalten oder verbessern.
Jürgen Pelikan
Weichen wurden richtig gestellt, offen ist jedoch noch die systematische und nachhaltige Umsetzung der Maßnahmen. Für diese Umsetzung ist Mitwirkung der Beteiligten und Betroffenen unerlässlich.
Jürgen Pelikan
Es braucht einen erstmaligen Bericht zur Gesundheitslage von Menschen mit intellektuellen Behinderungen in Österreich, damit Menschen mit intellektuellen Behinderungen auch explizit bei der Umsetzung und Weiterentwicklung der Gesundheitsziele und in den Strukturen des österreichischen Gesundheitssystems berücksichtigt werden. So kann Barrierefreiheit auf allen Ebenen im Gesundheitssystem ermöglicht und sichergestellt werden. Ein wichtiger Aspekt dabei sind die Entwicklung und Finanzierung von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Gesundheitskompetenz von Menschen mit intellektuellen Behinderungen.
Germain Weber

Wien (OTS) - Alle Österreicherinnen und Österreicher haben das Recht auf einen gemeindenahen und barrierefreien Zugang zum Gesundheitssystem. Laut Lebenshilfe sind Menschen mit intellektuellen Behinderungen eine besonders häufig vernachlässigte Gruppe: Barrierefreiheit in Arztpraxen, Krankenhäusern, bei Informationen und Personal sowie Gesundheitskompetenz für Menschen mit intellektuellen Behinderungen. „Insbesondere auch Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf und herausfordernden Verhaltensweisen brauchen gute medizinische Versorgung. Daher braucht es rasche und nachhaltige Schritte zur Sensibilisierung und Verbesserung in der Gesundheitsversorgung und -förderung von Menschen mit intellektuellen Behinderungen“, fordert Lebenshilfe-Präsident Germain Weber anlässlich der Fachtagung zu „Gesundheitskompetenz ohne Barrieren“ am 12. und 13. September 2018 an der Universität Wien. 

Dies betonte auch der Facharzt und Vorsitzende der deutschen Vereinigung für Rehabilitation Matthias Schmidt-Ohlemann: „Das Gesundheitswesen muss kompetent, das heißt befähigt und in der Lage sein, die gesundheitliche Versorgung entsprechend dem Bedarf der Menschen mit intellektuellen Behinderungen für diese im gleichen Umfang zu übernehmen wie für Menschen ohne Behinderungen.“ Schmidt-Ohlemann stellt kritisch fest, dass im allgemeinen Gesundheitssystem zu viele Barrieren vorhanden sind. Das ist nicht konform mit der UN-Behindertenkonvention. Es ist diskriminierend, wenn das bestehende System Strukturen und spezialisiertes Wissen für diese Gruppe nicht anbietet. Ein rascher Abbau von baulichen und kommunikativen Barrieren ist daher umgehend notwendig.

Für Barrierefreiheit bracht es mehr Gesundheitskompetenz

Gesundheitskompetenz umfasst das Wissen, die Motivation und die Fähigkeiten von Menschen, gesundheitsrelevante Informationen (…) zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um im Alltag (…) Entscheidungen treffen zu können, die ihre Lebensqualität während des gesamten Lebenslaufs erhalten oder verbessern.” Der österreichische Soziologie Jürgen Pelikan folgert aus dieser Definition von Gesundheitskompetenz eine Verbesserung der Gesundheitssituation. Anwendungsorientierte Informationen sollen in Einfacher Sprache gestaltet, Materialien partizipativ entwickelt und die ÄrztInnen-PatientInnen Kommunikation auch im mündlichen Bereich entscheidend verbessert werden. 

Auch Selbstvertreter Andreas Zehetner fordert vehement Informationen und Material in Leichter Sprache. Die Vertreterin der Angehörigen Friederike Pospischil plädiert für eine Gesundheitsassistenz, die Menschen im Gesundheitssystem kommunikativ und informativ begleitet. 

Insgesamt stellt Pelikan fest, dass die umfassende Gesundheitskompetenz der ÖsterreicherInnen im internationalen Vergleich relativ schlecht ist. Von daher ist die Umsetzung der Gesundheitsziele in diesem Bereich von besonderer Relevanz: „Weichen wurden richtig gestellt, offen ist jedoch noch die systematische und nachhaltige Umsetzung der Maßnahmen. Für diese Umsetzung ist Mitwirkung der Beteiligten und Betroffenen unerlässlich.

Ein Memorandum ist in Entstehung

Während der Tagung wurde ein Memorandum als Aufruf für eine bessere Gesundheit für Menschen mit intellektuellen Behinderungen vorbereitet, um die künftige Arbeit bei Verantwortlichen und InteressenvertreterInnen in diesem Bereich voranzutreiben. 

Weber stellt dazu fest: „Es braucht einen erstmaligen Bericht zur Gesundheitslage von Menschen mit intellektuellen Behinderungen in Österreich, damit Menschen mit intellektuellen Behinderungen auch explizit bei der Umsetzung und Weiterentwicklung der Gesundheitsziele und in den Strukturen des österreichischen Gesundheitssystems berücksichtigt werden. So kann Barrierefreiheit auf allen Ebenen im Gesundheitssystem ermöglicht und sichergestellt werden. Ein wichtiger Aspekt dabei sind die Entwicklung und Finanzierung von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Gesundheitskompetenz von Menschen mit intellektuellen Behinderungen.“ 

Sozialversicherungsträger sollen hier eine Gleichstellung bei der Gesundheitsleistungen für Menschen mit intellektuellen Behinderungen sicherstellen und angemessen finanzieren. Auch Sozialhilfeeinrichtungen können dazu beitragen ein spezifisches gesundheitsrelevantes Wissen und Handlungen in der Begleitung von Menschen mit Behinderungen sicherzustellen. 

Vorschläge zur Gesundheitsförderung und -prävention von Menschen mit intellektuellen Behinderungen

In der abschließenden Diskussion betonte Herwig Ostermann, Gesundheit Österreich GmbH, dass es Zeit sei einen Gesundheitsbericht über Gesundheitszustand und -versorgung von Menschen mit intellektuellen Behinderungen zu erstellen. Johannes Gregoritsch vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger empfahl weiters Leuchtturm-Projekte zur Gesundheitsförderung dieser Gruppe. Nicht zuletzt forderte die Präsidentin des Berufsverbandes österreichischer PsychologInnen, Beate Wimmer-Puchinger, verbesserte Angebote für Gesundheitsprävention sowie frühe Beratung von Familien.  

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