Die Bürgerschaft – Scheinparlament im autoritären „Ständestaat“ 1934 bis 1938 im Wiener Rathaus

Wien (OTS) - Am 12. Februar 1934 wurde das Wiener Rathaus besetzt, Bürgermeister Seitz verhaftet und der Gemeinderat und der Landtag aufgelöst. Durch die Verordnungen des von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß neu eingesetzten Bundeskommissärs Dr. Richard Schmitz wurde eine neue Stadtverfassung und die „Wiener Bürgerschaft“ als „Vertretung“ oktroyiert. Die Mitglieder der Wiener Bürgerschaft wurden nicht gewählt, sondern durch den Bürgermeister berufen und konnten durch ihn auch wieder abberufen werden.
Die Bürgerschaft bestand aus 64 Räten. 52 Personen aus folgenden Berufsständen: je zwölf aus Industrie, Gewerbe, Handel und Verkehr, vier aus Landwirtschaft, Geld- und Kreditwesen, Freie Berufe und öffentlichem Dienst. Zwölf Personen stammten aus kulturellen Gemeinschaften (Religionsgemeinschaften, Kunst, Wissenschaft, Schul-, Erziehungs- und Bildungswesen). Die Bürgerschaft trat am 17. Mai 1934 erstmals zusammen. Grundsätzlich wurde in öffentlichen Sitzungen nicht debattiert. Eine Ausnahme stellten lediglich die Budgetverhandlungen dar.
Turbulent waren auch die Veränderungen in der Parteienlandschaft:
Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei wurde 1934, die NSDAP bereits 1933 verboten, die Christlichsoziale Partei löste sich 1934 auf und Dollfuss gründete die Einheitspartei Vaterländische Front. Im März 1938 wurde die Bürgerschaft von den Nationalsozialisten aufgelöst.

Zwt.: Biographien nun online
Das Wiener Stadt- und Landesarchivs hat – nach den nationalsozialistischen Ratsherren – in einem weiteren ambitionierten Projekt die Biographien der Räte – also der Mitglieder der Bürgerschaft 1934 bis 1938 – online gestellt. „Mit den Forschungsergebnissen wollen wir die einzelnen historischen Perioden der Wiener Politik transparenter machen und einen Beitrag zur politischen Bildung leisten“, meint Barbara Steininger, Leiterin der Landtags- und Gemeinderatsdokumentation im Wiener Stadt- und Landesarchiv. „Spannend ist auch, welche politischen und beruflichen Positionen die Räte in der Ersten und Zweiten Republik innehatten. “ Die Biographien der Räte der Stadt Wien sind in POLAR - Wiener Politikerinnen und Politiker Archiv sowie im Wien Geschichte Wiki online abrufbar.
POLAR - Wiener Politikerinnen und Politiker Archiv
Wien Geschichte Wiki

Rückfragen & Kontakt:

Barbara Steininger
Leiterin der Landtags- und Gemeinderatsdokumentation
Wiener Stadt- und Landesarchiv
Tel: +43 1 4000-84851
E-Mail: barbara.steininger@wien.gv.at

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