Innovationsstiftung für Bildung: Digitalisierung bleibt Herausforderung für unser Bildungssystem

OGM-Studie belegt Kompetenzmangel und fehlenden Content als wesentliche Hemmnisse des digitalen Unterrichts

Wien (OTS) - Die Innovationsstiftung für Bildung präsentiert aktuell eine bei OGM in Auftrag gegebene Meinungsumfrage zum Stand der Digitalisierung an Österreichs Schulen (österreichweit Sekundarstufe II, Schüler/innen, Lehrer/innen sowie Eltern). Die Ergebnisse zeigen: Die Digitalisierung ist in der Schule längst angekommen. Nach eigenen Angaben verbringen 76 % der Schüler/innen mehr als drei Stunden am Tag für die Schule vor dem PC, Laptop, Tablet oder Smartphone. Die gute Nachricht: Über zwei Drittel der befragten Schüler/innen (70 %), Lehrer/innen (68 %) und Eltern (75 %) sind mit der technischen Ausstattung der Hardware zufrieden. „Bedauerlicherweise haben wir weder die entsprechend ausgebildeten Lehrer/innen, noch maßgeschneiderten Content, um den Herausforderungen der digitalen Welt zu begegnen – vor allem in Hinblick auf das spätere Berufsleben der Lernenden“, sieht Stiftungsvorstand Stefan Zotti die Situation kritisch. Die Innovationsstiftung für Bildung wird in diesem Schuljahr gemäß ihres Auftrags mit gezielten Förderprogrammen Lernräume schaffen, neue Wege der Content-Entwicklung aufzeigen und so digitale Innovationen in den Bildungsbetrieb bringen. Genau hier hat Österreich auch im internationalen Vergleich erheblichen Aufholbedarf.

Die Umfrage zeichnet insgesamt ein durchwachsenes Bild: Die Zufriedenheit mit den verwendeten Lernprogrammen (64 %) und der Hardware-Ausstattung (70 %) ist hoch, wobei im Alltag hauptsächlich private Laptops (51 %) und Smartphones (79 %) zum Einsatz kommen. 57 % der Befragten arbeiten mit Software, die von der Schule zur Verfügung gestellt wird. Jedoch verwenden 51 % daneben auch kostenlose Programme aus dem Internet, da das Content-Angebot an den Schulen nicht ausreichend ist. Ein offensichtlicher Mangel, den wir beheben müssen. Das wird auch dadurch bestätigt, dass für 53 % aller Schüler/innen Google und andere Suchmaschinen die wichtigsten Anlaufstellen fürs Lernen und ihre Hausübungen sind. Nur 23 %, also weniger als die Hälfte, geben hier Lernplattformen oder elektronische Schulbücher an.
Uneinigkeit herrscht zwischen Lehrer/innen und Schüler/innen hinsichtlich der Verwendung digitaler Lehr- und Lernmedien im Unterricht: Während 87 % der Pädagog/innen angeben, diese im Unterricht einzusetzen, nehmen 50 % der Schülerinnen und Schüler kein diesbezügliches Bemühen wahr.

Lehrende sehen sich schlecht auf Verwendung digitaler Lehrmittel vorbereitet

Für die Pläne nach einem flächendeckenden Unterricht in digitaler Grundbildung ist der Befund zur einschlägigen Ausbildung der Lehrer/innen besonders kritisch: 72 % der befragten Lehrenden geben an, in ihrer Grundausbildung „eher schlecht“ oder „schlecht“ auf die Verwendung von digitalen Lehr- und Lernmedien vorbereitet worden zu sein. „Besonders bedenklich“ nennt Zotti das Ergebnis, dass sogar die Hälfte  der unter-30-Jährigen angibt, in ihrer Ausbildung nicht auf die Herausforderung Digitalisierung vorbereitet worden zu sein. „Dass heute aber gleichzeitig knapp 20 % der Lehrer/innen einen verstärkten digitalen Schwerpunkt in der Ausbildung als nicht nötig erachten, ist bedenklich. Dort liegt eine der zentralen Herausforderungen in der Aus- und Weiterbildung“, konstatiert Wolfgang Bachmayer, Gründer und Geschäftsführer des Instituts OGM.

Gehen die vermittelten Kompetenzen an den Anforderungen der Berufswelt vorbei?

Kritisch sehen die Befragten auch die Relevanz der Lehrinhalte für das Berufsleben. So geben etwa 96 % der Lehrer/innen an, dass Skills des kritischen Medienkonsums wesentlich für das Berufsleben sind, aber nur 53 % meinen, dass das auch im Unterricht vermittelt wird. Für 80 % der Eltern ist dies wichtig, aber nur 20 % finden, dass der kritische Umgang mit Medien in der Schule ausreichend vermittelt wird. Ähnlich stellt sich die Situation beim Gebrauch der gängigen Office-Programme dar: 90 % der Lehrenden sehen die Bedeutung für das Berufsleben, aber nur 61 % geben an, dass das auch Gegenstand des Unterrichts ist.
57 % der befragten Schüler/innen meinen, dass Programmieren und Coding wichtig für das Berufsleben ist, aber nur 27 % sagen, dass sie dieses Wissen aus der Schule mitnehmen. Aus Sicht der Lehrenden ist Programmieren und Coding nur zu 32 % für das Berufsleben wichtig und nur 15 % geben an, dass diese Skills vermittelt werden. „Das zeigt deutlich: Wir brauchen einen fundierten Reality-Check für die einschlägigen Lehrinhalte“, fordert Zotti in diesem Zusammenhang. Er befürchtet, dass der Schulbetrieb auch in Berufsbildenden Schulen am realen Bedarf in der Berufswelt vorbeiarbeitet. So ist überraschend, dass sich 70 % der Lernenden flüssiges Tastaturschreiben wünschen, aber nur 43 % angeben, dass sie diese Fähigkeit vermittelt bekommen.

Neue Initiativen und Formate der Innovationstiftung am Start

Als Reaktion auf die Umfrage kündigt Zotti neue Initiativen der Innovationsstiftung für Bildung an. Vergangene Woche ist die Einreichfrist für ein Förderprogramm zur Entwicklung digitaler Lehr- und Lernmittel zu Ende gegangen, das die Innovationsstiftung mit der OeAD-GmbH gemeinsam umsetzt. Um innovative Bildungsformate sowie neue Lehr- und Lernsettings zu entwickeln, wird mit der FFG in den nächsten Wochen ein BildungsLAB ausgeschrieben, um Schulen den offenen Zugang zu materieller und immaterieller FTI-Infrastruktur zur Verfügung zu stellen.
 „Die Innovationsstiftung war schon vor der Digitalisierungsoffensive aktiv, neue Formate zu entwickeln und Initiativen in diesem Bereichen zu setzen, die sich auch in der aktuellen Umfrage als die neuralgischen Punkte des Bildungssystems erweisen: die Aus- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern und die Entwicklung maßgeschneiderter digitaler Lehrmaterialien“, so Zotti abschließend.

Über die Innovationstiftung für Bildung

Die Innovationsstiftung für Bildung wurde mit 1.1.2017 durch ein Bundesgesetz, das Innovationsstiftungsgesetz, gegründet. Sie hat als Eckpfeiler der Bildungsreform den Auftrag, einen Beitrag zur Anhebung des Bildungsniveaus und der Innovationskompetenz aller Altersgruppen in Österreich durch kompetitive Förderung von innovativen Projekten im Bildungs- und Forschungsbereich (§2 ISG) zu leisten. Die Stiftung hat dabei einen eigenen Ansatz und eine eigene Arbeitsweise, den Innovationsaspekt in den Bildungsbetrieb zu bringen: Sie bindet die Menschen ein, die in der Bildung sind – von der Schülerin, über den Kindergartenpädagogen, den Lehrer, die Universitätsprofessorin bis hin zu Start-ups, Unternehmen und NGOS. Sie vernetzt sie und hört die Bedürfnisse, die aus den unterschiedlichen Communities kommen. Ein Ansatz, der den internationalen Standards in der Bildungsinnovation entspricht. Das Leitthema der Innovationsstiftung für Bildung: „Wir leben das Bottom-up-Prinzip – wir hören unsere Community“.

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Lydia Neofotistos
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Tel: +43 1 53408-120
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