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„kulturMontag“ am 27. August: Neue Dokus in Österreichs Kinos und Michael Köhlmeier zu Gast im Studio

Außerdem: Doku „Das Universum des Hermann Nitsch“ zum 80. Geburtstag

Wien (OTS) - Der „kulturMontag“ mit Clarissa Stadler am 27. August 2018 um 22.30 Uhr in ORF 2 beschäftigt sich mit einem neuen Roman und zwei neuen Dokus in Österreichs Kinos. Michael Köhlmeier präsentiert sein neues Buch „Bruder und Schwester Lenobel“, in dem er die Geschichte einer jüdischen Familie erzählt und gleichzeitig ein Porträt einer ganzen Epoche entwirft – und er ist zu Gast im Studio. Gleich zwei neue österreichische Dokumentationen kommen in die Kinos:
Nikolaus Geyrhalters Film „Die bauliche Maßnahme“ über den Grenzschutz am Brenner und Burgl Czeitschners Doku „Let’s keep it“ über Restitutionen und Nicht-Restitution von „arisierten“ Immobilien liefern eine ernüchternde Bestandsaufnahme. Der „kulturMontag“ hat mit beiden Filmemachern gesprochen. Anschließend an das Magazin steht die neue Dokumentation „Das Universum des Hermann Nitsch“ (23.30 Uhr) zum 80. Geburtstag des Künstlers am 29. August auf dem Programm.

Ein märchenhafter Familienroman – Michael Köhlmeiers neuer Roman „Bruder und Schwester Lenobel“

„Ein bisschen Ende gibt es nicht“ – ob dieser Gedanke den Psychoanalytiker Robert Lenobel dazu gebracht hat, zu verschwinden? Seine Schwester Jetti und seine Ehefrau sind zunächst ratlos. Michael Köhlmeier erzählt die Geschichte einer jüdischen Familie und entwirft nebenbei auch ein Porträt einer ganzen Epoche. In seinem neuen Roman geht es um Lebenskrisen und Identitätssuche, um Religion, den Holocaust, das geistige und emotionale Erbe unserer Vorfahren und nicht zuletzt um die Sehnsucht, sich von alledem zu befreien. „Märchen sind die Primzahlen der Literatur“, so der studierte Germanist, Politologe, Mathematiker und Philosoph und deshalb fließen Mythen und Sagen auch immer wieder in sein Werk mit ein. Auch zu politischen Fragen erhebt Köhlmeier immer wieder seine Stimme und wendet sich dabei wortgewaltig gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Zuletzt sorgte seine Rede zum „Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus“ in der Hofburg für Aufsehen. Der „kulturMontag“ berichtet über das neue Buch und lädt den Autor ins Studio.

„Die bauliche Maßnahme“ – Nikolaus Geyrhalters neuer Dokumentarfilm kommt in Österreichs Kinos

Der Grenzpass am Brenner im Sommer 2016: eine „bauliche Maßnahme“ soll ergriffen werden, beschließt die Politik. Und meint damit die Errichtung eines Grenzzaunes. Ende des Sommers 2018 ist der Zaun ist noch nicht gebaut – auch wenn das Thema Grenzsicherheit immer wieder befeuert wird und, zumindest temporär, wieder Grenzkontrollen zwischen Nord- und Südtirol eingeführt wurden. „Die bauliche Maßnahme“ heißt auch der jüngste Dokumentarfilm von Nikolaus Geyrhalter. Er hat zwei Jahre lang für den vom ORF mitfinanzierten Film recherchiert und mit den dort lebenden Menschen gesprochen. Wie würde sich eine so gravierende Veränderung auf den Ort, auf die Lebensgeschichten der Bewohnerinnen und Bewohner auswirken? Wie verändert der Ruf nach Grenzschutz das Denken der Menschen? Der „kulturMontag“ hat den Regisseur zum Gespräch getroffen.

Eine ernüchternde Bestandsaufnahme – Burgl Czeitschners Doku über Restitutionen und Nicht-Restitution von „arisierten“ Immobilien

„Alle Fakten, die in meinem Film vorkommen, sind wasserdicht belegbar.“ Und es sind schon beeindruckende Fakten und Ziffern, die Burgl Czeitschner in ihrem Dokumentarfilm „Let’s keep it“ nennt: Von 2.315 Anträgen auf Restitution von Gebäuden und Wohnungen, die von Nationalsozialisten „arisiert“ worden waren, wurden nur rund 60 Liegenschaften abgegolten und ganz wenige tatsächlich restituiert. Ein Gesetz, das in aller Eile im Jahr 2001 entworfen wurde, ist nach Meinung von Burgl Czeitschner der Grund dafür. Am 1. September muss die Schiedsinstanz einen Abschlussbericht vorlegen. Die Regisseurin hat sich dreieinhalb Jahre durch Aktenberge gewühlt, Nachfahren und Zeitzeugen ausfindig gemacht und stellt aus der Fülle des Materials einige Beispiele vor. So bewohnten beispielsweise die Bundespräsidenten Renner und Körner eine „arisierte“ Villa, der Dirigent Karl Böhm das Herrenhaus des vertriebenen Bauindustriellen Paul Regenstreif. Auch vor der eigenen Familie macht Czeitschner nicht halt, war doch ihr Großvater als Bürgermeister in Kärnten an sogenannten Arisierungsverfahren beteiligt. Eine sehr persönliche Bestandsaufnahme, die auch kritische Stimmen auf den Plan ruft. Im „kulturMontag“ nehmen die Regisseurin und der Vertreter der Schiedsinstanz Stellung.

Dokumentation: „Das Universum des Hermann Nitsch“ (23.30 Uhr)

Die Dokumentation zum 80. Geburtstag von Hermann Nitsch (29. August) wird dem Gesamtkunstwerk des Künstlers gerecht und macht den Menschen Hermann Nitsch erlebbar. Die Fallhöhe zwischen dem einfachen, bodenständigen Alltagsleben im Weinviertel und den orgiastischen Aktionen mit internationaler Ausstrahlung ist groß, jedoch: Beides ist im Universum Nitsch nicht voneinander zu trennen. Außerdem zeigt der Film die Bedeutung Nitschs für die zeitgenössische Kunst in Österreich und Europa sowie deren Weiterentwicklung auf. Der Künstler selbst erklärt dabei seine Welt, seine Kunst, seine Ideen, seine Motivationen und Wünsche. Anhand des reichhaltigen Archivmaterials ordnet der Film die verschiedenen Schaffensphasen, aber auch Schaffensbereiche ein. Interviews mit Wegbegleitern komplettieren das Bild, das den politisch, gesellschaftlich und künstlerisch äußerst interessanten Bogen von den 1960ern bis heute spannt. Regie führte Maria Seifert.

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