Zum 50. Jahrestag des „Prager Frühlings“: Neue „Menschen & Mächte“-Doku von TV-Auslandschef Andreas Pfeifer

„1968: Der Prager Frühling ist vorbei“ am 21. August um 22.30 Uhr in ORF 2; außerdem: „Der Bockerer IV“ und „Burning Bush – Die Helden von Prag“

Wien (OTS) - Prag, August 1968. Die gewaltsame Niederschlagung der Reformbewegung, ihre samtene Rückkehr 1989 und das Verblassen einer demokratischen Blütezeit, 2018. Ein Tauwetter in der Tschechoslowakei nährte 1968 die Hoffnung, dass der Kommunismus sowjetischer Prägung reformierbar sei. Inspiriert durch die Entzauberung verstaubter Autoritäten auf den Straßen von Berlin, Paris und London entwickelte Alexander Dubček in Prag die Idee eines „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“, einer Regierung „ohne selbst ernannte Führer, ohne graue Arbeitsstätten und ohne gefühllose Bürokratie“. Die aufkeimenden Freiheiten währten nicht lange: Am 21. August 1968 wurden seine Reformen durch Truppen des Warschauer Pakts niedergewalzt.

Im Rahmen des ORF-Zeitgeschichteschwerpunkts „1968 – Der Umbruch“ nimmt die „Menschen & Mächte“-Dokumentation „1968: Der Prager Frühling ist vorbei“ von TV-Auslandschef Andreas Pfeifer den 50. Jahrestag des Prager Frühlings zum Anlass, am Dienstag, dem 21. August 2018, um 22.30 Uhr in ORF 2 die tschechoslowakische Demokratiebewegung, ihre Wiederkehr in den Zeiten der „Wende 1989“ und ihre Resonanz in Österreich mit Zeitzeugen, Wegbegleitern und politischen Protagonisten der Gegenwart zu beleuchten. Darunter Dubčeks Sohn Pavol, der Historiker Stefan Karner und die Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi.

Die damalige österreichische Regierung wurde durch das Ende des Prager Frühlings im Sommerurlaub überrascht. Bundeskanzler Josef Klaus berief sich auf das Neutralitätsgesetz, um seine Politik der Nicht-Einmischung und die Eindämmung der tschechoslowakischen Flüchtlingsbewegung zu legitimieren. Diese Pläne wurden durch die Informationsoffensiven des ORF von Generalintendant Gerd Bacher und seinem zwischen Prag und dem von Studentenunruhen geprägten Paris hin und her rasenden Chefreporter Hugo Portisch durchkreuzt. Pfeifer geht auch der Frage nach, warum sich die österreichische Bundesregierung nicht nur in der Frage der CSSR-Flüchtlinge defensiver verhielt als während des Ungarnaufstandes von 1956.

Unter der Führung von Achim Benning wurde die Wiener Burg zum Fluchtpunkt und „Muttertheater“ der führenden tschechischen Dissidenten, des Dramatikers und späteren Staatspräsidenten Václav Havel. Jiří Chmel, Mitunterzeichner der Charta 77, gründete nach seiner Inhaftierung und Ausbürgerung aus der Tschechoslowakei das Kellerlokal „Nachtasyl“ in Wien-Mariahilf. Es wurde zum gesellschaftlichen und künstlerischen Zentrum der Exilbewegung und ist bis heute ein alternativer Treffpunkt der traditionsreichen tschechischen Gemeinschaft in Österreich.

Die Dokumentation führt anlässlich der Gedenkfeierlichkeiten ein Gespräch mit dem amtierenden tschechischen Ministerpräsidenten Andrej Babiš und reflektiert in einem Interview mit Daniel Cohn-Bendit, einem Protagonisten der internationalen 1968er-Bewegung, das Erbe des Prager Frühlings und die populistische Unterwanderung demokratischer Traditionen in Europas Gegenwart.

Außerdem: „Der Bockerer IV – Prager Frühling“ und Zweiteiler „Burning Bush – Die Helden von Prag“

Nach der „Menschen & Mächte“-Dokumentation steht um 23.25 Uhr in ORF 2 mit „Der Bockerer IV – Prager Frühling“ Franz Antels Filmklassiker aus dem Jahr 2003 mit Karl Merkatz, Marianne Nentwich, Sascha Wussow und Caroline Vasicek auf dem Programm. Der Zweiteiler „Burning Bush – Die Helden von Prag“ erzählt am 22. und 23. August (23.50 bzw. 0.00 Uhr, ORF 2) die wahre Geschichte um die Ereignisse in Prag nach dem spektakulären Selbstmord des tschechischen Studenten Jan Palach, der sich 1969 aus Protest gegen die totalitären Maßnahmen der Sowjetunion verbrannte.

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