Oberösterreichs Eltern zahlen im Jahr 13 Millionen Euro für Nachhilfe - zu wenig Förderung in den Schulen

Linz (OTS) - Drei von vier Elternteilen in Oberösterreich sind regelmäßig als „Hilfslehrkräfte“ im Einsatz und lernen zuhause mit ihren Kindern. Und mit höherer Schulstufe steigt die Notwendigkeit teurer Nachhilfestunden. „Eltern werden hierzulande als selbstverständliche Lernressource gesehen. Das ist äußerst problematisch, weil nicht alle diese Erwartungen erfüllen können – pädagogisch, finanziell und zeitlich. Mit dem 12-Stunden-Tag werden die Familien noch weiter unter Druck kommen“, kritisiert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Er fordert bessere Förderung in der Schule, die private Nachhilfe überflüssig macht.

Laut der Ifes-Nachhilfestudie 2018 empfinden mehr als 70 Prozent der Eltern die Unterstützung ihrer Kinder bei den Schulaufgaben als zeitliche Belastung. Nach Feierabend in der Firma steht während Abendessen-Kochen oft noch die Lösung einer kniffligen Mathe-Aufgabe oder Deutsch-Hausübung auf dem Programm. „Mit der Einführung des 12-Stunden-Tages wird sich diese Problematik noch weiter zuspitzen“, warnt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Jedes zweite Volksschulkind lernt täglich mit den Eltern. Zudem erhalten laut Ifes bereits elf Prozent der Volksschulkinder Nachhilfe. Das liegt nicht zuletzt an der Trennung in AHS-Unterstufe und Neuer Mittelschule. Präsident Kalliauer: „Es ist anzunehmen, dass bevorstehende Aufnahmeverfahren und Eignungstests den Druck auf Eltern und Kinder massiv erhöhen.“

In der AHS hat bereits jedes dritte Kind Nachhilfeunterricht. Auch in der Neuen Mittelschule liegt die Nachhilfequote bei über einem Viertel. Insgesamt bekommt jedes fünfte Kind in Oberösterreich zusätzliche Unterstützung, fast die Hälfte davon regelmäßig. Mathematik ist mit 64 Prozent Spitzenreiter bei den Nachhilfefächern.

„Hier wird nachgeholt, was die Schule nicht schafft. Das ist ein Versagen der Bildungspolitik“, so der AK-Präsident. Stoff wiederholen, üben und festigen sind eigentlich Grundpfeiler des Lernens. Kalliauer: „Die Schule darf diese Aufgaben nicht einfach an Eltern oder private Nachhilfeinstitute auslagern.“ Für viele Familien bedeutet das auch eine enorme finanzielle Belastung: In Oberösterreich gaben Eltern im vergangenen Schuljahr fast 13 Millionen Euro für Nachhilfeunterricht aus. Pro Kind macht das durchschnittlich 630 Euro aus. Das ist für viele Familien, vor allem für bildungsferne und einkommensschwächere, gar nicht leistbar.

Fakt ist: Eltern wünschen sich eine bessere schulische Förderung für ihre Kinder, damit private Nachhilfe überflüssig wird. Also kein Durchpeitschen des Lernstoffs, sondern ein verständliches Vermitteln sowie mehr Wiederholen und Üben in der Schule. Kalliauer: „Die Bildungspolitik ist hier in der Verantwortung, gemeinsam mit den Schulen dafür zu sorgen, dass alle Kinder – unabhängig von der Geldbörse ihrer Eltern – die bestmögliche Ausbildung und Förderung bekommen.“ Vor allem für Volksschulkinder fordert der AK-Präsident mehr echte Ganztagsschulen mit verschränkter Abfolge von Unterricht, Freizeit und Lernen sowie generell den Ausbau des kostenlosen Förderunterrichts.

Zur Studie: Ifes hat im Auftrag der Arbeiterkammer eine repräsentative Studie durchgeführt. Befragt wurden österreichweit 3300 Haushalte mit rund 5000 Schülern/-innen.

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