AK Niederösterreich erkämpft im ersten Halbjahr 39 Mio. für Beschäftigte

Präsident Markus Wieser: „Flexibilisierung ist keine Einbahnstraße!“

St. Pölten (OTS) - 78.000 ArbeitnehmerInnen hat die AK Niederösterreich in den ersten sechs Monaten des Jahres geholfen. „Wir haben für diese Mitglieder mehr als 39 Millionen Euro erkämpft“, sagt AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser. „Sehr häufig ging es um Leistungen, die die ArbeitnehmerInnen erbracht haben, die aber nicht bezahlt wurden – z. B. Überstunden." 

Die Bilanz zeigt, wie hoch der Druck in der Arbeitswelt ist: 78.000 ArbeitnehmerInnen hat die AK Niederösterreich im ersten Halbjahr 2018 bei Problemen am Arbeitsplatz oder in sozialrechtlichen Fragen geholfen. „Wir haben mehr als 39 Millionen Euro für sie erkämpft“, so AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser. Tausende ArbeitnehmerInnen wandten sich heuer an die AK Niederösterreich, nachdem ihnen der Arbeitgeber zum Beispiel geleistete Überstunden nicht bezahlt hatte. 3.300 brauchten Unterstützung, nachdem ihre Firma in Insolvenz gegangen war. 

12 Stunden-Tag und 60 Stunden-Woche erhebliche Belastungen für die ArbeitnehmerInnen

Häufig wenden sich ArbeitnehmerInnen an die AK-ExpertInnen, da ihnen monatelang, mitunter oft jahrelang, geleistete Arbeits- und Überstunden nicht ausbezahlt wurden. Erhebungen zu Folge wird jede fünfte Mehr- oder Überstunde weder bezahlt, noch gibt es dafür Zeitausgleich. „Hier wird den ArbeitnehmerInnen mitunter sehr viel Geld vorenthalten“, so Wieser. Durch das von der Bundesregierung durchgepeitschte Arbeitszeitgesetz - Stichwort 12-Stunden-Tag und 60-Stunden-Woche – kommen hier weitere erhebliche Lohneinbußen auf die ArbeitnehmerInnen zu. „Und dass bei der Ableistung von Mehrstunden von Freiwilligkeit gesprochen wird, hat mit der Realität nichts zu tun und ist eine Verhöhnung der ArbeitnehmerInnen“, sagt Wieser. Komme ein Beschäftigter dem Wunsch des Arbeitgebers nämlich nicht nach, müsse er natürlich mit Nachteilen rechnen, was bis zur Kündigung führen kann. 

Erschöpfung durch 12 Stunden-Dienste

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt der Fall einer Tankstellenmitarbeiterin aus Traiskirchen. Frau S. arbeitete dort seit 2015. Es war ursprünglich vereinbart, dass sie zwei Tage hintereinander 12 Stunden arbeitet und dann zwei Tage frei hat. Das funktionierte anfänglich. Im letzten Jahr musste sie aber immer mehr Krankenstands- und Urlaubsvertretungen übernehmen und wesentlich öfter arbeiten, als vereinbart. Das zeigte sich schnell gesundheitlich: Innerhalb weniger Wochen nahm die Betroffene 13 Kilo ab, brach zweimal während der Arbeit zusammen. Bei einer ärztlichen Untersuchung stellte sich heraus, dass die Betroffene durch die Arbeit an Depressionen mit Überlastungssyndrom und Panikattacken litt. Was den Arbeitgeber wenig kümmerte: Er rief sie im Krankenstand immer wieder an, um nachzufragen, wann sie wieder komme. Sie sei schon zum Dienst eingeteilt. Nach zwei Wochen erhielt sie per SMS eine „fristlose Kündigung“ und wurde vom Arbeitgeber rückwirkend von der Gebietskrankenkasse abgemeldet. „Der Arbeitgeber datierte die Abmeldung um fünf Tage vor und gab an, dass die Betroffene unberechtigt vorzeitig ausgetreten sei“, schildert AK Niederösterreich-Experte Alfred Jordan. „Wir haben vom Arbeitgeber die offenen Ansprüche eingefordert, und werden, wenn notwendig, die Rechte der Arbeitnehmerin einklagen.“ 

„ArbeitnehmerInnen sind flexibel genug“

Die Arbeitsrechtsverletzungen, mit denen die AK in ihrer Beratung konfrontiert ist, widerlegen die vermeintliche Notwendigkeit, die Arbeitszeit weiter zu flexibilisieren: „Die ArbeitnehmerInnen leisten oftmals zusätzliche Arbeitsstunden, wenn es erforderlich ist. Aber es geht um faire und vollständige Abgeltung. Wir sagen ganz klar, Flexibilisierung ist keine Einbahnstraße. Wenn die Regierung trotzdem meint, sie müsse Geisterfahrer spielen, dann werden wir ihnen zeigen, dass sie nicht in einer Einbahn, sondern in einer Sackgasse fahren“, so Wieser.

„6. Urlaubswoche nach 25 Dienstjahren – egal bei wie vielen Dienstgebern“

Änderungen sind laut Wieser bei der Erreichbarkeit der 6. Urlaubswoche erforderlich, um den Veränderungen in der Arbeitswelt Rechnung zu tragen. Grundsätzlich ist es so, dass Arbeitnehmer Anspruch auf eine zusätzliche Urlaubswoche haben, wenn sie mindestens 25 Jahre lang beim selben Dienstgeber beschäftigt sind. Nur immer weniger ArbeitnehmerInnen kommen in diesen Genuss. Zum einen weil viele ArbeitnehmerInnen den Anspruch verlieren, wenn sie gekündigt werden, oder der Betrieb insolvent wird. Zum anderen sind die Arbeitsverhältnisse immer kürzer. Die durchschnittliche Dauer eines Arbeitsverhältnisses in Niederösterreich betrug zuletzt 10 Jahre. „Daher ist es mehr als erforderlich, das Urlaubsgesetz anzupassen. Wer 25 Dienstjahre absolviert hat, muss in den Anspruch einer sechsten Urlaubswoche kommen, unabhängig davon in wie vielen Betrieben er gearbeitet hat“, so Wieser. Denn einerseits wird den ArbeitnehmerInnen immer wieder ausgerichtet, sie sollen doch bitte flexibel sein und sich auf neue Herausforderungen einstellen. Und wenn das jemand tut und den Arbeitgeber wechselt, dann werde er damit bestraft, dass er den Anspruch auf die 6. Urlaubswoche weitgehend verliert.

„Holen jeden Euro Mitgliedsbeitrag direkt zurück“

Die AK-Mitgliedschaft zahlt sich für die ArbeitnehmerInnen aus. Das bestätigen für Wieser auch die aktuellen Zahlen der Halbjahresbilanz: "Allein durch unsere arbeitsrechtliche Vertretungstätigkeit fließen mehr Beiträge an die ArbeitnehmerInnen zurück, als die gesamte AK-Umlage ausmacht." Mit 39,5 Millionen Euro macht die Vertretung im Arbeits- und Sozialrecht den größten Brocken aus, gefolgt von den Steuersparwochen. „Berücksichtigt man zusätzlich zu den direkt gesicherten Geldbeträgen alle weiteren Leistungen der Arbeiterkammer, so erhalten unsere Mitglieder ihre Beiträge sogar dreifach zurück“, sagt Wieser.

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AK Niederösterreich Öffentlichkeitsarbeit, Chef/in vom Dienst, Tel.: 05-7171-21900
Weitere Informationen zum Thema Arbeitsrecht finden Sie auf: noe.arbeiterkammer.at.

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