Neues Volksblatt: "Prestigeprojekt" (von Heinz WERNITZNIG)

Ausgabe vom 1. August 2018

Linz (OTS) - Bei der Diskussion um Tempo 140 geht es längst nicht mehr um Fakten, sondern schon längst um Emotionen. Auf der einen Seite stehen jene, die eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h auf einer dreispurigen Autobahn als Einschränkung der persönlichen Freiheit empfinden und auf der anderen Seite jene, die alle, die etwas flotter als erlaubt unterwegs sind, als unverantwortliche Raser abstempeln. Letztere fühlen sich angesichts der Erderwärmung zusätzlich bestätigt und verweisen süffisant auf den minimalen Zeitgewinn.
Problematischer als die Anhebung der Höchstgeschwindigkeit auf zwei Abschnitten der Westautobahn auf Tempo 140 ist die unterschiedliche Messtoleranz in Oberösterreich und in Niederösterreich. Kein Autofahrer wird einsehen, warum er im Land ob der Enns erst ab 159 km/h gestraft wird, im Nachbarbundesland aber schon ab Tempo 147. Verwaltungsjuristen und Experten in Sachen Straßenverkehrordnung reiben sich schon jetzt die Hände! Offen ist auch, wie es nach dem auf ein Jahr angelegten Testbetrieb mit der angehobenen Höchstgeschwindigkeit weitergeht. Vieles spricht dafür, dass erhöhte Luftschadstoffwerte dem Prestigeprojekt von Verkehrsminister Hofer den Garaus machen werden. Entscheidend wird die Disziplin der Autofahrer samt Auswirkung auf die Unfallstatistik sein. Einen noch höheren Blutzoll auf den heimischen Straßen würde niemand tolerieren.

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